Ökozid sollte strafbar sein, es ist ein Verbrechen.

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Ökozid sollte strafbar sein, es ist ein Verbrechen.

"Stop Ecocide" ist aktuell eine der wichtigsten Kampagnen überhaupt:

Es wird Zeit, dass Ökozid zum internationalen Straftatbestand wird.

Konzerne beuten schamlos die Natur aus, erwirtschaften durch die Zerstörung ganzer Ökosysteme Milliarden Gewinne ohne für die Folgen ihres Tuns zu haften. Das muss sich ändern! Wir reiben uns vorsichtig beglückt die Augen: Das EU-Parlament unterstützt das sogar.

Manchmal werden Unternehmen und Konzerne verklagt, manchmal verhängt man Geldstrafen, von denen wir ausgehen können, dass diese zum Teil bereits im jeweiligen Budget mitberücksichtigt sind. Das reicht bei weitem nicht. Umweltverbrechen sollten als "Ökozide" bezeichnet werden und diese international vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) angeklagt werden können. Die vertragliche Grundlage des IStGH ist das "Römische Statut", auch Rom-Statut genannt, wonach bisher nur vier Arten von Verbrechen aufgezählt sind: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression. Die Aufnahme von Ökoziden würde Einzelne, die für die Finanzierung, Erlaubnis oder Ausführung schwerwiegender Umweltschäden verantwortlich sind, strafrechtlich verfolgbar machen.

Viele Staaten sind dem "Rom-Statut" Staaten beigetreten. Die USA und Russland (und der Sudan) haben zwar unterschrieben, ihre Unterschriften aber zurückgezogen. Marokko z. B. hat unterschrieben, aber nicht ratifiziert. Unterzeichnung und Ratifizierung sind zwei verschiedene Dinge. Sobald alle Parteien einverstanden sind, wird dies in einem Dokument niedergeschrieben und unterzeichnet. Diese Absichtserklärung an sich ist aber unverbindlich. Nach der Unterzeichnung erfolgt die Ratifizierung: das unterzeichnete Papier muss zu den jeweiligen Regierungen zurückgebracht werden, die dann den Vertrag genehmigen und unterzeichnen (oder aber auch nicht). Die Philippinen sind ausgetreten nachdem ihnen wegen der Tausende Tote im Zusammenhang mit dem sogenannten Krieg gegen Drogen, den Präsident Duterte auf den Philippinen führt, ein Verfahren drohte. China ist gar nicht erst dabei.

 Im Übrigen ist der Begriff "Ökozid" nicht neu: Seit spätestens 1996 war er auch den Vereinten Nationen bekannt. Damals sollte Ökozid neben Genozid zu einem Völkerrechtsverbrechen erklärt werden. Im römischen Statut des IStGH waren ursprünglich fünf Verbrechen gegen den Frieden vorgesehen: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Verbrechen der Aggression und Ökozid. Letzteres wurde auf vehementem Druck von den USA, England, Frankreich und den Niederlanden wieder von der Liste gestrichen. Man wollte gerne die Umwelt weiterhin versauen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, ist die EU für die Aufnahme von Ökoziden, immerhin.

Das Verfahren zur Aufnahme des Ökozids in das Rom-Statut ist ein immens wichtiger Schritt, um uns die Gewalt bewusst zu machen, die die Grundlage des aktuellen Wirtschaftssystems darstellt. Das Ideal des grenzenlosen Wachstums führt zu ebenso grenzenlosen Verletzungen der Rechte der Erde und der Rechte der Natur. Das sei Ökozid, so definiert es Vandana Shiva, indische Wissenschaftlerin und Verfechterin von  Nahrungsmittelsouveränität, Trägerin von viele Auszeichnungen, u. a. des Alternativen Nobelpreises. Sie hat u. a. "Navdanya" gegründet: Navdanya bedeutet „Neun Saaten“ oder „Neun Samen“ und steht symbolisch für den Schutz von biologischer und kultureller Vielfalt des Saatgutes. Und sie hat einige entsprechende Bücher geschrieben, von denen die meisten ins Deutsche übersetzt wurden. Lesen!

Kumi Naidoo, bis Dezember 2019 Generalsekretär von Amnesty International und vorher Direktor von Greenpeace International drückte es so aus: "Gegenwärtig erlauben wir unseren politischen und wirtschaftlichen Führern, mit Mord davonzukommen. Jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern. Wir brauchen eine direkte Haftung für diejenigen, die unsere Zukunft und diesen Planeten zerstören. Wir brauchen einen schnellen, tiefgreifenden und systemischen Wandel. Die Geschichte schreitet nur voran, wenn mutige Menschen aufstehen und handeln. Deshalb unterstütze ich diese Bürgerinitiative, um Ökozid als das Verbrechen anzuerkennen, das es ist."

Der führende Menschenrechtsanwalt Michael Mansfield aus Großbritannien sagte “Wenn du eine Firma dafür [für Umweltzerstörung, Anm. d. Red.] zur Verantwortung ziehen willst, dann lautete das Problem der Vergangenheit bisher: wer sitzt auf der Anklagebank? Wer ist verantwortlich? In der Firma sitzen reale Menschen und das Objekt des Ökozid sind nicht bloß Firmen, sondern auch Individuen... individuelle Verantwortung ist der einzige Weg für irgendeine Art der Veränderung.“

Es gibt viele Gründe, die gemeinnützige NGO, die "Stop Ecocide Foundation" zu unterstützen.

Nur einige wenige Beispiele:

Die immensen Schäden an Mensch und Natur durch das chemische Entlaubungsmittel Agent Orange hat machbar e.V. bereits in einem früheren Artikel beschrieben. Agrarwissenschaftler*innen prognostizierten Anfang 2019 im Fachjournal „Open Journal of Soil Science“, dass Vietnam noch Jahrzehnte an den Spätfolgen leide. An der Oberfläche zerfällt TCDD in ein bis drei Jahren, im Boden und in Fluss- wie Meeressedimenten kann es mehr als 100 Jahre bestehen. Über Flüsse, Wind und die Bodenerosion während des Monsuns breitet sich TCDD aus und gelangt in Nahrungsketten. Schlauer ist man nicht geworden: so gab es im Sommer 2011 einen Fall, bei dem in Brasilien vom Flugzeug aus Herbizide auf Regenwald versprüht wurden, bei denen auch dioxinhaltige 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure eingesetzt wurde, einer der in Agent Orange enthaltenen Wirkstoffe.

Ölpest volle Kraft voraus!

Erst im Sommer 2020 ereignete sich eine schwere Öltanker-Katastrophen, als der japanische Frachter MV Wakashio vor der Küste von Mauritius auf Grund lief. Über 1.000 Tonnen Öl sollen ausgelaufen sein. Nachdem das Schiff auf Grund gelaufen war und Treibstoff verloren hatte, war es in zwei Teile gebrochen. Eine Ölpest auf See und in Riff- und Küstengebieten war die Folge. 1991 geriet ein Öltanker mit einer Ladung von 260.000 Tonnen Rohöl in Brand. Damals befand sich der Tanker etwa 900 Seemeilen vor Angola. Ebenfalls 1991 explodierte ein Öltanker vor dem Hafen der italienischen Stadt Genua. Der Frachter, der noch mit 144.000 Tonnen Rohöl beladen war, sank.

