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Doppelzuständigkeit und Wirrwarr im Bundesinstitut für Risikobewertung.

Filz und Klüngel in der Ernährungsindustrie - ein Lobbyparadies in der Agrarwirtschaft -
Agent Orange -- eine Kämpferin für Gerechtigkeit und der Prozess gegen Chemiekonzerne
Kauft keine Holzkohle sonder nutzt Alternativen.

Bee against Bayer 2021

Bee against Bayer 
(March against Bayer/Monsanto)

Samstag 22.05.2021 ab 12.30h

Hamburger Innenstadt ab 12:30 Uhr

Hamburg Stübenplatz ab 15: 00 Uhr

Sonntag 23.05.2021 um 14h

online

Da unsere Regierung die Pandemie bis heute nicht unter Kontrolle hat und absehbar nicht haben wird, wird die Demo auch in diesem Jahr leider nicht wie üblich stattfinden: wir haben nicht genug Menschen um ein vernünftiges Hygiene-Konzept für einen Demozug zu erstellen. 
Wir hoffen, dass unsere Politiker*innen die Pandemie bis 2022 dann doch noch in den Griff bekommen und wir dann wie gewohnt wieder zusammen gegen Bayer & Co auf die Straße gehen können. 

Für dieses Jahr haben wir für den 22.05.2021 eine Schnitzeljagd durch Hamburg vorbereitet.

Außerdem könnt ihr auf dem Stübenplatz (in Hamburg Wilhelmsburg) von 15-19 Uhr samenfestes Saatgut abholen, tauschen und kleine Pflanzen mitnehmen - natürlich mit Maske und auch nur mit Abstand.

Info:
Am Stübenplatz sollen bitte nicht mehr als 10 Teilnehmer*innen gleichzeitig vorort sein. Denn wir wollen nicht dass die Veranstaltung zur Ausbreitung der Pandemie beiträgt.

 

Am 23.05.2021 finden von 14-16 Uhr  online über Zoom Redebeiträge verschiedener Organisationen statt.

Wer daran teilnehmen möchte kann sich unter marchagainstbayer@machbar-ev.de anmelden und bekommt dann einen Tag vorher das Passwort. Die Teilnehmerzahl dafür ist leider systembedingt auf 80 Leute begrenzt.

Teilt die Veranstaltungen mit all euren Freunden*innen und Bekannten*innen, denn je mehr mitmachen umso besser!

Wer nicht das Haus verlassen möchte oder kann, kann auch die online Demo vom letzten Jahr wiederholen.

https://www.machbar-ev.de/web-against-bayer-monsanto-2020/

  • 1. Überleg dir auf welchen Kanälen du aktiv werden möchtes (Google, Facebook, Twitter, Instagram, Email)
  • 2. Dann dein Handy, Laptop oder deinen PC anschalten, mit dem Internet verbinden und auf unsere Webseite oder Facebookseite gehen. Und außere deine Kritik: Poste, kommentiere und Bewerte die verschiedenen Kanäle von zuständigen Behörden, Bayer & Co.

Hintergründe zum March against Bayer

Der MARCH AGAINST BAYER ist der weltweit größte Protestmarsch gegen Agrarkonzerne. Seit 2013 protestieren Menschen jährlich zeitgleich in hunderten Städten gegen die zerstörerische Industrie von Monsanto (jetzt Bayer) & Co. Konzerne wie Bayer versuchen z.B. mittels Saatgut-Patente die vollständige Kontrolle über unsere Nahrung zu erlangen.

Unser Protest richtet sich gegen alle Umweltsünden und Menschenrechtsverletzungen, die mit den Agrar- und Chemie-Konzernen in Verbindung gesetzt werden: Regenwaldabholzung, Breitbandherbizide wie Glyphosat, Gen-Food, Patente auf Saatgut, Nahrungsmittel-Monopole, Aufkauf kleinbäuerlicher Betriebe, Vertreibung indigener Völker, Wasser- und Luftverschmutzung und nicht zuletzt das Bienen- und Artensterben …

Der MARCH AGAINST BAYER steht auch für eine weltweite Solidarität. In Nord- und Südamerika und Europa gehen jedes Jahr Ende Mai Millionen von Menschen auf die Straße, um etwas zu bewegen. Haltet euch diesen Tag frei und seid mit dabei!

Dieses Jahr für Hamburg am 22.05 und 23.05.2021

 

Wann & Wo

Protest-Schnitzeljagd

Wann: Samstag, 22.05.2021 ab 12:30  Uhr      Wo: Hamburger Innestadt bis Wilhelmsburg

 

Redebeiträge                 

Wann: Sonntag, 23.05.2021 ab 14:00  Uhr       Wo: online bei Zoom mit vorheriger Anmeldung

 

 

Ab 12:30 startet in der Hamburger Innenstadt  die Protest-Schnitzeljagd in Richtung Wilhelmsburg
Ab 15:00 Auf dem Stübenplatz (Hamburg Wilhelmsburg) könnt samenfestes Saatgut abholen und tauschen und kleine Pflanzen mitnehmen –

Am 23.05.2021 finden von 14-16 h  online über Zoom Redebeiträge verschiedener Organisationen statt unter anderem von:

  • Soil & More
  • Coordination für Bayer Gefahren
  • Pestizid AktionsNetzwerk
  • Gegenstrom Hamburg

Stopecocide

Anmeldung unter: marchagainstbayer@machbar-ev.de

Organisationen die zu dieser Demo aufrufen:

Veranstalter:

Schnitzeljagd 2021

Schnitzeljagd

Samstag 22.05.2021

ab 12:30 Uhr Hamburg Innenstadt

Erster QR-Code.

  • Solltet ihr bei der Schnitzeljagd nicht weiter kommen schreibt eine Nachricht an:
  • 0176- 95 22 91 93
  • Betreff Schnitzeljagd und euren Standort.

 

Gaaaaaanz viel Spaß!

Was brauche ich für die Schnitzeljagd:

  • 1. Ein Handy (genauer, ein Smartphone/Tablet)
  • 2. Eine QR-Scanner App (kann man sich kostenlos runterladen)
  • 3. Ein Demoschild
  • 4.* Wer nicht lange zu Fuß gehen mag oder kann: Eine Fahrkarte vom HVV oder ein Fahrrad
Streckendauer:
  • Strecke zu Fuß: 1,5-2 Std.
  • Strecke zu Fuß & HVV: 1 Std. (30 Min. zu Fuß 30 Min. HVV)

Strecke Fahrrad: 40 Min.

alles plus Nachdenkzeit und QR-Code-Suche.

Am 22.05 ab 12.30 h solltet ihr frühesten und spätestens um 16/17 h starten

  • denn spätestens um 19h findet ihr niemanden mehr am Endpunkt der Schnitzeljagd.

(Wenn ihr mit dem Fahrrad unterwegs seid solltet ihr nicht vor 14h starten)

Der Start wird in der Innenstadt sein. Der genaue Startpunkt wird hier auf der Seite (siehe Button) und auf Facebook am 22.05.2021 ab ca. 9 Uhr verraten.

Hier seid ihr gefragt: Seid so kreativ wie die Jahre zuvor, bastelt und malt Kreidebilder, Plakate und Banner und geht damit auf Schnitzeljagd.

Auf der Schnitzeljagd erfahrt ihr ein Lösungswort, das ihr uns dann am Ende mitteilt.

Macht Fotos und kurze Videos von euch und euren Demoschildern und postet es auf euren Social Media Kanälen mit den Hashtags #stopbayer #bayertötet

Schickt eure Videos und Fotos bitte an online-demo@machbar-ev.de, wenn wir sie veröffentlichen sollen.

Wichtige Info:
Wir haben keinen Aufzug angemeldet sondern nur eine Versammlung. 
Wenn ihr andere Leute treffen solltet die an der Protest-Schnitzeljagd teilnehmen, wartet doch bitte etwas, damit nachher nicht ein unkontrollierter  Aufzug entsteht.
Wenn ihr Aufgrund eurer Protestschilder Ärger mit anderen Menschen bekommen solltet, (was wir uns nicht vorstellen können) ruft euch selbstständig Hilfe! Die Polizei wird die Schnitzeljagd nicht begleiten.

Wann & Wo

Wann: Samstag, 22.05.2021  ab 12:30                                                                                                                                                                                                      Wo: Hamburger Innestadt bis Wilhelmsburg

Erster QR-Code.

