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Bundessortenamt

Das Bundessortenamt (BSA) ist so etwas wie das Patentamt für neue pflanzliche Züchtungen. Es entscheidet, welche Pflanzensorten auf Feldern und in Gärten angebaut werden dürfen. Das BSA ist selbständig, befindet sich aber im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das BSA ist also zuständig für die Zulassung von Pflanzensorten (Saatgutverkehrsgesetz) und den Sortenschutz, also den rechtlichen Schutz von neuen Pflanzensorten (Sortenschutzgesetz, „Schutz des geistigen Eigentums“), soweit letzterer auf nationalrechtlicher Grundlage und nicht nach dem Recht der Europäischen Union erfolgt[1].

Am 04.03.2020 hat der neue Präsident des Bundessortenamtes, Herr Elmar Pfülb, aus der Hand der Staatssekretärin im BMEL, Frau Beate Kasch, seine Ernennungsurkunde erhalten. Was erstaunlich ist, da Frau Kasch erst seit dem 15. April 2020 Staatssekretärin ist. Allerdings sind die Seiten, u. a. mit dem Werdegang von Frau Kasch, am 27. April noch vorhanden, weisen am 02. Mai aber nur noch den Lebenslauf ihrer Chefin, Frau Klöckner; auf.  Gibt man am 02. Mai den Link "https://www.bmel.de/DE/Ministerium/Organisation/Leitung/_texte/ST-Kasch.html;nn=312930", den man am 27 April noch gefunden hat, in den PC ein, öffnet sich ohne weitere Hinweise der Link "https://www.bmel.de/DE/ministerium/ministerin/ministerin_node" mit  der Vita nicht etwa von Frau Kasch, sondern von Frau Klöckner, mit mehr Fotos, als man üblicherweise bei Tinder einstellt. Mysteriös. Aber auch interessant: Frau Klöckner steht nicht nur einem Riesenbehördenapparat mit zig Verzweigungen vor, sondern ist auch Mitglied in 18 Vereinen bzw. Institutionen (z. B. in der Akademie Kloster Eberbach "Werte in Wirtschaft und Gesellschaft"), engagiert sich in vier Kuratorien und hat sieben Schirmherrschaften. Da wird man sich doch fragen dürfen, ob unsere Politiker*innen bzw. politische Beamt*innen aus einer Retorte eines fernen Planeten kommen, wo man diesen Lebewesen das Schlafbedürfnis entzogen hat.

Zurück zu Herrn Pfülb: dieser hat unabhängig von seiner Ernennung die Dienstgeschäfte beim BSA bereits am 01.01.2020 übernommen (Frau Kasch dann wahrscheinlich auch).  Herr Pfülb  ist Agrarwissenschaftler (Fachrichtung Pflanzenproduktion) und bereits seit 1991 beim Bundessortenamt. Die Presse schrieb voneinander ab und brachte wenig Interessantes über Herrn Pfülbs Lebenslauf zutage. Kommt vielleicht noch.

Aus der Broschüre: Das Bundessortenamt – Schutz und Zulassung neuer Pflanzensorten geht nicht hervor ob überhaupt samenfeste Sorten zugelassen wurden und wieviele Gentechnikpflanzen zugelassen wurden. Absicht?

Lt. Saatgutverkehrsgesetz ist der Handel mit  dem Saatgut nicht amtlich zugelassener Pflanzensorten gesetzlich verboten. Landwirt*innen und Klein-Züchter*innen können die verschiedenen Tomaten, Kartoffeln, Grünkohle etc., die sie züchten und deren Saatgut sie vertreiben wollen, beim BSA anmelden. Pro Sorte fällt eine Schutzgebühr von 30 Euro an, die es einem erlaubt, mit dem Saatgut einer Sorte zu handeln. Zunächst muss sie jedoch überhaupt anerkannt werden. Dafür fallen einmalig 200 Euro pro Sorte an. Dieser Sortenschutz erlischt aber nach 25 oder 30 Jahren, je nach Pflanzenart. Das hat zur Folge, dass die Vielfalt etlicher zugelassener Sorten eingeschränkt ist; wie etwa bei Kartoffeln. Die meisten der zugelassenen Sorten ähneln einander sehr: Die deutsche "Leistungskartoffel" etwa ist rund oder rund-oval und hat eine gelbe Farbe. Geschmack spielt bei der Zulassungsprüfung für neue Kartoffel-Sorten hingegen kaum eine Rolle[2].