Seit Jahrzehnten spielt sich im Nigerdelta die vielleicht größte Umweltkatastrophe auf dem afrikanischen Kontinent ab: Die Ölförderung zerstört die Natur und die Lebensgrundlagen der Bevölkerung. In Nigeria, einem der weltweit größten Erdölproduzenten der Welt, hat die Ölförderung des niederländisch-britischen Ölkonzerns Royal Dutch Shell seit den späten 50-er Jahren ganze Natur- und Lebensräume zerstört und das Land in Armut zurückgelassen. Nach Schätzungen haben mehr als zwei Millionen Tonnen Rohöl das Ökosystem des Nigerdeltas verschmutzt. Für die meisten Einwohner*innen, viele von ihnen Fischer und Bauern, wurde durch die Ölkatastrophe ihre Lebensgrundlage vernichtet.

-Ecuador erlangte durch den Jahrhundertprozess gegen den Erdöl-Multi Texaco/Chevron das öffentliche Interesse. Verseuchte Böden, verdrecktes Wasser, verpestete Luft, das ist das Erbe auch von Texaco/Chevron in Ecuadors Regenwald. Ecuador erstritt im November 2013 eine Entschädigung von 9,511 Milliarden US-Dollar. Der Internationale Gerichtshof annullierte das Urteil gegen den Erdölkonzern, womit die Strafe gegen Chevron aufgehoben wurde. "netzfrauen.org" schreibt auch "2020 kamen führende Ölproduzenten, darunter ENI, ROYAL DUTCH SHELL, SATURN OIL & GAS und die G20-Energieminister zusammen, um ein Notfallpaket von Produktionskürzungen zu koordinieren. Ziel war es, die Nachfrageeinbrüche durch die COVID-19-Pandemie zumindest auszugleichen. Um Kosten zu reduzieren, rechnet Shell mit einem Stellenabbau bis Ende 2022 von 7.000 bis 9.000 Menschen. Müssen wir am Ende auch noch die Ölriesen retten, die für zahlreiche Skandale bekannt sind?"

-Am 20. April 2010 kam es infolge verschiedener schwerer Versäumnisse zu einem Blowout (unkontrolliertes Austreten von Bohrspülung, Erdöl und/oder Erdgas aus einem Bohrloch einer Bohr- oder Förderanlage der Bohrplattform) der Bohrplattform Deepwater Horizon für die Erdölexploration im Golf von Mexiko, bei dem die Plattform in Brand geriet und zwei Tage später unterging. 87 Tage lang strömten etwa 800 Millionen Liter Öl ins Meer, was zur Ölpest im Golf von Mexiko führte, der schwersten Umweltkatastrophe dieser Art in der Geschichte. 

Die Katastrophe der Deepwater Horizon bei dem Brand 2010 war Anlass für den Ökozid-Vorwurf der Juristin Polly Higgins, die aus Ökozid einen internationalen Straftatbestand machen wollte.

-Nach Angaben des Konzerns in 2019 will Shell alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen. Damals jedenfalls war die britische Regierung gewillt, Shells Pläne zu genehmigen. Aktueller Status: unbekannt.

-Als "Nuklearkatastrophe von Fukushima" werden eine Reihe von katastrophalen Unfällen und schweren Störfällen im japanischen gleichnamigen Kernkraftwerk und deren Auswirkungen bezeichnet. Sie ist noch in unguter Erinnerung. Die Staatsanwaltschaft in Tokio hatte vor 2017 zwei Mal beschlossen, die Chefs der Betreiberfirma Tepco nicht anzuklagen. Auf Einwirkung einer Bürgerinitiative standen dann drei frühere Topmanager 2017 doch noch vor Gericht. Sie wurden der fahrlässigen Katastrophen-Vorsorge beschuldigt, weil sie ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden und sich nicht richtig über die Risiken eines Kernkraftwerks an der Pazifikküste informiert hatten. Freispruch!

-Katastrophale Brände in Australien, in den USA, illegale Rodungen im Amazonasgebiet und und und. Im brasilianischen Amazonasgebiet gab es im Juni 2020 die schlimmsten Brände für diesen Monat seit 13 Jahren. Nach Auswertungen des brasilianischen Weltrauminstituts Inpe wurden in den zwölf Monaten August 2019 bis Juli 2020 34 Prozent mehr Regenwald abgeholzt als im Vorjahreszeitraum. Die Satellitenaufnahmen von Inpe zeigten, dass rund 9.170 Quadratkilometer Regenwaldfläche vernichtet wurden. Ein Quadratkilometer sind 1.000.000 Quadratmeter. In 2019 gab es die schwersten Waldbrände seit mehr als 20 Jahren, die sich von Brasilien aus auch auf Bolivien und Peru ausdehnten. Brasiliens oberster Populist und Präsident Jair Bolsonaro hatte im Wahlkampf angekündigt, das Amazonas-Gebiet weiter wirtschaftlich zu erschließen und keine neuen Schutzgebiete für die brasilianischen Ureinwohner auszuweisen.

Das hat auch etwas mit uns zu tun:

Für die Massentierhaltung in Europa importiert die EU Soja aus Brasilien. Etwa ein Fünftel der jährlichen Exporte von Soja und Rindfleisch aus Brasilien in die Europäische Union stehen demnach in Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet und in der Cerrado-Savanne. Waldrodung ist allerdings nicht das einzige Problem, mit dem landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien latent behaftet sind. Hemmungsloser Pestizid- und Herbizideinsatz sowie Monokulturen laugen dort die Böden aus und killen die Biodiversität des Landes.

-Zum ersten Mal haben Forscher bewiesen, dass die vom Menschen verursachte Globale Erwärmung direkt für die Schaffung einer "kritischen Bedrohung" einer verheerenden Flut verantwortlich ist - und eine Stadt mit etwa 120.000 Einwohner*innen auf den Weg potenzieller Überschwemmungen gebracht hat. Das zeigen neue Forschungsergebnisse der Universität Oxford und der University of Washington, die am 04. Februar 2021 in "Nature Geoscience" veröffentlicht wurden. Während sich der Planet erwärmt, tragen sich zurückziehende Gletscher zur Bildung instabiler Seen bei, die anfällig für gefährliche Ausbrüche sind. Die Studie liefert ein entscheidendes fehlendes Beweisstück für eine bahnbrechende Klage die vom Energiekonzern RWE eine Entschädigung für die Auswirkungen des Klimawandels in Huaraz (Peru) fordert.

Direktoren und Vorstandsvorsitzende sollen sich in Zukunft nicht mehr fragen „Rechnet sich das Projekt?“, sondern „Ist das Projekt es wert, dass ich dafür ins Gefängnis gehe?“.