  • Solltet ihr bei der Schnitzeljagd nicht weiter kommen schreibt eine Nachricht an:
  • 0176- 95 22 91 93
  • Betreff Schnitzeljagd und euren Standort.

 

Gaaaaaanz viel Spaß!

Organisationen die zu dieser Demo aufrufen:

Veranstalter:

Ökozid sollte strafbar sein, es ist ein Verbrechen.

Bild-stop-ecocide-Titel

Ökozid sollte strafbar sein, es ist ein Verbrechen.

"Stop Ecocide" ist aktuell eine der wichtigsten Kampagnen überhaupt:

Es wird Zeit, dass Ökozid zum internationalen Straftatbestand wird.

Konzerne beuten schamlos die Natur aus, erwirtschaften durch die Zerstörung ganzer Ökosysteme Milliarden Gewinne ohne für die Folgen ihres Tuns zu haften. Das muss sich ändern! Wir reiben uns vorsichtig beglückt die Augen: Das EU-Parlament unterstützt das sogar.

Manchmal werden Unternehmen und Konzerne verklagt, manchmal verhängt man Geldstrafen, von denen wir ausgehen können, dass diese zum Teil bereits im jeweiligen Budget mitberücksichtigt sind. Das reicht bei weitem nicht. Umweltverbrechen sollten als "Ökozide" bezeichnet werden und diese international vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) angeklagt werden können. Die vertragliche Grundlage des IStGH ist das "Römische Statut", auch Rom-Statut genannt, wonach bisher nur vier Arten von Verbrechen aufgezählt sind: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression. Die Aufnahme von Ökoziden würde Einzelne, die für die Finanzierung, Erlaubnis oder Ausführung schwerwiegender Umweltschäden verantwortlich sind, strafrechtlich verfolgbar machen.

Viele Staaten sind dem "Rom-Statut" Staaten beigetreten. Die USA und Russland (und der Sudan) haben zwar unterschrieben, ihre Unterschriften aber zurückgezogen. Marokko z. B. hat unterschrieben, aber nicht ratifiziert. Unterzeichnung und Ratifizierung sind zwei verschiedene Dinge. Sobald alle Parteien einverstanden sind, wird dies in einem Dokument niedergeschrieben und unterzeichnet. Diese Absichtserklärung an sich ist aber unverbindlich. Nach der Unterzeichnung erfolgt die Ratifizierung: das unterzeichnete Papier muss zu den jeweiligen Regierungen zurückgebracht werden, die dann den Vertrag genehmigen und unterzeichnen (oder aber auch nicht). Die Philippinen sind ausgetreten nachdem ihnen wegen der Tausende Tote im Zusammenhang mit dem sogenannten Krieg gegen Drogen, den Präsident Duterte auf den Philippinen führt, ein Verfahren drohte. China ist gar nicht erst dabei.

 Im Übrigen ist der Begriff "Ökozid" nicht neu: Seit spätestens 1996 war er auch den Vereinten Nationen bekannt. Damals sollte Ökozid neben Genozid zu einem Völkerrechtsverbrechen erklärt werden. Im römischen Statut des IStGH waren ursprünglich fünf Verbrechen gegen den Frieden vorgesehen: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Verbrechen der Aggression und Ökozid. Letzteres wurde auf vehementem Druck von den USA, England, Frankreich und den Niederlanden wieder von der Liste gestrichen. Man wollte gerne die Umwelt weiterhin versauen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, ist die EU für die Aufnahme von Ökoziden, immerhin.

Das Verfahren zur Aufnahme des Ökozids in das Rom-Statut ist ein immens wichtiger Schritt, um uns die Gewalt bewusst zu machen, die die Grundlage des aktuellen Wirtschaftssystems darstellt. Das Ideal des grenzenlosen Wachstums führt zu ebenso grenzenlosen Verletzungen der Rechte der Erde und der Rechte der Natur. Das sei Ökozid, so definiert es Vandana Shiva, indische Wissenschaftlerin und Verfechterin von  Nahrungsmittelsouveränität, Trägerin von viele Auszeichnungen, u. a. des Alternativen Nobelpreises. Sie hat u. a. "Navdanya" gegründet: Navdanya bedeutet „Neun Saaten“ oder „Neun Samen“ und steht symbolisch für den Schutz von biologischer und kultureller Vielfalt des Saatgutes. Und sie hat einige entsprechende Bücher geschrieben, von denen die meisten ins Deutsche übersetzt wurden. Lesen!

Kumi Naidoo, bis Dezember 2019 Generalsekretär von Amnesty International und vorher Direktor von Greenpeace International drückte es so aus: "Gegenwärtig erlauben wir unseren politischen und wirtschaftlichen Führern, mit Mord davonzukommen. Jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern. Wir brauchen eine direkte Haftung für diejenigen, die unsere Zukunft und diesen Planeten zerstören. Wir brauchen einen schnellen, tiefgreifenden und systemischen Wandel. Die Geschichte schreitet nur voran, wenn mutige Menschen aufstehen und handeln. Deshalb unterstütze ich diese Bürgerinitiative, um Ökozid als das Verbrechen anzuerkennen, das es ist."

Der führende Menschenrechtsanwalt Michael Mansfield aus Großbritannien sagte “Wenn du eine Firma dafür [für Umweltzerstörung, Anm. d. Red.] zur Verantwortung ziehen willst, dann lautete das Problem der Vergangenheit bisher: wer sitzt auf der Anklagebank? Wer ist verantwortlich? In der Firma sitzen reale Menschen und das Objekt des Ökozid sind nicht bloß Firmen, sondern auch Individuen... individuelle Verantwortung ist der einzige Weg für irgendeine Art der Veränderung.“

Es gibt viele Gründe, die gemeinnützige NGO, die "Stop Ecocide Foundation" zu unterstützen.

Nur einige wenige Beispiele:

Die immensen Schäden an Mensch und Natur durch das chemische Entlaubungsmittel Agent Orange hat machbar e.V. bereits in einem früheren Artikel beschrieben. Agrarwissenschaftler*innen prognostizierten Anfang 2019 im Fachjournal „Open Journal of Soil Science“, dass Vietnam noch Jahrzehnte an den Spätfolgen leide. An der Oberfläche zerfällt TCDD in ein bis drei Jahren, im Boden und in Fluss- wie Meeressedimenten kann es mehr als 100 Jahre bestehen. Über Flüsse, Wind und die Bodenerosion während des Monsuns breitet sich TCDD aus und gelangt in Nahrungsketten. Schlauer ist man nicht geworden: so gab es im Sommer 2011 einen Fall, bei dem in Brasilien vom Flugzeug aus Herbizide auf Regenwald versprüht wurden, bei denen auch dioxinhaltige 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure eingesetzt wurde, einer der in Agent Orange enthaltenen Wirkstoffe.

Ölpest volle Kraft voraus!

Erst im Sommer 2020 ereignete sich eine schwere Öltanker-Katastrophen, als der japanische Frachter MV Wakashio vor der Küste von Mauritius auf Grund lief. Über 1.000 Tonnen Öl sollen ausgelaufen sein. Nachdem das Schiff auf Grund gelaufen war und Treibstoff verloren hatte, war es in zwei Teile gebrochen. Eine Ölpest auf See und in Riff- und Küstengebieten war die Folge. 1991 geriet ein Öltanker mit einer Ladung von 260.000 Tonnen Rohöl in Brand. Damals befand sich der Tanker etwa 900 Seemeilen vor Angola. Ebenfalls 1991 explodierte ein Öltanker vor dem Hafen der italienischen Stadt Genua. Der Frachter, der noch mit 144.000 Tonnen Rohöl beladen war, sank.

Seit Jahrzehnten spielt sich im Nigerdelta die vielleicht größte Umweltkatastrophe auf dem afrikanischen Kontinent ab: Die Ölförderung zerstört die Natur und die Lebensgrundlagen der Bevölkerung. In Nigeria, einem der weltweit größten Erdölproduzenten der Welt, hat die Ölförderung des niederländisch-britischen Ölkonzerns Royal Dutch Shell seit den späten 50-er Jahren ganze Natur- und Lebensräume zerstört und das Land in Armut zurückgelassen. Nach Schätzungen haben mehr als zwei Millionen Tonnen Rohöl das Ökosystem des Nigerdeltas verschmutzt. Für die meisten Einwohner*innen, viele von ihnen Fischer und Bauern, wurde durch die Ölkatastrophe ihre Lebensgrundlage vernichtet.