Viele der samenfesten Sorten fallen durch die Zulassungsprüfung, weil sie mit Maßstäben gemessen werden, die nur Hybridsorten erfüllen können.

Das Problem: samenfeste Sorten [3]  sind in einigen Merkmalen immer uneinheitlich. Sie können züchterisch nicht so weit genetisch verengt werden, dass sie in allen Eigenschaften homogen und uniform sind. Nur Hybridsorten oder Züchtungen, die durch gezielte molekulare Veränderung ihrer Zellbestandteile entstehen, erfüllen diese Kriterien. [3]

Alles nicht so wichtig, denn das BSA hat ohnehin kaum samenfeste Sorten[4] zugelassen. Nicht samenfeste Sorten (Hybridsaatgut) sind nur auf den einmaligen Verbrauch gerichtet, weshalb man in jedem Jahr neues Saatgut kaufen muss, weil es nicht vermehrbar ist. It's the economy, stupid!

Am 15.12.2016 hat das BSA erstmals gentechnisch veränderte (gv) Pflanzensorten in das deutsche Sortenregister eingetragen und damit erstmals eine gentechnisch veränderte Pflanze uneingeschränkt zum Anbau freigegeben. Weshalb auf einigen Packungen im Lebensmittelhandel auch steht "Ohne Gentechnik". Die anderen... who knows? Gibt man in die Suchmaschine (am besten bei “ecosia” -meine Lieblingssuchmaschine, da für jede Suche ein Baum gepflanzt wird) den Suchbegriff "Bundessortenamt samenfeste Sorten" ein, findet man... nichts.

Umfragen belegen seit Jahren immer wieder, dass die große Mehrheit der Verbraucher*innen keine Gen-Lebensmittel will. Es gibt bislang keine Studie über die Auswirkung von Gen-Pflanzen auf Menschen, Gentechnik ist für eine gesunde Ernährung nicht notwendig (vermutlich sogar schädlich) und bei Genpflanzen wird oft das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verwendet, zu dem es hingegen tatsächlich besorgniserregende Studienergebnisse gibt. Bislang ist zwar kein Fall dokumentiert, in dem ein Mensch durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Pflanzen nachweislich zu Schaden gekommen ist, aber es hat auch niemand konkret danach gesucht[5]. Das ist, als ob ein Land sagen würde, es gebe in seinem Bereich keine Corona-Infektionen, hat dabei aber auch keinen einzigen Test durchgeführt. Wo nicht gesucht wird, wird naturgemäß auch nicht gefunden.

Selbst über 20 Jahre nach Einführung von Gen-Pflanzen gibt es keine entsprechenden Studien über Auswirkungen auf Menschen. Erklärtes Ziel der Gentechnikindustrie ist es, auch in Europa Fuß zu fassen, die Bevölkerung in der EU von der Harmlosigkeit der Gentechnik und hier besonders von den neuen molekularbiologischen Techniken, wie CrisprCas zu überzeugen und Gegenargumente als rein emotional und unbegründet zu diffamieren. Gentechnik ist kompliziert, und nicht jeder verfügt dazu über Fachwissen. Daher ist es besonders leicht, mit wenig Einsatz und der Unterstützung unkritischer Medien, Verbrauchermeinungen zu beeinflussen[6].

Quellen und weitere Infos:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bundessortenamt#cite_note-4
[2] https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/Verbotenes-Gemuese,sendung511572.html
[3] https://www.grell.de/saatgut-e-v/
[4] Samenfest ist eine Pflanzensorte dann, wenn aus ihrem Saatgut Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und Gestalt haben, wie deren Elternpflanzen. Das bedeutet, die Sorte kann wie früher natürlich vermehrt werden. Sie wird durch Wind oder Insekten bestäubt (https://samenfest.de/was-ist-samenfest/).
[5] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/gentechnik-pro-und-contra-8385
[6] ebda.