Bisher sind es kriminelle Verbrechen, die nicht einklagbar sind. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Die derzeit gültigen Gesetze zielen darauf ab, die Wirtschaft anzukurbeln und die Profite zu maximieren. Mit dem Ökozid-Gesetz sollen aber nicht Konzerne zum Kollabieren gebracht werden, sondern es sollen Probleme mittels erneuerbaren Energien gelöst, und, bezogen auf Innovationen, soll in eine andere Richtung geforscht werden.

Ein Gesetzentwurf der Sozialdemokraten in Frankreich sieht bis zu 20 Jahre Freiheitsentzug und Geldstrafen bis zu 10 Millionen Euro für Ökozid vor. Die Unternehmen fühlen sich bedroht; bei der in Frankreich größten Arbeitgebervereinigung "Medef" wird gar eine leichte Panik beobachtet. Die Unternehmer mögen kein Gesetz, das die verantwortlichen Führungspersonen im schwerstwiegenden Fall von angerichteten Umweltschäden mit zwanzig Jahren Freiheitsstrafe konfrontiert und mit Geldstrafen von bis zu 10 Millionen Euro oder 20 Prozent des globalen Umsatzes droht. Der betreffende Straftatbestand, der neu eingeführt werden soll, heißt: "Ökozid".

Das Römische Statut, mit dem 1998 der IStGH gegründet wurde, bestraft bereits „weit verbreitete, langfristige und schwere Schäden an der natürlichen Umwelt“ im Rahmen eines Krieges. Für Umweltschäden in Friedenszeiten gibt es jedoch keine Regelung. Nach diesem Votum des Europäischen Parlaments liegt es nun an den Mitgliedsstaaten, sich vor dem IStGH und auf der internationalen Bühne für dieses Anliegen auszusprechen. „Es liegt an uns, den Parlamentariern, diese Position mit Leben zu füllen, die Mitgliedsstaaten aufzufordern, diesem Ansuchen des Europäischen Parlaments nachzukommen. Auch die Kommission muss aufgefordert werden, in diesem Sinne zu handeln“, betonte die Juristin Marie Toussaint, einer grünen Abgeordneten des Europäischen Parlaments, für die „diese Abstimmung des Europäischen Parlaments auch Emmanuel Macron an seine Verantwortung erinnert“. 

Am 20. Januar 2021, hat das Europäische Parlament einen wichtigen Änderungsantrag zugunsten des Umweltschutzes angenommen.

Die Europaabgeordneten fordern (340 Ja-Stimmen, 323 Nein-Stimmen und 17 Enthaltungen), dass Umweltverbrechen im internationalen Strafrecht verankert werden. In der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments am 20. Januar nahmen die Abgeordneten einen Änderungsantrag an, der von Salima Yenbou für die Fraktion der Grünen/EFA eingereicht worden war. “Es legt der EU und den Mitgliedsstaaten nahe, die Anerkennung des „Ökozids“ als internationales Verbrechen im Sinne des Römischen Statuts des IStGH voranzubringen“, heißt es in dem Änderungsantrag.

Wir sind gespannt und machen mit bei "Stopecocide!"

Quellen und mehr Infos:
https://www.stopecocide.de/okozid-zum-verbrechen-machen
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Statut_des_Internationalen_Strafgerichtshofs
https://de.wikipedia.org/wiki/Vandana_Shiva#Gr%C3%BCndungen
https://www.machbar-ev.de/regenwald-tipp1/
https://www.machbar-ev.de/agent-orange-eine-kampferin-fur-gerechtigkeit-und-der-prozess-gegen-chemiekonzerne/
Agent Orange – Wikipedia
Nuklearkatastrophe von Fukushima – Wikipedia
Japan: Fukushima-Urteil sorgt für Empörung - Wirtschaft - SZ.de (sueddeutsche.de)
Ölkatastrophe im Nigerdelta – Wikipedia
Catch-me-if-you-can Spiel, das die Ölkonzerne treiben - wie Shell im Nigerdelta wegen Ölverschmutzung - Dutch court orders Shell to pay over oil spills - Shell Employees Involved with Causing Oil Leaks in Nigeria - netzfrauen– netzfrauen
Toxic-Tour durch Ecuadors Regenwald - Verseuchte Böden, verdrecktes Wasser, verpestete Luft - netzfrauen– netzfrauen
Konzern vor Menschenrecht – einfach widerlich! Ecuador muss an Chevron zahlen anstatt Chevron die Milliardenforderung an vergiftete Ureinwohner - Ecuador loses case, pays Chevron. Chevron loses cases, refuses to pay Ecuador. That's wrong! - netzfrauen– netzfrauen
Severe flood threat caused by climate change – landmark Oxford study | University of Oxford
BertaCaceres.org - Justice for Berta Cáceres
Saúl versus RWE - The Huaraz Case | Germanwatch e.V.
Case History: Berta Cáceres | Front Line Defenders
Shell will alte Plattformen mit 11.000 Tonnen Öl in der Nordsee verrotten lassen - Sonnenseite - Ökologische Kommunikation mit Franz Alt
Deepwater Horizon – Wikipedia
https://www.heise.de/tp/features/Oekozid-Ein-Verbrechen-gegen-die-Menschheit-4612405.html
https://globalmagazin.eu/themen/natur/oekozid-ein-verbrechen-gegen-das-voelkerrecht/
https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/parlement-europeen-vers-la-reconnaissance-de-lecocide-comme-crime-international/
https://reset.org/blog/oekozid-ein-fuenftes-verbrechen-gegen-den-frieden
https://www.stopecocide.earth/
https://pollyhiggins.com/
https://www.ecocidealliance.org/
https://www.deutschlandfunk.de/strafgerichtshof-in-den-haag-faktisch-ein-internationales.2852.de.html?dram:article_id=369607
https://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-amazonas-abholzung-101.html
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/illegale-abholzung-des-amazonas-was-unsere-bratwurst-mit-dem-regenwald-zu-tun-hat-a-2665fd88-cc3e-4621-a5ed-f0bc9b7b560e

Agent Orange – eine Kämpferin für Gerechtigkeit und der Prozess gegen Chemiekonzerne

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Agent Orange

eine Kämpferin für Gerechtigkeit und der Prozess gegen Chemiekonzerne

Es wurde in Deutschland entdeckt, jahrzehntelang verheimlicht, verharmlost und über den ganzen Erdball verteilt:

Dioxin steht in Paris vor Gericht.

Die fast 79-jährige französisch-vietnamesische Frau Tran To Nga klagt in Paris gegen 26 multinationale Chemieriesen; neben anderen Konzernen stehen auch  Bayer und BASF vor Gericht. Der Vorwurf an die gesamte Chemieindustrie ist es, seit den Fünfzigerjahren gewusst zu haben, wie gefährlich TCDD (Tetrachlordibenzodioxin, eine chlorhaltige, hochgiftige organische Verbindung) ist, aber dieses Wissen aus Profitgier unterdrückt und verheimlicht zu haben. 1966 wurde Tran To Nga Opfer des Giftes, als sie im Widerstand auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad (ein während des Indochinakriegs und des Vietnamkriegs genutztes logistisches Netz aus Straßen und anderen Verkehrswegen) als Lehrerin zur Unterrichtung von Kindern tätig war: “Ich bin die Einzige, die diese Firmen in Frankreich anklagen kann!", sagt sie. Denn nur französische Staatsangehörige, die selber Opfer von Agent Orange geworden sind, können Klage in Frankreich einreichen. Noch 40 Jahre nach dem Leben im Agent-Orange-Dschungel wurden bei ihr erhöhte Dioxin-Werte gemessen.