-Ecuador erlangte durch den Jahrhundertprozess gegen den Erdöl-Multi Texaco/Chevron das öffentliche Interesse. Verseuchte Böden, verdrecktes Wasser, verpestete Luft, das ist das Erbe auch von Texaco/Chevron in Ecuadors Regenwald. Ecuador erstritt im November 2013 eine Entschädigung von 9,511 Milliarden US-Dollar. Der Internationale Gerichtshof annullierte das Urteil gegen den Erdölkonzern, womit die Strafe gegen Chevron aufgehoben wurde. "netzfrauen.org" schreibt auch "2020 kamen führende Ölproduzenten, darunter ENI, ROYAL DUTCH SHELL, SATURN OIL & GAS und die G20-Energieminister zusammen, um ein Notfallpaket von Produktionskürzungen zu koordinieren. Ziel war es, die Nachfrageeinbrüche durch die COVID-19-Pandemie zumindest auszugleichen. Um Kosten zu reduzieren, rechnet Shell mit einem Stellenabbau bis Ende 2022 von 7.000 bis 9.000 Menschen. Müssen wir am Ende auch noch die Ölriesen retten, die für zahlreiche Skandale bekannt sind?"

-Am 20. April 2010 kam es infolge verschiedener schwerer Versäumnisse zu einem Blowout (unkontrolliertes Austreten von Bohrspülung, Erdöl und/oder Erdgas aus einem Bohrloch einer Bohr- oder Förderanlage der Bohrplattform) der Bohrplattform Deepwater Horizon für die Erdölexploration im Golf von Mexiko, bei dem die Plattform in Brand geriet und zwei Tage später unterging. 87 Tage lang strömten etwa 800 Millionen Liter Öl ins Meer, was zur Ölpest im Golf von Mexiko führte, der schwersten Umweltkatastrophe dieser Art in der Geschichte. 

Die Katastrophe der Deepwater Horizon bei dem Brand 2010 war Anlass für den Ökozid-Vorwurf der Juristin Polly Higgins, die aus Ökozid einen internationalen Straftatbestand machen wollte.

-Nach Angaben des Konzerns in 2019 will Shell alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Damals jedenfalls war die britische Regierung gewillt, Shells Pläne zu genehmigen. Aktueller Status: unbekannt.

-Als "Nuklearkatastrophe von Fukushima" werden eine Reihe von katastrophalen Unfällen und schweren Störfällen im japanischen gleichnamigen Kernkraftwerk und deren Auswirkungen bezeichnet. Sie ist noch in unguter Erinnerung. Die Staatsanwaltschaft in Tokio hatte vor 2017 zwei Mal beschlossen, die Chefs der Betreiberfirma Tepco nicht anzuklagen. Auf Einwirkung einer Bürgerinitiative standen dann drei frühere Topmanager 2017 doch noch vor Gericht. Sie wurden der fahrlässigen Katastrophen-Vorsorge beschuldigt, weil sie ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden und sich nicht richtig über die Risiken eines Kernkraftwerks an der Pazifikküste informiert hatten. Freispruch!

-Katastrophale Brände in Australien, in den USA, illegale Rodungen im Amazonasgebiet und und und. Im brasilianischen Amazonasgebiet gab es im Juni 2020 die schlimmsten Brände für diesen Monat seit 13 Jahren. Nach Auswertungen des brasilianischen Weltrauminstituts Inpe wurden in den zwölf Monaten August 2019 bis Juli 2020 34 Prozent mehr Regenwald abgeholzt als im Vorjahreszeitraum. Die Satellitenaufnahmen von Inpe zeigten, dass rund 9.170 Quadratkilometer Regenwaldfläche vernichtet wurden. Ein Quadratkilometer sind 1.000.000 Quadratmeter. In 2019 gab es die schwersten Waldbrände seit mehr als 20 Jahren, die sich von Brasilien aus auch auf Bolivien und Peru ausdehnten. Brasiliens oberster Populist und Präsident Jair Bolsonaro hatte im Wahlkampf angekündigt, das Amazonas-Gebiet weiter wirtschaftlich zu erschließen und keine neuen Schutzgebiete für die brasilianischen Ureinwohner auszuweisen.

Das hat auch etwas mit uns zu tun:

Für die Massentierhaltung in Europa importiert die EU Soja aus Brasilien. Etwa ein Fünftel der jährlichen Exporte von Soja und Rindfleisch aus Brasilien in die Europäische Union stehen demnach in Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet und in der Cerrado-Savanne. Waldrodung ist allerdings nicht das einzige Problem, mit dem landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien latent behaftet sind. Hemmungsloser Pestizid- und Herbizideinsatz sowie Monokulturen laugen dort die Böden aus und killen die Biodiversität des Landes.

-Zum ersten Mal haben Forscher bewiesen, dass die vom Menschen verursachte Globale Erwärmung direkt für die Schaffung einer "kritischen Bedrohung" einer verheerenden Flut verantwortlich ist - und eine Stadt mit etwa 120.000 Einwohner*innen auf den Weg potenzieller Überschwemmungen gebracht hat. Das zeigen neue Forschungsergebnisse der Universität Oxford und der University of Washington, die am 04. Februar 2021 in "Nature Geoscience" veröffentlicht wurden. Während sich der Planet erwärmt, tragen sich zurückziehende Gletscher zur Bildung instabiler Seen bei, die anfällig für gefährliche Ausbrüche sind. Die Studie liefert ein entscheidendes fehlendes Beweisstück für eine bahnbrechende Klage die vom Energiekonzern RWE eine Entschädigung für die Auswirkungen des Klimawandels in Huaraz (Peru) fordert.

Direktoren und Vorstandsvorsitzende sollen sich in Zukunft nicht mehr fragen „Rechnet sich das Projekt?“, sondern „Ist das Projekt es wert, dass ich dafür ins Gefängnis gehe?“.

Bisher sind es kriminelle Verbrechen, die nicht einklagbar sind. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Die derzeit gültigen Gesetze zielen darauf ab, die Wirtschaft anzukurbeln und die Profite zu maximieren. Mit dem Ökozid-Gesetz sollen aber nicht Konzerne zum Kollabieren gebracht werden, sondern es sollen Probleme mittels erneuerbaren Energien gelöst, und, bezogen auf Innovationen, soll in eine andere Richtung geforscht werden.

Ein Gesetzentwurf der Sozialdemokraten in Frankreich sieht bis zu 20 Jahre Freiheitsentzug und Geldstrafen bis zu 10 Millionen Euro für Ökozid vor. Die Unternehmen fühlen sich bedroht; bei der in Frankreich größten Arbeitgebervereinigung "Medef" wird gar eine leichte Panik beobachtet. Die Unternehmer mögen kein Gesetz, das die verantwortlichen Führungspersonen im schwerstwiegenden Fall von angerichteten Umweltschäden mit zwanzig Jahren Freiheitsstrafe konfrontiert und mit Geldstrafen von bis zu 10 Millionen Euro oder 20 Prozent des globalen Umsatzes droht. Der betreffende Straftatbestand, der neu eingeführt werden soll, heißt: "Ökozid".

Das Römische Statut, mit dem 1998 der IStGH gegründet wurde, bestraft bereits „weit verbreitete, langfristige und schwere Schäden an der natürlichen Umwelt“ im Rahmen eines Krieges. Für Umweltschäden in Friedenszeiten gibt es jedoch keine Regelung. Nach diesem Votum des Europäischen Parlaments liegt es nun an den Mitgliedsstaaten, sich vor dem IStGH und auf der internationalen Bühne für dieses Anliegen auszusprechen. „Es liegt an uns, den Parlamentariern, diese Position mit Leben zu füllen, die Mitgliedsstaaten aufzufordern, diesem Ansuchen des Europäischen Parlaments nachzukommen. Auch die Kommission muss aufgefordert werden, in diesem Sinne zu handeln“, betonte die Juristin Marie Toussaint, einer grünen Abgeordneten des Europäischen Parlaments, für die „diese Abstimmung des Europäischen Parlaments auch Emmanuel Macron an seine Verantwortung erinnert“. 

Am 20. Januar 2021, hat das Europäische Parlament einen wichtigen Änderungsantrag zugunsten des Umweltschutzes angenommen.

Die Europaabgeordneten fordern (340 Ja-Stimmen, 323 Nein-Stimmen und 17 Enthaltungen), dass Umweltverbrechen im internationalen Strafrecht verankert werden. In der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments am 20. Januar nahmen die Abgeordneten einen Änderungsantrag an, der von Salima Yenbou für die Fraktion der Grünen/EFA eingereicht worden war. “Es legt der EU und den Mitgliedsstaaten nahe, die Anerkennung des „Ökozids“ als internationales Verbrechen im Sinne des Römischen Statuts des IStGH voranzubringen“, heißt es in dem Änderungsantrag.

Wir sind gespannt und machen mit bei "Stopecocide!"

Quellen und mehr Infos:
https://www.stopecocide.de/okozid-zum-verbrechen-machen
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Statut_des_Internationalen_Strafgerichtshofs
https://de.wikipedia.org/wiki/Vandana_Shiva#Gr%C3%BCndungen
https://www.machbar-ev.de/regenwald-tipp1/
https://www.machbar-ev.de/agent-orange-eine-kampferin-fur-gerechtigkeit-und-der-prozess-gegen-chemiekonzerne/
Agent Orange – Wikipedia
Nuklearkatastrophe von Fukushima – Wikipedia
Japan: Fukushima-Urteil sorgt für Empörung - Wirtschaft - SZ.de (sueddeutsche.de)
Ölkatastrophe im Nigerdelta – Wikipedia
Catch-me-if-you-can Spiel, das die Ölkonzerne treiben - wie Shell im Nigerdelta wegen Ölverschmutzung - Dutch court orders Shell to pay over oil spills - Shell Employees Involved with Causing Oil Leaks in Nigeria - netzfrauen– netzfrauen
Toxic-Tour durch Ecuadors Regenwald - Verseuchte Böden, verdrecktes Wasser, verpestete Luft - netzfrauen– netzfrauen
Konzern vor Menschenrecht – einfach widerlich! Ecuador muss an Chevron zahlen anstatt Chevron die Milliardenforderung an vergiftete Ureinwohner - Ecuador loses case, pays Chevron. Chevron loses cases, refuses to pay Ecuador. That's wrong! - netzfrauen– netzfrauen
Severe flood threat caused by climate change – landmark Oxford study | University of Oxford
BertaCaceres.org - Justice for Berta Cáceres
Saúl versus RWE - The Huaraz Case | Germanwatch e.V.
Case History: Berta Cáceres | Front Line Defenders
Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen - Sonnenseite - Ökologische Kommunikation mit Franz Alt
Deepwater Horizon – Wikipedia
https://www.heise.de/tp/features/Oekozid-Ein-Verbrechen-gegen-die-Menschheit-4612405.html
https://globalmagazin.eu/themen/natur/oekozid-ein-verbrechen-gegen-das-voelkerrecht/
https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/parlement-europeen-vers-la-reconnaissance-de-lecocide-comme-crime-international/
https://reset.org/blog/oekozid-ein-fuenftes-verbrechen-gegen-den-frieden
https://www.stopecocide.earth/
https://pollyhiggins.com/
https://www.ecocidealliance.org/
https://www.deutschlandfunk.de/strafgerichtshof-in-den-haag-faktisch-ein-internationales.2852.de.html?dram:article_id=369607
https://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-amazonas-abholzung-101.html
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/illegale-abholzung-des-amazonas-was-unsere-bratwurst-mit-dem-regenwald-zu-tun-hat-a-2665fd88-cc3e-4621-a5ed-f0bc9b7b560e

Agent Orange – eine Kämpferin für Gerechtigkeit und der Prozess gegen Chemiekonzerne

Titel-2

Agent Orange

eine Kämpferin für Gerechtigkeit und der Prozess gegen Chemiekonzerne

Es wurde in Deutschland entdeckt, jahrzehntelang verheimlicht, verharmlost und über den ganzen Erdball verteilt:

Dioxin steht in Paris vor Gericht.

Die fast 79-jährige französisch-vietnamesische Frau Tran To Nga klagt in Paris gegen 26 multinationale Chemieriesen; neben anderen Konzernen stehen auch  Bayer und BASF vor Gericht. Der Vorwurf an die gesamte Chemieindustrie ist es, seit den Fünfzigerjahren gewusst zu haben, wie gefährlich TCDD (Tetrachlordibenzodioxin, eine chlorhaltige, hochgiftige organische Verbindung) ist, aber dieses Wissen aus Profitgier unterdrückt und verheimlicht zu haben. 1966 wurde Tran To Nga Opfer des Giftes, als sie im Widerstand auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad (ein während des Indochinakriegs und des Vietnamkriegs genutztes logistisches Netz aus Straßen und anderen Verkehrswegen) als Lehrerin zur Unterrichtung von Kindern tätig war: “Ich bin die Einzige, die diese Firmen in Frankreich anklagen kann!", sagt sie. Denn nur französische Staatsangehörige, die selber Opfer von Agent Orange geworden sind, können Klage in Frankreich einreichen. Noch 40 Jahre nach dem Leben im Agent-Orange-Dschungel wurden bei ihr erhöhte Dioxin-Werte gemessen.

Bis es zum Prozess am 25. Januar 2021 (das Urteil wird für den 10. Mai erwartet) kam, dauerte es sechs Jahre: Frau Tran stellte 2014 erstmals gegen die amerikanischen Chemiegiganten Dow Chemical und Monsanto Anzeige. Sie hat Angst, das Ende ihres Prozesses nicht mehr zu erleben; sie leidet an Herzproblemen, Diabetes, Knoten im ganzen Körper, Brustkrebs und einer Blutkrankheit. Die Anwälte der Unternehmen verzögern das Verfahren hingegen mit immer neuen Anträgen.

Agent Orange

ist ein giftiges Entlaubungsmittel (eine Dosis von 0,000001 Gramm reicht, um ein Kleintier innerhalb kurzer Zeit zu töten), das während des Vietnamkriegs (1955 bis 1975) in Vietnam, Laos und Kambodscha von der US-Armee versprüht wurde. Das Unkrautvernichtungsmittel verursacht auch heute noch Opfer: über drei Millionen Opfer in vier Generationen, die u. a. an Totgeburten, Fehlgeburten, Missbildungen (Kinder ohne Augen, ohne Nase, Kinder mit Wasserköpfen und Gesichtsspalte etc.) und Krebs leiden, bis heute. Unter den qualvoll Verstorbenen sollen sich mindestens 150.000 Kinder befunden haben.

Die amerikanischen Veteranen, die Opfer von Agent Orange wurden, erhoben 600 Sammelklagen, bei denen Schadensersatzforderungen von 45 Milliarden Dollar befürchtet wurden. Um Gerichtsurteile zu vermeiden, kam es zu einem Vergleich, in dem die amerikanischen Opfer  mit über 197 Millionen Dollar entschädigt wurden. Die Chemiefirmen waren glücklich: Sie ließen sich im Vergleich bescheinigen, dass sie nicht für die Leiden der Veteranen verantwortlich seien. Die Gesundheitsschädlichkeit von Dioxin wurde nicht verhandelt. Die vietnamesischen Opfer hingegen sind bis heute nicht als solche anerkannt. Die vietnamesische Regierung war lange Zeit kaum daran interessiert, die USA an Entschädigungen zu erinnern. Gute Wirtschaftsbeziehungen waren wichtiger, vor allem aber wollte man die Öffentlichkeit nicht daran erinnern, dass Obst, Fisch und andere exportierte Lebensmittel made in Vietnam möglicherweise dioxinbelastet sind.

Obwohl ein Unfall bei BASF

vor 67 Jahren, im Jahr 1953 zeigte, dass TCDD hochgiftig ist, hielt die Chemieindustrie diesen Unfall geheim. Boehringer Ingelheim, das größte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland (auch zuständig für andere Skandale, siehe Wikipedia) war Lieferant von 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge, die zur Herstellung von Agent Orange diente. Mitglied der Geschäftsführung von 1962 bis 1966 war Richard von Weizsäcker, ehemals Bundespräsident, der in dieser letzten Rolle zum Nationalheiligen wurde. Ob er von der Giftigkeit des Produkts gewusst hat? Niemand weiß es. Boehringer Ingelheim jedenfalls wusste von schädlichen Wirkung von AO. Firmenchef Ernst Böhringer untersagte Mitte der Fünfzigerjahre, ärztliche Erkenntnisse über die Gefährlichkeit von Dioxin zu veröffentlichen (und auch Heinrich Lübke, Vorgänger von Julia Klöckner im Landwirtschaftsministerium und später Bundespräsident, verbot es). Boehringer Ingelheim lieferte von 1967 bis 1984 auch in die USA die Substanz, von der der Konzern und die amerikanische Seite wussten, dass sie hochgiftig ist. Herr Böhringer freute sich über den Großauftrag: "Solange der Vietnamkrieg andauert", hieß es in einem Schreiben an den Produktionschef, "sind keine Absatzschwierigkeiten zu erwarten."