Bis es zum Prozess am 25. Januar 2021 (das Urteil wird für den 10. Mai erwartet) kam, dauerte es sechs Jahre: Frau Tran stellte 2014 erstmals gegen die amerikanischen Chemiegiganten Dow Chemical und Monsanto Anzeige. Sie hat Angst, das Ende ihres Prozesses nicht mehr zu erleben; sie leidet an Herzproblemen, Diabetes, Knoten im ganzen Körper, Brustkrebs und einer Blutkrankheit. Die Anwälte der Unternehmen verzögern das Verfahren hingegen mit immer neuen Anträgen.

Agent Orange

ist ein giftiges Entlaubungsmittel (eine Dosis von 0,000001 Gramm reicht, um ein Kleintier innerhalb kurzer Zeit zu töten), das während des Vietnamkriegs (1955 bis 1975) in Vietnam, Laos und Kambodscha von der US-Armee versprüht wurde. Das Unkrautvernichtungsmittel verursacht auch heute noch Opfer: über drei Millionen Opfer in vier Generationen, die u. a. an Totgeburten, Fehlgeburten, Missbildungen (Kinder ohne Augen, ohne Nase, Kinder mit Wasserköpfen und Gesichtsspalte etc.) und Krebs leiden, bis heute. Unter den qualvoll Verstorbenen sollen sich mindestens 150.000 Kinder befunden haben.

Die amerikanischen Veteranen, die Opfer von Agent Orange wurden, erhoben 600 Sammelklagen, bei denen Schadensersatzforderungen von 45 Milliarden Dollar befürchtet wurden. Um Gerichtsurteile zu vermeiden, kam es zu einem Vergleich, in dem die amerikanischen Opfer  mit über 197 Millionen Dollar entschädigt wurden. Die Chemiefirmen waren glücklich: Sie ließen sich im Vergleich bescheinigen, dass sie nicht für die Leiden der Veteranen verantwortlich seien. Die Gesundheitsschädlichkeit von Dioxin wurde nicht verhandelt. Die vietnamesischen Opfer hingegen sind bis heute nicht als solche anerkannt. Die vietnamesische Regierung war lange Zeit kaum daran interessiert, die USA an Entschädigungen zu erinnern. Gute Wirtschaftsbeziehungen waren wichtiger, vor allem aber wollte man die Öffentlichkeit nicht daran erinnern, dass Obst, Fisch und andere exportierte Lebensmittel made in Vietnam möglicherweise dioxinbelastet sind.

Obwohl ein Unfall bei BASF

vor 67 Jahren, im Jahr 1953 zeigte, dass TCDD hochgiftig ist, hielt die Chemieindustrie diesen Unfall geheim. Boehringer Ingelheim, das größte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland (auch zuständig für andere Skandale, siehe Wikipedia) war Lieferant von 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge, die zur Herstellung von Agent Orange diente. Mitglied der Geschäftsführung von 1962 bis 1966 war Richard von Weizsäcker, ehemals Bundespräsident, der in dieser letzten Rolle zum Nationalheiligen wurde. Ob er von der Giftigkeit des Produkts gewusst hat? Niemand weiß es. Boehringer Ingelheim jedenfalls wusste von schädlichen Wirkung von AO. Firmenchef Ernst Böhringer untersagte Mitte der Fünfzigerjahre, ärztliche Erkenntnisse über die Gefährlichkeit von Dioxin zu veröffentlichen (und auch Heinrich Lübke, Vorgänger von Julia Klöckner im Landwirtschaftsministerium und später Bundespräsident, verbot es). Boehringer Ingelheim lieferte von 1967 bis 1984 auch in die USA die Substanz, von der der Konzern und die amerikanische Seite wussten, dass sie hochgiftig ist. Herr Böhringer freute sich über den Großauftrag: "Solange der Vietnamkrieg andauert", hieß es in einem Schreiben an den Produktionschef, "sind keine Absatzschwierigkeiten zu erwarten."

Die Hintergründe des lange streng geheim gehaltenen Chlorakne-Skandals und der Manipulation von Studien (über die Folgen der Dioxin-Unfälle 1949 bei Monsanto in Nitro (USA) und 1953 bei der BASF in Ludwigshafen), um die Gefahren hochgiftiger Stoffe über Jahrzehnte zu vertuschen, sind nun erstmals weltweit einsehbar. Die Dokumente finden sich in den "Poison Papers", also in den Gift-Papieren einer öffentlich zugänglichen Datenbank mit rund 20.000 Akten über die Chemieindustrie, veröffentlicht von amerikanischen Umweltaktivist*innen. Die Papiere, Briefe und Telegramme des Dioxin-Kartells  erzählen von wachsenden Ängsten und schwindenden Skrupel. Die Firma Boehringer Ingelheim, in den Fünfzigerjahren Initiator des großen Schweigens, arbeitet seit über 40 Jahren daran, sich zumindest auf dem ehemaligen Gelände ihrer Hamburger Fabrik dem Zustand von "No Dioxin" anzunähern. Alle Versuche, das Ultragift aus dem Boden zu bekommen, scheiterten: das Zeug zerfraß die Entsorgungsanlage "Prometheus" (netter Name! In der griechischen Mythologie war Prometheus von Zeus an einen Felsen gefesselt: zu ihm kam jeden Tag ein Adler, um von seiner Leber zu fressen, die über Nacht wieder nachwuchs) und wurde schließlich mit einer kilometerlangen Betonwand unterirdisch eingekapselt. Kosten der Schadensbegrenzung bisher: mehr als 160 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2055 soll das vergiftete Grundwasser durch zusätzliche Brunnen gereinigt und bis 2095 überwacht werden. Die "Poison Papers" enthüllen das Zusammenspiel von Industrie, Politik und US-Militär.

Millionen von Tonnen hochgiftiger Herbizide  wurden versprüht,100 tausende Hektar (1 Hektar = 10.000 m²) Wald wurden in Vietnam, Laos und Kambodscha zerstört ebenso wie Felder verseucht wurden, damit sie keine Nahrungsmittel mehr liefern konnten. Am 7. Januar 1971 stieg zum letzten Mal ein Sprüh-Flugzeug in den Himmel über Vietnam. Erst durch millionenfaches Leid konnte das Schweigen gelüftet und die Produktion des Giftstoffes gestoppt werden. Die verheerenden Folgen reichen bis in die unmittelbare Gegenwart: bis heute werden schwerbehinderte Babys geboren. Contergan, Asbest, PCB, DDT - auch deren Auswirkungen sind gesellschaftliche Kollateralschäden mangelnder Risikobetrachtung von Unternehmen.

It's the money, stupid!

Kleider machen Leute und Kinder machen Kleider

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Kleider machen Leute und Kinder machen Kleider

Grundsätzlich wird weit mehr Kleidung produziert, als wir Menschen auf der Welt überhaupt tragen können.

Heutzutage ist die Textil- und Bekleidungsindustrie eine der wichtigsten Konsumgüter-branchen Deutschlands.

Sie erreichte in Deutschland im Jahr 2012 ein Umsatzvolumen von 19 Milliarden €. Knapp zwei Drittel der von Greenpeace befragten Leute sortieren ihre Kleidung aus, wenn sie ihnen nicht mehr gefällt. Lifestyle eben. Dabei sind mehr als 50 % der in Deutschland hergestellten Textilien „technische Textilien“ (eingesetzt in Autoproduktion, Baugewerbe, Landschaftsbau, in Medizin und Umweltschutz), aber 230 Millionen Kleider werden fabrikneu vernichtet oder verramscht: geschreddert, in Mülldeponien verbrannt oder ins Ausland verkauft. Zwar arbeitet die Bundesregierung derzeit an einer Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, aber erstens dauert so etwas, zweitens weiß keiner wie weitreichend das neue Gesetz sein wird.

Der Hauptbestandteil unserer Kleidung ist meist Baumwolle. Der Name kommt nicht daher, dass Wolle am Baum wächst, denn eigentlich ist die Pflanze ein Busch, aber das englische Wort „cotton“ soll im hocharabischen für „qutún“ stehen, was „Baumwolle“ bedeutet. Schon in Herodots Historien Buch 3 ist zu lesen, dass in Indien Wolle am Baum wachsen würde. Jedenfalls besteht etwa die Hälfte aller Textilien weltweit aus Baumwolle; in der EU macht diese Naturfaser 43 % aller Textilfasern für Kleidung aus. Die weltweit bedeutendsten Baumwollproduzenten sind dabei die Volksrepublik China, Indien, die USA, Pakistan und Brasilien.

Die Textilindustrie hat einen riesigen Einfluss auf Umwelt und Klima: Einer Quantis-Studie aus 2018  zufolge war sie 2016 für 5 bis 10 % der globalen Umweltverschmutzung verantwortlich und für rund 8 % der weltweiten Klimaauswirkungen, wenn auch die Zahlen für die Textilindustrie als Ganzes gelten. Die Baumwollindustrie ist nur ein Teil davon. Der Baumwollanbau trägt aber auch, insbesondere durch den hohen Verbrauch an Mineraldünger und Pestizide, erheblich zum weltweiten Kohlenstoffdioxid-Ausstoß bei. Durch die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts entstehen sieben bis neun Kilogramm CO2.

Derzeit verursacht die Textilindustrie jährlich 1,2 Billionen Tonnen CO2  und damit mehr als internationale Flüge und Kreuzfahrten zusammen.

Davon abgesehen ist Polyester mittlerweile das am häufigsten verwendete Material in der Modeindustrie; wie Nylon und Acryl ist Polyester eine Plastikfaser, von der beim Waschen kleinste Partikel ins Wasser gelangen, später ins Meer und über die Nahrungsaufnahme auch in unsere Körper. Eine Umstellung auf nachhaltigere Produktionsweisen und Materialien ist dringend geboten und würde Umwelt und Klima entsprechend massiv entlasten.

Pestizide/Insektizide, Gifte

Die Prozessstufen der Textilherstellung, die besonders starke Belastungen für die Umwelt hervorrufen, sind Anbau und Produktion der Rohfasern sowie die Textilveredelung. Bei der Produktion von Naturfasern werden Pestizide und Düngemittel in großen Mengen eingesetzt. Bisher entfallen beispielsweise circa 25 % des weltweiten Insektizidmarktes und circa 10 % des Pestizidmarktes auf den Baumwollanbau (die Zahlen variieren je nach Quelle, jedenfalls ist Baumwolle nicht per se pestizidfrei) auf insgesamt nur 2,5 % der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche. „Pro Saison wird Baumwolle durchschnittlich 20 Mal mit Ackergiften aller Art besprüht“, schreibt das Umweltinstitut München. Der massive Einsatz auch von Düngemittel trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. In Afrika gehen laut Nabu 80 % aller eingesetzten Pestizide in die Baumwollproduktion. Der enorm hohe Pestizideinsatz gefährdet die Biodiversität und vergiftet die Böden. Auch in den fertigen Textilien, die wir dann tragen, kann man die Pestizide noch finden.

In den überwiegend asiatischen Produktionsländern ist die rasant wachsende Textilindustrie nicht nur zum zweitgrößten Wasserverbraucher  und ‑verschmutzer geworden: 3.500 krebserregende, hormonell wirksame oder anderweitig giftige Chemikalien (z. B. Kupfer, Arsen, Cadmium) setzt die Textilindustrie ein, um Rohmaterialien zu bunt bedruckter Kleidung  zu verarbeiten. Bis ein T-Shirt bei uns auf dem Ladentisch liegt, hat es einiges über sich ergehen lassen: Glätten, Bleichen, Färben, Bedrucken, für spezielle Outdoor-Kleidung auch Imprägnieren. Dafür werden in der Textilindustrie pro Kilogramm Kleidung rund ein Kilogramm Chemikalien verwendet. Viele dieser Chemikalien findet man nicht nur im Umfeld der Fabriken, sondern inzwischen rund um den Globus - in der Küstenluft von Südafrika, der Leber von Eisbären und in der Muttermilch. Die Ökoauflagen werden zwar  immer strenger, die Fabriken bekommen dafür aber keinen Cent mehr für ihre Kleidungsstücke und stellen wegen des Kostendrucks teilweise einfach ihre Kläranlage ab (sofern vorhanden). In Flüssen in der Nähe von Textilfabriken in Bangladesch schwimmt kein Fisch mehr.

Wasserverbrauch

Die Herstellung von Baumwolle führt zu einem enorm hohen Wasserverbrauch. Die Zahlen variieren auch hier wieder je nach Quelle und betrachteten Ländern. Sie gehen von 1.214 Liter bis 10.000 (der WWF nimmt zum Beispiel 7.000 bis 29.000 Liter Wasser an) aus, die nötig sind, um ein einziges Kilogramm Baumwolle zu produzieren. Ein Kilo Baumwolle entspricht in etwa einer Jeans und einem T-Shirt.

Auch der Anbau von Bio-Baumwolle benötigt viel Wasser, allerdings weniger als bei konventionellen Pflanzen. Die Böden enthalten aufgrund der im Bio-Anbau üblichen Fruchtfolge (wechselnde Pflanzen) mehr organische Substanz und können mehr Wasser speichern. Außerdem wird auf Bio-Feldern zur Bewässerung häufig Regenwasser aufgefangen und verwendet. Eine Studie aus dem Jahr 2014 kam zum Schluss, das der Wasserverbrauch bei der Produktion von Bio-Baumwolle 91 % geringer ist als bei konventioneller. Der hohe Wasserverbrauch beim Baumwollanbau (ausgehend von 3.600-26.900 m³ Wasser pro Tonne Baumwolle) führte unter anderem zum Austrocknen des Aralsees.