Die Hintergründe des lange streng geheim gehaltenen Chlorakne-Skandals und der Manipulation von Studien (über die Folgen der Dioxin-Unfälle 1949 bei Monsanto in Nitro (USA) und 1953 bei der BASF in Ludwigshafen), um die Gefahren hochgiftiger Stoffe über Jahrzehnte zu vertuschen, sind nun erstmals weltweit einsehbar. Die Dokumente finden sich in den "Poison Papers", also in den Gift-Papieren einer öffentlich zugänglichen Datenbank mit rund 20.000 Akten über die Chemieindustrie, veröffentlicht von amerikanischen Umweltaktivist*innen. Die Papiere, Briefe und Telegramme des Dioxin-Kartells  erzählen von wachsenden Ängsten und schwindenden Skrupel. Die Firma Boehringer Ingelheim, in den Fünfzigerjahren Initiator des großen Schweigens, arbeitet seit über 40 Jahren daran, sich zumindest auf dem ehemaligen Gelände ihrer Hamburger Fabrik dem Zustand von "No Dioxin" anzunähern. Alle Versuche, das Ultragift aus dem Boden zu bekommen, scheiterten: das Zeug zerfraß die Entsorgungsanlage "Prometheus" (netter Name! In der griechischen Mythologie war Prometheus von Zeus an einen Felsen gefesselt: zu ihm kam jeden Tag ein Adler, um von seiner Leber zu fressen, die über Nacht wieder nachwuchs) und wurde schließlich mit einer kilometerlangen Betonwand unterirdisch eingekapselt. Kosten der Schadensbegrenzung bisher: mehr als 160 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2055 soll das vergiftete Grundwasser durch zusätzliche Brunnen gereinigt und bis 2095 überwacht werden. Die "Poison Papers" enthüllen das Zusammenspiel von Industrie, Politik und US-Militär.

Millionen von Tonnen hochgiftiger Herbizide  wurden versprüht,100 tausende Hektar (1 Hektar = 10.000 m²) Wald wurden in Vietnam, Laos und Kambodscha zerstört ebenso wie Felder verseucht wurden, damit sie keine Nahrungsmittel mehr liefern konnten. Am 7. Januar 1971 stieg zum letzten Mal ein Sprüh-Flugzeug in den Himmel über Vietnam. Erst durch millionenfaches Leid konnte das Schweigen gelüftet und die Produktion des Giftstoffes gestoppt werden. Die verheerenden Folgen reichen bis in die unmittelbare Gegenwart: bis heute werden schwerbehinderte Babys geboren. Contergan, Asbest, PCB, DDT - auch deren Auswirkungen sind gesellschaftliche Kollateralschäden mangelnder Risikobetrachtung von Unternehmen.

It's the money, stupid!

Kleidung- nachhaltig einkaufen

Kleidung- nachhaltig Einkaufen

Bisher wird nur ein Prozent der gesamten Baumwollproduktion nach überprüfbaren und abgestimmten Richtlinien des ökologischen Landbaus angebaut. Es ist also wichtig, die Nachfrage nach biologisch angebauter Baumwolle zu erhöhen. Das ist schwierig, wenn man sich nicht nur für Farbe, Schnitt und Stoff sondern auch für die Herkunft und Produktionsbedingungen der Kleidung interessiert.

Verkäufer*innen verweisen an den Kundenservice-Tresen, dort holt man beispielsweise erst die oder den Supervisor*in und schließlich die oder den Store Manager*in. Dann kann es gut passieren, dass ein Verweis darauf erfolgt, dass alle Informationen im Internet zu finden seien. Auskunft über Nachhaltigkeit, Code of Conduct oder Fairtrade-Siegel? Fehlanzeige, Desinteresse allerorten.

Viele von uns haben ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass unser Kaufverhalten einen großen Einfluss auf die Zustände in der Welt hat.

Das Marktforschungsunternehmen Appinio hat im Januar 2018 1000 junge Deutsche zwischen 14 und 34 Jahre repräsentativ zum Thema faire und nachhaltige Mode befragt. Auf Platz 1 lag das Aussehen der Kleidung (70 Prozent der Männer 78 % der Frauen). Den Shopperinnen war der Preis nahezu genauso wichtig wie das Aussehen (75 %, aber 58 % bei den Männern). Es folgten Qualität, Komfort, Marke und Material sowie aktuelle Modetrends. Bei beiden Geschlechtern landeten die Merkmale Nachhaltigkeit und faire Herstellung mit Abstand ganz hinten. Von den Frauen geben gerade einmal acht Prozent an, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist (Männer sechs Prozent) und elf Prozent achten auf faire Herstellung (Männer neun Prozent).

Das muss mehr und anders werden. Dazu schaue man auf die leidlich aktuelle Seite der Verbraucherzentrale.

Einige Boutiquen haben sich auf ökosoziale Mode spezialisiert. Im Internet gibt es zahlreiche Onlineshops und Anbieter-Übersichten. In der Suchmaschine "Ökosoziologe Mode" eingeben, oder bei Utopias bestenliste vorbeischauen und schon kann es losgehen.

Abgeben

Da die meisten von uns ohnehin den Großteil ihrer T-Shirts, Röcke, Hosen Kleider und Pullover schon ewig nicht mehr getragen haben, geht es zunächst einmal auch um das Abgeben.

Dazu gibt es mehr oder minder attraktive Möglichkeiten:

In Container stopfen mit der Gefahr, dass die Klamotten überall landen können, im Reißwolf, in Krisengebieten oder zum Verkauf in Entwicklungsländern, wo sie die Preise der einheimischen Händler kaputtmachen, was wiederum die Armut verstärkt. Man kann die Kleidung vor der Abgabe zerschneiden, dann kann sie nicht weiterverkauft, sondern muss recycelt werden.

Spenden: In vielen Gemeinden ist eine direkte Spende an Obdachlose, Asylbewerberheime oder Kleiderkammern möglich. Immer mehr jedoch wird dort Kleidung abgelehnt. Es gibt in diesen Zeiten zwar einige Leute, die Häuser und Geld erben, aber die meisten erben Schränke voller Klamotten und Buffets voller Geschirr, gerne mit Goldrand oder pastoralen Landschaften. Entsprechend freuen sich Kleiderkammern nicht so sehr über gespendete Kleidung und lehnen diese teilweise sogar ab.

  • Eine Alternative bietet "Oxfam". Dort kann man sowohl einkaufen, als auch Sachen spenden.

In Hamburg gibt es gleich drei Shops:

    • Hamburg Hoheluft (Mixshop), Hoheluftchaussee 58, 20253 Hamburg
    • Hamburg Ottensen (Fashionshop), Bahrenfelder Straße 130, 22765 Hamburg
    • Hamburg Wandsbek (Mixshop), Wandsbeker Markstraße 10, 22041 Hamburg.

 

Verkaufen auf Flohmärkten, in Secondhandläden, aber z. B. auch auf Online-Marktplätzen wie fairmondo. Fairmondo ist ein offener Online-Marktplatz, der von allen genutzt werden kann und zwar für jede Art von Artikeln.  Bei „fairmondo“ kann man auf den Button „Weitere“ gehen und dann auf „zu verschenken“. Hauptsache nicht wegwerfen.

Upcyceln: Aus vielen Textilien könnt Ihr mehr oder minder nützliche oder auch nur schöne Dinge herstellen (Tragetaschen aus T-Shirts und Jeans, Mützen oder Nikolaussocken aus alten Pullis): das Internet ist voller Do-it-yourself (DIY)-Anleitungen.