Gentechnik

Genmanipulierte Baumwollpflanzen sind resistent gegen bestimmte Schädlinge und/oder sie sind widerstandsfähiger gegen bestimmte Umweltbedingungen. Der Anbau von genmanipulierten Baumwollpflanzen ist entsprechend enorm weit verbreitet. Lt. der Datenbank TransGen wachsen derzeit auf insgesamt etwa zwei Dritteln der weltweiten Baumwoll-Anbaufläche genveränderte Sorten. Allein in Indien waren im Jahr 2017 demnach 93 % der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert. Die Entwicklung von gentechnisch veränderter Saat wird oft als neue "grüne Revolution" bezeichnet. Dadurch sollten die Ernten um ein Vielfaches gesteigert werden. (Quelle: David Nance/ Wikimedia Commons). Die Konzerne versprachen den Bauern, dass sich die Ernten um ein Vielfaches steigern würden, wenn sie nicht nur ihre Pestizide verwenden, sondern auch statt den eigenen die Samen ihrer Firma aussäen.

Doch nicht nur der enorme Einsatz von gesundheitsschädlichen Insektiziden ist eine Konsequenz des hohen Konsums. Die Hoffnung auf größere Erträge bringt viele Bauern dazu, gentechnisch veränderte Baumwolle zu verwenden. Der Weltmarktführer für Gen-Saatgut ist der mächtige US-Konzern Monsanto (von Bayer aufgekauft). Er verkündete, dass die neue Baumwolle viel unempfindlicher gegen Schädlinge und Krankheiten sein würde. Das Grundprinzip ähnele dem der Züchtung, so sagt der Konzern, bei welcher stets nur die besten und widerstandsfähigsten Pflanzen weiter vermehrt würden.

Die Entwicklung von gentechnisch veränderten Samen durch riesige Agrar- und Chemiekonzerne wie Monsanto, Bayer oder Syngenta seit den 1970er Jahren geht jedoch einen großen Schritt weiter als die einfache Züchtung. Bei der "zweiten grünen Revolution" veränderten die Chemiekonzerne künstlich die Gene (also das Erbgut) der Samen mit dem Ziel, diese unempfindlich gegen Schädlinge zu machen. Dazu fügten sie ein Gen von Bakterien ein, das bewirkt, dass die Pflanze ein Gift produziert, das Insekten tötet. Es sterben aber nicht nur die unerwünschten Insekten, sondern auch andere Tiere, die von der Pflanze fressen. Das neue Gen vernichtet alles, was ihm zu nahe kommt. Hinzu kommt, dass die Pflanzen irgendwann nicht mehr auf die Chemie reagieren, weitaus empfindlicher sind als anfangs versprochen und neue Krankheiten entwickelten. Die Bauern müssen sogar noch mehr Spritzstoffe einsetzen, verbunden mit mehr Kosten für die Bauern, mehr Gewinne für die Chemiekonzerne und erheblich mehr Schäden für Mensch und Umwelt.

  • Die so neu erschaffene Baumwolle benötigt außerdem viel mehr Wasser als ihre Vorgänger. Vor allem in den wasserarmen Ländern wie Afrika ist das ein großes Problem, da die Pflanze, wenn sie nicht genug Wasser erhält, die Kapseln einfach abwirft, bevor sie reif sind. Wenn das passiert, fällt die Ernte der Bauern aus.
  • Zuvor war es nicht nötig, Samen zu kaufen, da die Bauern ihr eigenes Saatgut hatten indem sie nach jeder Ernte einen Teil der Samen für die nächste Aussaat aufbewahrten. Zum Teil erhielten sie die Samen auch vom Staat oder die Bauern halfen sich gegenseitig aus. Konzerne wie Monsanto verpflichten die Bauern jedoch vertraglich, jährlich neues Gen-Saatgut bei ihnen zu kaufen.
  • Wenn die Ernte in früheren Zeiten mal weniger gut war, verdienten die Bauern zwar schlecht, zu Essen hatten sie aber trotzdem noch genug. Passiert dasselbe mit gentechnisch veränderten Samen, sind die Einzigen, die daran verdienen, die Firmen, die das Gen-Saatgut verkaufen. Mit dem Verdienst aus dem Baumwollverkauf können die Arbeiter*innen dann gerade einmal die Spritzmittel bezahlen; um die Familie zu ernähren, reicht es aber nicht mehr. Deshalb haben viele von ihnen bei den Firmen Schulden aufgenommen, was sie in einen Kreislauf der Abhängigkeit bringt. Solche Ernteeinbußen haben zum Beispiel zahlreiche indische Kleinbauern in den Ruin getrieben. In der Folge nahmen sich viele verzweifelte Bauern das Leben.

Im Bio-Anbau

sind gentechnisch veränderte Pflanzen verboten. Bio-Baumwolle produziert Samen, aus denen neue Pflanzen wachsen können, was den Bauern enorme Kosten für neues Saatgut erspart. Aber: für Bauern in vielen Ländern ist es inzwischen sehr schwierig, an herkömmliches, nicht-genmanipuliertes Saatgut zu kommen. Dieser Mangel an Bio-Saatgut gilt als einer der größten Hindernisse beim Ausbau des Bio-Baumwollanbaus.

Ausbeutung

In den meisten Fällen ist die Kleiderherstellung mit unfairem Handel und unmenschlichen Arbeitsbedingungen verbunden.

Weltweit ist Kinderarbeit verboten. Bereits seit 1973 gibt es eine Konvention, die das Mindestalter für Beschäftigung regelt und entsprechende nationale Gesetzgebungen gibt es in fast allen Ländern dieser Welt. Die UN-Kinderrechtskonvention, von allen Ländern außer den USA und Somalia ratifiziert, schreibt das Recht des Kindes fest, vor ausbeuterischer Arbeit geschützt zu werden (Artikel 32). Papier ist geduldig und wo kein Kläger, da kein Richter: es arbeiten weltweit über 250 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren, das sind ca. 20 bis 30 % aller Kinder. Sie verrichten Arbeiten, die ihrer Entwicklung und Gesundheit schaden. Rund 120 Millionen dieser Kinder arbeiten ganztags. Die meisten Kinder arbeiten in Asien (ca. 153 Millionen). In Afrika arbeiten ca. 80 Millionen Kinder (ca. jedes dritte Kind), in Lateinamerika ca. 17,5 Millionen (ca. jedes fünfte Kind). Arbeitgeber stellen gerne Kinder ein, da sie diesen weniger Lohn zahlen müssen; Kinder sind leichter zu schikanieren und organisieren sich auch nicht in Gewerkschaften.

 

 

Der größte Teil der Textilherstellung findet in den Billig-Nähstuben der Welt in Bangladesch oder China, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, statt. So wie der Kunde nicht weiß, wo seine Kleidung genau hergestellt wurde, weiß die Näherin umgekehrt in der Regel nicht, für welches Label sie sich eigentlich schindet. Licht in diese dunklen Abläufe zu bringen, ist ein mühseliges Geschäft. Um die Fäden zusammenzubringen, ist ein großes Netzwerk nötig, sagt Maik Pflaum, Arbeitsrechtexperte der „Christlichen Initiative Romero“ (CIR). Romero ist eines von 250 Mitgliedern des europäischen Netzwerks für Textilarbeiterrechte "Kampagne für Saubere Kleidung". Die Missstände, von denen die Verbraucher*innen erfahren, sind nur "die Spitze des Eisberges", sagt Pflaum. Arbeitsrechtsverletzungen seien die Regel. Überstunden, Hungerlöhne und marode Fabriken: Nicht nur Billig-Labels, auch renommierte (Sportartikel-)Hersteller stehen in der Kritik. Viele arbeiten mit ausländischen Zulieferern zusammen, die Löhne weit unter dem Existenzminimum des jeweiligen Landes zahlen, oder ihre Lieferanten gar nicht kennen. Die Subunternehmer in den Billiglohn-Ländern reichen die Aufträge an noch billigere Hersteller weiter, ohne dass ein Unternehmen zwangsweise davon erfährt. Ein Textilhändler wie Primark hat es damit auf eine Gewinnsteigerung von über 40 % innerhalb eines Jahres gebracht. „Die Produkte für Primark werden mit Achtung vor dem Menschen hergestellt“, steht auf der Webseite der irischen Modekette. Eine auf Sri Lanka bezogene Studie von CIR, , hat festgestellt, "in keiner der untersuchten Fabriken wird der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlegt“.

Die Herstellung von Kleidung kostet im Extremfall Menschenleben, wie am 24. April 2013 als das Gebäude Rana Plaza in Sabhar, Bangladesch, einstürzte: 1135 Arbeiter*innen wurden getötet und 2438 verletzt. Das Gebäude gehörte einem bangladeschischen Politiker. Am Vortag waren in dem Gebäude Risse festgestellt worden, daher verbot die Polizei den Zutritt. Dennoch waren mehr als 3.000 Menschen im Gebäude, größtenteils Textilarbeiter*innen, als das Gebäude kollabierte. Die Angestellten waren von den Fabrikbetreibern gezwungen worden, ihre Arbeit aufzunehmen. Auch Primark ließ dort nähen.

Generell fehlen in den armen Ländern den meisten Arbeiter*innen die Möglichkeiten, angemessene Schutzkleidung zu tragen, was zu erheblichen Schädigungen an Mensch und Umwelt führt. Vergiftungen und Todesfälle der Arbeiter*innen sind an der Tagesordnung. Hinzu kommt, dass die giftigen Pflanzenschutzmittel über den Boden in das Grundwasser gelangen und dadurch Brunnen und Trinkwasser vergiften. Das führt zu Krankheiten innerhalb der Bevölkerung und zum Tod vieler Kinder.

„Fair“ heißt, dass nur Erwachsenen an den Produkten mitarbeiten, und so gut bezahlt werden, dass sie ihre Familie ernähren können und die Kinder anstatt zu arbeiten eine Schule besuchen können.

Bio-Anbau und fairer Handel

Im Bio-Anbau sind chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verboten.

Um den fairen, umweltschonenden und gesunden Handel zu fördern, wurden Auszeichnungen und Richtlinien für Bio-Baumwolle und fair gehandelte Kleidung geschaffen. Damit die Materialien als "biologisch" oder "ökologisch" bezeichnet werden können, reicht es allerdings nicht, schädliche Pestizide und Insektizide gegen verträglichere Varianten auszuwechseln. Es geht darum, vor Ort ein ausgeglichenes Ökosystem zu schaffen.

Der biologische Anbau kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch der Gesundheit der Menschen. Wenn er mit fairem Handel kombiniert wird, gibt das den Bauern in Lateinamerika, Asien und Afrika die Möglichkeit, auf längere Sicht ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, nachhaltig also.

Fairer Handel bedeutet ganz konkret eine Kombination von Mindestpreis und Bio-Prämien. Nur dadurch haben die Bauern in den Ländern der so genannten "Entwicklungsländer" die Möglichkeit, aus dem Kreislauf von Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Armut auszubrechen, Anerkennung zu gewinnen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Der Verzicht auf Kinderarbeit ist bei fair gehandelter Ware selbstverständlich. Ein Teil von dem, was die Käufer für fair gehandelte Produkte ausgeben, fließt auf ein Premium-Konto für Projekte, über die die Arbeiter (und im besten Fall auch die Arbeiterinnen) demokratisch bestimmen können. Das Geld kommt dem Aufbau von Schulen und sanitären Anlagen, der Trinkwassersicherung und anderen Projekten, die den dortigen Menschen ein besseres und unabhängigeres Leben ermöglichen, zugute.

Fazit

Pestizide, Düngung, verseuchte Flüsse, arme Kleinbäuerinnen und -bauern, verpestete Luft, kranke Menschen, Gentechnik, enormer Wasserverbrauch, Ausbeutung, das sind alles Probleme in der Produktion von Kleidung.

Packen wir es also an!

Bisher wird nur ein Prozent der gesamten Baumwollproduktion nach überprüfbaren und abgestimmten Richtlinien des ökologischen Landbaus angebaut. Es ist also wichtig, die Nachfrage nach biologisch angebauter Baumwolle zu erhöhen.

Filz und Klüngel in der Ernährungsindustrie – ein Lobbyparadies in der Agrarwirtschaft –

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Filz und Klüngel in der Ernährungsindustrie - ein Lobbyparadies in der Agrarwirtschaft -

Unrühmlich: im gesamten Agrarausschuss des Deutschen Bundestages überwiegt der Anteil derer, die keinen engeren Bezug zur Landwirtschaft aufweisen. Rühmlich: keine andere Partei weist eine so große Nähe zum Agrarsektor auf wie die Vertreter*innen der CDU/CSU. Man solle also meinen, dass sie wissen, was sie tun. Alles was in Berlin in den Fragen Tierschutz, Glyphosat, Düngemitteleinsatz geregelt wird, geht durch diesen Ausschuss. Unrühmlich: viele CDU/CSU-Abgeordnete (nicht vergessen: Volksvertreter*innen) aus dem Agrarausschuss besetzen gleichzeitig Posten in Agrarfirmen und Finanzkonzernen. Abgeordnete, die neben ihrem Bundestagsmandat Lobbytätigkeiten übernehmen, sind verpflichtet, bestimmte Interessen zu vertreten (nicht unbedingt die des Volkes) und werden dafür auch bezahlt[1]. Wie kann da unabhängig entschieden werden, nämlich im Namen des Volkes?