Allgemein

ist zu sagen, dass der Trend zum übermäßigen Konsum und der gleichzeitige Wunsch nach extrem günstiger Ware die Bedingungen für einen fairen Handel erheblich erschweren. Deshalb sollte man sich neben einem bewussten Kaufverhalten immer auch fragen, was man wirklich braucht und wie nachhaltig es sein soll. Dass ein T-Shirt für 2,50 € im Laden nicht unter menschenwürdigen Bedingungen produziert werden kann, schon gar nicht, wenn ökologische Herstellungsbedingungen berücksichtigt werden, davon kann die bzw. der Käufer*in ausgehen. Dabei müsste ein Unternehmen nach einer Berechnung der "Kampagne für Saubere Kleidung" lediglich ein Prozent des Ladenpreises einkalkulieren, um für einigermaßen menschenwürdige Entlohnung zu sorgen. Bei einem T-Shirt, das 2,50 € im Laden kostet, wären das nicht mal 3 Cent.

Wirtschaftsforschungen ergeben laut Greenpeace, dass deutsche Verbraucher*innen ihre neugekauften Kleidungsstücke im Schnitt nur noch halb so lange tragen wie noch vor 15 Jahren, derweil sich die weltweite Produktion von Kleidung verdoppelte. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (sic! Die recht unbekannte Svenja Schulze als Super-Ministerin?) kauft jede*r Deutsche im Schnitt 18 Kilogramm Kleidung pro Jahr, das entspricht 50 bis 70 Kleidungsstücken. Es sammeln sich jährlich 800.000 Tonnen Kleidermüll in Deutschland an. Das Wenigste davon kann wirklich recycelt werden, in seltenen Fällen können die Textilien noch zu Dämmmaterial oder Putzlappen verarbeitet werden, eine neue Jeans entsteht aus der alten jedoch fast nie.

Einkaufen

Beim Einkaufen von Kleidungsstücken gibt es das, was wir bereits unter der Rubrik „Abgeben“ gesagt haben: Flohmärkte, die generell unter Kleidung zusammenbrechen (Baby- und Kinder-Kleidung sowieso) und Secondhandläden. Die Sachen sind zwar meist nicht ökologisch oder fair produziert, aber Ihr löst mit Eurem Kauf jedenfalls keinen weiteren Produktionsvorgang aus. Es gibt durchaus auch online-Secondhandshops, in denen manchmal auch nagelneue Ware zu finden ist (z. B. Mamikreisel, Kleiderkreisel ‑ dort findet man auch Neoprenanzüge und Arbeitshosen ‑, Kleiderkorb, Ubup,   etc.), alles zum Kaufen, Tauschen oder Verschenken.

Es gibt auch Umsonstläden und Giveboxes. Dort nimmt man nicht nur Klamotten an, sondern gibt auch sehr gerne welche ab. Tipps hierzu gibt Utopia

In Hamburg gibt es einige Tauschboxen mit Büchern, Schmuck, Kleidung und mehr, alles Gegenstände, die jemand selbst nicht mehr gebrauchen kann, die aber noch gut in Schuss sind (siehe Karte).

Es gibt überall Tauschbörsen im Internet (Tauschgnom, Tauschticket, Tauschbillet, Bambali, EbayKleinanzeigen ...).

Es gibt Tauschpartys: Greenpeace möchte mit dem Projekt Kleidertausch,  kleidertausch-begeisterte Menschen mit konsumkritischen Hintergrund überregional vernetzen. Im Internet gibt es verschiedene Tipps, wie eine Tauschparty gelingen kann. Tauschpartys sind auch einfach im kleinen Rahmen unter Freund*innen zu organisieren, man muss nicht auf andere Initiativen warten, oder Ihr lasst Euch von dem ehrenamtlichen Projekt bei Greenpeace Ehrenamtlichen helfen.

Es ist natürlich nicht verboten, einfach mit Freund*innen Klamotten zu tauschen, ohne gleich ein Event daraus zu machen.

Neu kaufen-

Wer trotz allem wie bisher neue Kleidung einkaufen möchte: Utopia hat ein "besten Liste" für Onlineshops erstellt und die Stadt Hamburg hat eine Liste mit Karte von Geschäften für Faire Mode & Möbel.

Über fünf Milliarden Kleidungsstücke hängen in Deutschlands Schränken.

Pro Kopf macht das rund 95 Kleidungsstücke.  Daher Minimalismus, auch im Kleiderschrank!

Im Mode-Minimalismus braucht man für eine komplette Garderobe nur 33 Teile (inkl. Schuhe, exkl. Unterwäsche und Strümpfe). Tipps dazu gibt (ausgerechnet!) die Tageszeitung „Welt“ Hier geht man vielleicht nicht mit der Mode, aber mit der Zeit.

Denn jeder Klamotteneinkauf, jedes Teil, das wir vermeintlich brauchen, weil uns die Augen überlaufen bei der riesigen Auswahl, ist ein Mehr an Konsum, ein Mehr an Umweltschäden, ein Mehr an Ausbeutung.

Quellen und weitere Infos:

Kleider machen Leute und Kinder machen Kleider

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Kleider machen Leute und Kinder machen Kleider

Grundsätzlich wird weit mehr Kleidung produziert, als wir Menschen auf der Welt überhaupt tragen können.

Heutzutage ist die Textil- und Bekleidungsindustrie eine der wichtigsten Konsumgüter-branchen Deutschlands.

Sie erreichte in Deutschland im Jahr 2012 ein Umsatzvolumen von 19 Milliarden €. Knapp zwei Drittel der von Greenpeace befragten Leute sortieren ihre Kleidung aus, wenn sie ihnen nicht mehr gefällt. Lifestyle eben. Dabei sind mehr als 50 % der in Deutschland hergestellten Textilien „technische Textilien“ (eingesetzt in Autoproduktion, Baugewerbe, Landschaftsbau, in Medizin und Umweltschutz), aber 230 Millionen Kleider werden fabrikneu vernichtet oder verramscht: geschreddert, in Mülldeponien verbrannt oder ins Ausland verkauft. Zwar arbeitet die Bundesregierung derzeit an einer Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, aber erstens dauert so etwas, zweitens weiß keiner wie weitreichend das neue Gesetz sein wird.

Der Hauptbestandteil unserer Kleidung ist meist Baumwolle. Der Name kommt nicht daher, dass Wolle am Baum wächst, denn eigentlich ist die Pflanze ein Busch, aber das englische Wort „cotton“ soll im hocharabischen für „qutún“ stehen, was „Baumwolle“ bedeutet. Schon in Herodots Historien Buch 3 ist zu lesen, dass in Indien Wolle am Baum wachsen würde. Jedenfalls besteht etwa die Hälfte aller Textilien weltweit aus Baumwolle; in der EU macht diese Naturfaser 43 % aller Textilfasern für Kleidung aus. Die weltweit bedeutendsten Baumwollproduzenten sind dabei die Volksrepublik China, Indien, die USA, Pakistan und Brasilien.

Die Textilindustrie hat einen riesigen Einfluss auf Umwelt und Klima: Einer Quantis-Studie aus 2018  zufolge war sie 2016 für 5 bis 10 % der globalen Umweltverschmutzung verantwortlich und für rund 8 % der weltweiten Klimaauswirkungen, wenn auch die Zahlen für die Textilindustrie als Ganzes gelten. Die Baumwollindustrie ist nur ein Teil davon. Der Baumwollanbau trägt aber auch, insbesondere durch den hohen Verbrauch an Mineraldünger und Pestizide, erheblich zum weltweiten Kohlenstoffdioxid-Ausstoß bei. Durch die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts entstehen sieben bis neun Kilogramm CO2.

Derzeit verursacht die Textilindustrie jährlich 1,2 Billionen Tonnen CO2  und damit mehr als internationale Flüge und Kreuzfahrten zusammen.

Davon abgesehen ist Polyester mittlerweile das am häufigsten verwendete Material in der Modeindustrie; wie Nylon und Acryl ist Polyester eine Plastikfaser, von der beim Waschen kleinste Partikel ins Wasser gelangen, später ins Meer und über die Nahrungsaufnahme auch in unsere Körper. Eine Umstellung auf nachhaltigere Produktionsweisen und Materialien ist dringend geboten und würde Umwelt und Klima entsprechend massiv entlasten.

Pestizide/Insektizide, Gifte

Die Prozessstufen der Textilherstellung, die besonders starke Belastungen für die Umwelt hervorrufen, sind Anbau und Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredelung. Bei der Produktion von Naturfasern werden Pestizide und Düngemittel in großen Mengen eingesetzt. Bisher entfallen beispielsweise circa 25 % des weltweiten Insektizidmarktes und circa 10 % des Pestizidmarktes auf den Baumwollanbau (die Zahlen variieren je nach Quelle, jedenfalls ist Baumwolle nicht per se pestizidfrei) auf insgesamt nur 2,5 % der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche. „Pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20 Mal mit Ackergiften aller Art besprüht“, schreibt das Umweltinstitut München. Der massive Einsatz auch von Düngemittel trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. In Afrika gehen laut Nabu 80 % aller eingesetzten Pestizide in die Baumwollproduktion. Der enorm hohe Pestizideinsatz gefährdet die Biodiversität und vergiftet die Böden. Auch in den fertigen Textilien, die wir dann tragen, kann man die Pestizide noch finden.

In den überwiegend asiatischen Produktionsländern ist die rasant wachsende Textilindustrie nicht nur zum zweitgrößten Wasserverbraucher  und ‑verschmutzer geworden: 3.500 krebserregende, hormonell wirksame oder anderweitig giftige Chemikalien (z. B. Kupfer, Arsen, Cadmium) setzt die Textilindustrie ein, um Rohmaterialien zu bunt bedruckter Kleidung  zu verarbeiten. Bis ein T-Shirt bei uns auf dem Ladentisch liegt, hat es einiges über sich ergehen lassen: Glätten, Bleichen, Färben, Bedrucken, für spezielle Outdoor-Kleidung auch Imprägnieren. Dafür werden in der Textilindustrie pro Kilogramm Kleidung rund ein Kilogramm Chemikalien verwendet. Viele dieser Chemikalien findet man nicht nur im Umfeld der Fabriken, sondern inzwischen rund um den Globus - in der Küstenluft von Südafrika, der Leber von Eisbären und in der Muttermilch. Die Ökoauflagen werden zwar  immer strenger, die Fabriken bekommen dafür aber keinen Cent mehr für ihre Kleidungsstücke und stellen wegen des Kostendrucks teilweise einfach ihre Kläranlage ab (sofern vorhanden). In Flüssen in der Nähe von Textilfabriken in Bangladesch schwimmt kein Fisch mehr.

Wasserverbrauch

Die Herstellung von Baumwolle führt zu einem enorm hohen Wasserverbrauch. Die Zahlen variieren auch hier wieder je nach Quelle und betrachteten Ländern. Sie gehen von 1.214 Liter bis 10.000 (der WWF nimmt zum Beispiel 7.000 bis 29.000 Liter Wasser an) aus, die nötig sind, um ein einziges Kilogramm Baumwolle zu produzieren. Ein Kilo Baumwolle entspricht in etwa einer Jeans und einem T-Shirt.

Auch der Anbau von Bio-Baumwolle benötigt viel Wasser, allerdings weniger als bei konventionellen Pflanzen. Die Böden enthalten aufgrund der im Bio-Anbau üblichen Fruchtfolge (wechselnde Pflanzen) mehr organische Substanz und können mehr Wasser speichern. Außerdem wird auf Bio-Feldern zur Bewässerung häufig Regenwasser aufgefangen und verwendet. Eine Studie aus dem Jahr 2014 kam zum Schluss, das der Wasserverbrauch bei der Produktion von Bio-Baumwolle 91 % geringer ist als bei konventioneller. Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau (ausgehend von 3.600-26.900 m³ Wasser pro Tonne Baumwolle) führte unter anderem zum Austrocknen des Aralsees.

Gentechnik

Genmanipulierte Baumwollpflanzen sind resistent gegen bestimmte Schädlinge und/oder sie sind widerstandsfähiger gegen bestimmte Umweltbedingungen. Der Anbau von genmanipulierten Baumwollpflanzen ist entsprechend enorm weit verbreitet. Lt. der Datenbank TransGen wachsen derzeit auf insgesamt etwa zwei Dritteln der weltweiten Baumwoll-Anbaufläche genveränderte Sorten. Allein in Indien waren im Jahr 2017 demnach 93 % der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert. Die Entwicklung von gentechnisch veränderter Saat wird oft als neue "grüne Revolution" bezeichnet. Dadurch sollten die Ernten um ein Vielfaches gesteigert werden. (Quelle: David Nance/ Wikimedia Commons). Die Konzerne versprachen den Bauern, dass sich die Ernten um ein Vielfaches steigern würden, wenn sie nicht nur ihre Pestizide verwenden, sondern auch statt den eigenen die Samen ihrer Firma aussäen.

Doch nicht nur der enorme Einsatz von gesundheitsschädlichen Insektiziden ist eine Konsequenz des hohen Konsums. Die Hoffnung auf größere Erträge bringt viele Bauern dazu, gentechnisch veränderte Baumwolle zu verwenden. Der Weltmarktführer für Gen-Saatgut ist der mächtige US-Konzern Monsanto (von Bayer aufgekauft). Er verkündete, dass die neue Baumwolle viel unempfindlicher gegen Schädlinge und Krankheiten sein würde. Das Grundprinzip ähnele dem der Züchtung, so sagt der Konzern, bei welcher stets nur die besten und widerstandsfähigsten Pflanzen weiter vermehrt würden.

Die Entwicklung von gentechnisch veränderten Samen durch riesige Agrar- und Chemiekonzerne wie Monsanto, Bayer oder Syngenta seit den 1970er Jahren geht jedoch einen großen Schritt weiter als die einfache Züchtung. Bei der "zweiten grünen Revolution" veränderten die Chemiekonzerne künstlich die Gene (also das Erbgut) der Samen mit dem Ziel, diese unempfindlich gegen Schädlinge zu machen. Dazu fügten sie ein Gen von Bakterien ein, das bewirkt, dass die Pflanze ein Gift produziert, das Insekten tötet. Es sterben aber nicht nur die unerwünschten Insekten, sondern auch andere Tiere, die von der Pflanze fressen. Das neue Gen vernichtet alles, was ihm zu nahe kommt. Hinzu kommt, dass die Pflanzen irgendwann nicht mehr auf die Chemie reagieren, weitaus empfindlicher sind als anfangs versprochen und neue Krankheiten entwickelten. Die Bauern müssen sogar noch mehr Spritzstoffe einsetzen, verbunden mit mehr Kosten für die Bauern, mehr Gewinne für die Chemiekonzerne und erheblich mehr Schäden für Mensch und Umwelt.

  • Die so neu erschaffene Baumwolle benötigt außerdem viel mehr Wasser als ihre Vorgänger. Vor allem in den wasserarmen Ländern wie Afrika ist das ein großes Problem, da die Pflanze, wenn sie nicht genug Wasser erhält, die Kapseln einfach abwirft, bevor sie reif sind. Wenn das passiert, fällt die Ernte der Bauern aus.
  • Zuvor war es nicht nötig, Samen zu kaufen, da die Bauern ihr eigenes Saatgut hatten indem sie nach jeder Ernte einen Teil der Samen für die nächste Aussaat aufbewahrten. Zum Teil erhielten sie die Samen auch vom Staat oder die Bauern halfen sich gegenseitig aus. Konzerne wie Monsanto verpflichten die Bauern jedoch vertraglich, jährlich neues Gen-Saatgut bei ihnen zu kaufen.
  • Wenn die Ernte in früheren Zeiten mal weniger gut war, verdienten die Bauern zwar schlecht, zu Essen hatten sie aber trotzdem noch genug. Passiert dasselbe mit gentechnisch veränderten Samen, sind die Einzigen, die daran verdienen, die Firmen, die das Gen-Saatgut verkaufen. Mit dem Verdienst aus dem Baumwollverkauf können die Arbeiter*innen dann gerade einmal die Spritzmittel bezahlen; um die Familie zu ernähren, reicht es aber nicht mehr. Deshalb haben viele von ihnen bei den Firmen Schulden aufgenommen, was sie in einen Kreislauf der Abhängigkeit bringt. Solche Ernteeinbußen haben zum Beispiel zahlreiche indische Kleinbauern in den Ruin getrieben. In der Folge nahmen sich viele verzweifelte Bauern das Leben.

Im Bio-Anbau

sind gentechnisch veränderte Pflanzen verboten. Bio-Baumwolle produziert Samen, aus denen neue Pflanzen wachsen können, was den Bauern enorme Kosten für neues Saatgut erspart. Aber: für Bauern in vielen Ländern ist es inzwischen sehr schwierig, an herkömmliches, nicht-genmanipuliertes Saatgut zu kommen. Dieser Mangel an Bio-Saatgut gilt als einer der größten Hindernisse beim Ausbau des Bio-Baumwollanbaus.

Ausbeutung

In den meisten Fällen ist die Kleiderherstellung mit unfairem Handel und unmenschlichen Arbeitsbedingungen verbunden.

Weltweit ist Kinderarbeit verboten. Bereits seit 1973 gibt es eine Konvention, die das Mindestalter für Beschäftigung regelt und entsprechende nationale Gesetzgebungen gibt es in fast allen Ländern dieser Welt. Die UN-Kinderrechtskonvention, von allen Ländern außer den USA und Somalia ratifiziert, schreibt das Recht des Kindes fest, vor ausbeuterischer Arbeit geschützt zu werden (Artikel 32). Papier ist geduldig und wo kein Kläger, da kein Richter: es arbeiten weltweit über 250 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren, das sind ca. 20 bis 30 % aller Kinder. Sie verrichten Arbeiten, die ihrer Entwicklung und Gesundheit schaden. Rund 120 Millionen dieser Kinder arbeiten ganztags. Die meisten Kinder arbeiten in Asien (ca. 153 Millionen). In Afrika arbeiten ca. 80 Millionen Kinder (ca. jedes dritte Kind), in Lateinamerika ca. 17,5 Millionen (ca. jedes fünfte Kind). Arbeitgeber stellen gerne Kinder ein, da sie diesen weniger Lohn zahlen müssen; Kinder sind leichter zu schikanieren und organisieren sich auch nicht in Gewerkschaften.

 

 

Der größte Teil der Textilherstellung findet in den Billig-Nähstuben der Welt in Bangladesch oder China, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, statt. So wie der Kunde nicht weiß, wo seine Kleidung genau hergestellt wurde, weiß die Näherin umgekehrt in der Regel nicht, für welches Label sie sich eigentlich schindet. Licht in diese dunklen Abläufe zu bringen, ist ein mühseliges Geschäft. Um die Fäden zusammenzubringen, ist ein großes Netzwerk nötig, sagt Maik Pflaum, Arbeitsrechtexperte der „Christlichen Initiative Romero“ (CIR). Romero ist eines von 250 Mitgliedern des europäischen Netzwerks für Textilarbeiterrechte "Kampagne für Saubere Kleidung". Die Missstände, von denen die Verbraucher*innen erfahren, sind nur "die Spitze des Eisberges", sagt Pflaum. Arbeitsrechtsverletzungen seien die Regel. Überstunden, Hungerlöhne und marode Fabriken: Nicht nur Billig-Labels, auch renommierte (Sportartikel-)Hersteller stehen in der Kritik. Viele arbeiten mit ausländischen Zulieferern zusammen, die Löhne weit unter dem Existenzminimum des jeweiligen Landes zahlen, oder ihre Lieferanten gar nicht kennen. Die Subunternehmer in den Billiglohn-Ländern reichen die Aufträge an noch billigere Hersteller weiter, ohne dass ein Unternehmen zwangsweise davon erfährt. Ein Textilhändler wie Primark hat es damit auf eine Gewinnsteigerung von über 40 % innerhalb eines Jahres gebracht. „Die Produkte für Primark werden mit Achtung vor dem Menschen hergestellt“, steht auf der Webseite der irischen Modekette. Eine auf Sri Lanka bezogene Studie von CIR, , hat festgestellt, "in keiner der untersuchten Fabriken wird der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlegt“.

Die Herstellung von Kleidung kostet im Extremfall Menschenleben, wie am 24. April 2013 als das Gebäude Rana Plaza in Sabhar, Bangladesch, einstürzte: 1135 Arbeiter*innen wurden getötet und 2438 verletzt. Das Gebäude gehörte einem bangladeschischen Politiker. Am Vortag waren in dem Gebäude Risse festgestellt worden, daher verbot die Polizei den Zutritt. Dennoch waren mehr als 3.000 Menschen im Gebäude, größtenteils Textilarbeiter*innen, als das Gebäude kollabierte. Die Angestellten waren von den Fabrikbetreibern gezwungen worden, ihre Arbeit aufzunehmen. Auch Primark ließ dort nähen.

Generell fehlen in den armen Ländern den meisten Arbeiter*innen die Möglichkeiten, angemessene Schutzkleidung zu tragen, was zu erheblichen Schädigungen an Mensch und Umwelt führt. Vergiftungen und Todesfälle der Arbeiter*innen sind an der Tagesordnung. Hinzu kommt, dass die giftigen Pflanzenschutzmittel über den Boden in das Grundwasser gelangen und dadurch Brunnen und Trinkwasser vergiften. Das führt zu Krankheiten innerhalb der Bevölkerung und zum Tod vieler Kinder.

„Fair“ heißt, dass nur Erwachsenen an den Produkten mitarbeiten, und so gut bezahlt werden, dass sie ihre Familie ernähren können und die Kinder anstatt zu arbeiten eine Schule besuchen können.

Bio-Anbau und fairer Handel

Im Bio-Anbau sind chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verboten.

Um den fairen, umweltschonenden und gesunden Handel zu fördern, wurden Auszeichnungen und Richtlinien für Bio-Baumwolle und fair gehandelte Kleidung geschaffen. Damit die Materialien als "biologisch" oder "ökologisch" bezeichnet werden können, reicht es allerdings nicht, schädliche Pestizide und Insektizide gegen verträglichere Varianten auszuwechseln. Es geht darum, vor Ort ein ausgeglichenes Ökosystem zu schaffen.

Der biologische Anbau kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch der Gesundheit der Menschen. Wenn er mit fairem Handel kombiniert wird, gibt das den Bauern in Lateinamerika, Asien und Afrika die Möglichkeit, auf längere Sicht ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, nachhaltig also.

Fairer Handel bedeutet ganz konkret eine Kombination von Mindestpreis und Bio-Prämien. Nur dadurch haben die Bauern in den Ländern der so genannten "Entwicklungsländer" die Möglichkeit, aus dem Kreislauf von Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Armut auszubrechen, Anerkennung zu gewinnen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Der Verzicht auf Kinderarbeit ist bei fair gehandelter Ware selbstverständlich. Ein Teil von dem, was die Käufer für fair gehandelte Produkte ausgeben, fließt auf ein Premium-Konto für Projekte, über die die Arbeiter (und im besten Fall auch die Arbeiterinnen) demokratisch bestimmen können. Das Geld kommt dem Aufbau von Schulen und sanitären Anlagen, der Trinkwassersicherung und anderen Projekten, die den dortigen Menschen ein besseres und unabhängigeres Leben ermöglichen, zugute.

Fazit

Pestizide, Düngung, verseuchte Flüsse, arme Kleinbäuerinnen und -bauern, verpestete Luft, kranke Menschen, Gentechnik, enormer Wasserverbrauch, Ausbeutung, das sind alles Probleme in der Produktion von Kleidung.

Packen wir es also an!

Bisher wird nur ein Prozent der gesamten Baumwollproduktion nach überprüfbaren und abgestimmten Richtlinien des ökologischen Landbaus angebaut. Es ist also wichtig, die Nachfrage nach biologisch angebauter Baumwolle zu erhöhen.

Bienenweide (Blumenmix)

Bienenweide (Blumenmix)

Aussaat: Mai-Juni

Die Mischung enthält: Buchweizen, Kornblume, Ringelblume, Borretsch, Dill und Phazelie

 

Buchweizen
Kornblume
Ringelblume
Borretsch
Dill
Phazelie

Saatgut in unseren Tauschboxen oder bei uns abholen.
E-Mail: saatgut@machbar-ev.de

Tagetes

Tagetes

Aussaat: März/April

Sie bekämpft Nematoden (Fadenwürmer), ein mit schädlichen Nematoden verseuchter Boden kann mit Tagetes entseucht werden. Sie ist bei Schnecken beliebter als Erdbeeren und Salat, wird von Mücken gemieden, ist bei Insekten wie z.B. Bienen, Hummeln und Schmetterlingen sehr beliebt und sie lockert den Boden

 

Tagetesblüte mit Samen

Saatgut in unseren Tauschboxen oder bei uns abholen.
E-Mail: saatgut@machbar-ev.de

Stockrosen

Stockrosen

Aussaat: August/September

im zweiten Jahr bilden sich die Blüten.

Die Heil- und färbepflanze ist bei Insekten wie z.B. Bienen, Hummeln und Schmetterlingen sehr beliebt.

 

Stockrosen mit Samen

Saatgut in unseren Tauschboxen oder bei uns abholen.
E-Mail: saatgut@machbar-ev.de