Die gleichen Wissenschaftler*innen, die an den entscheidenden Stellen für den Durchbruch der Agro-Gentechnik arbeiten, haben auch wichtige Funktionen bei der EU-Lebensmittelbehörde EFSA. Das ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Führende Mitarbeiter*innen arbeiten eng mit der Industrie zusammen und sind für große Lebensmittelunternehmen wie Nestlé, KraftFoods oder Unilever tätig, die sie andererseits zu kontrollieren haben. In der EFSA sitzen also Vertreter genau derjenigen Branche, deren Produkte kontrolliert werden sollen[2]. Unabhängig?

Auf  rund 100 der 4.300 Seiten des Schlussberichts der EFSA aus dem Jahr 2015 hatte sich die EFSA für eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat ausgesprochen. „Die Kapitel im EFSA-Bericht über die bisher veröffentlichten Studien zur Wirkung von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit sind quasi Wort für Wort von einem Monsanto-Bericht aus dem Jahre 2012 übernommen“, schrieb die italienische Zeitung „La Stampa“. Damals hatte der US-Chemiekonzern - mittlerweile in Besitz des deutschen Bayer-Konzerns - im Namen des Konsortiums „Glyphosate Task Force“ den Bericht eingereicht.

Die EU-Kommission sagte aber nein, nein, nicht die EFSA habe Textbausteine aus dem Monsanto-Bericht kopiert, das sei Deutschland gewesen und die EFSA habe die Textbausteine aus dem Bericht aus Deutschland kopiert[3]. Jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen, "ich war's nicht, der da war's", und tut so, als ob er vollkommen im Recht wäre. So etwas kannten wir aus Kindergartenzeiten, als diese noch geöffnet waren. Immerhin wurde bei der Evaluierung von EFSA in 2012 empfohlen, die Verbindungen zwischen EFSA und Industrie transparenter zu kommunizieren, die internen Abläufe im Zusammenhang mit Interessenserklärungen zu überprüfen sowie mit Kritik an der Unabhängigkeit besser umzugehen. Über die Evaluation in 2018 ist in den Suchmaschinen nichts auf deutsch zu finden, lediglich verwirrende englische Hinweise[4].

Hauptaufgabe der EFSA im Gentechnikbereich ist die Zulassung von gentechnisch veränderte Pflanzen zur Verwendung als Saatgut, Lebens- oder Futtermittel. Ist eine Pflanze zugelassen, kann sie ohne weitere Rechtshürden angebaut und verbreitet werden.

Unglücklicherweise ist die EFSA alles andere als unabhängig und stark mit Gentechnikinteressen verwoben - ganz ähnlich dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der US-amerikanischen FDA 9.

So saßen oder sitzen etliche der in deutschen Seilschaften verstrickten Mitarbeiter*innen der Gentechnikbehörden auch in der EFSA. Obwohl 78 bis 90 Prozent der Bevölkerung die Agro-Gentechnik ablehnen, sitzen aus Deutschland ausschließlich Befürworter*innen in der EFSA-Gentechnikgruppe. Alle zwölf bisher von der EFSA verfassten Gutachten über gentechnisch veränderte Organismen (GVO) fielen zugunsten der Biotech-Industrie aus. Einige der Mitglieder der EFSA haben direkte oder indirekte Verbindungen zur Biotech-Industrie und treten zum Beispiel in einem Informationsvideo der Biotech-Industrie auf. Kritische Stimmen werden zwar angehört, spielen jedoch keine Rolle in den Konsultationsverfahren[5].

Als der genetisch veränderte Mais MON810[6] in Deutschland im Jahr 2007 kurzzeitig verboten war, forderte ausgerechnet der (damalige) oberste Verbraucherschützer zu diesem Thema, Hans-Jörg Buhk, die Rücknahme des Verbots - erfolgreich. Als ein Jahr später die französische Regierung die Pflanze verbot, bemühte sich auch dort ausgerechnet die Verbraucherschutzbehörde, das Verbot zu verhindern. Ebenso handelte die europäische Verbraucherschutzbehörde EFSA. Diese Phalanx aus Gentechnikbefürworter*innen im Verbraucherschutzpelz zeigte sich auch bei Kartoffeln.

Während die Europäische Behörde für Arzneimittelsicherheit EMEA eine kritische Einschätzung zum Einsatz des Antibiotika-Markers in der BASF-Gentech-Kartoffel Amflora und zu möglichen Resistenzproblemen für Menschen abgab, versicherte die EFSA wie üblich: Keine Risiken. Marie-Monique Robin, Autorin des Films "Monsanto. Mit Gift und Genen", sagte dazu: " 80 Prozent der Wissenschaftler dort arbeiten für Monsanto und andere Saatguthersteller wie Syngenta oder Bayer CropScience. Ich habe mit zwei französischen Abgeordneten gesprochen, die ihren Unmut auch in der Zeitung Le Monde veröffentlicht haben. Sie sagen, der politische Druck, die Zulassung der GVO umzusetzen, sei unerträglich. Da geht es nicht nur um normale Lobbyarbeit, sondern auch um Bestechung und all diese Dinge"[7].

So ist es kein Wunder, wenn trotz der Tatsache, dass die Auswirkungen und negativen Folgen der vermeintlich modernen Landwirtschaft deutlich zugenommen haben und die Erkenntnisse zum agrarstrukturellen Wandel, Rückgang der Biodiversität, zu Nitratbelastungen der Gewässer und klimaschädlichen Emissionen sowie zu Erfordernissen einer artgerechten Tierhaltung mehr als eindeutig und vielfach dokumentiert sind, es in vielen Bereichen der europäischen und deutschen Agrar-und Umweltpolitik kaum Fortschritte zur Lösung der drängenden Problemlagen gegeben hat. Bemühungen um Reformen und Anpassungen in der Agrar-und Umweltpolitik sowie in der landwirtschaftlichen Praxis werden systematisch von Interessenvertreter*innen verhindert oder deutlich verwässert. Die Ergebnisse am Ende von Verhandlungen zu politisch-rechtlichen Rahmensetzungen und Förderprogrammen stehen häufig im Widerspruch zu den ursprünglichen Ansätzen, Vorschlägen und v.a. wissenschaftlichen Fachempfehlungen. Wurscht! Beispiele hierfür sind die bundesdeutsche Düngemittelverordnung in 2017 (nach einem Urteil des EuGH nachgebessert zur Umsetzung Mai 2020, wegen Corona aber verlängert bis Ende 2020 - es gibt immer einen Grund), das Greening in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union (EU) oder die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Die Richtschnur des politischen Handelns orientiert sich anscheinend immer noch an einer Vermeidung von Belastungen für die Landwirtschaft und (nur) vordergründig an einer Sicherung der landwirtschaftlichen Einkommen[8].

Das Greening bedeutet, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb in Deutschland über die sogenannten "ersten Säule" der EU-Agrarförderung Geld als Basisprämie pro Jahr und Hektar erhält. Zusätzlich bekommen alle auch die sogenannte Greening-Prämie je nach Größe des Betriebes (je größer der Betrieb, desto mehr Kohle). In Deutschland erhält nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums jeder landwirtschaftliche Betrieb, der die Basisprämie erhält, auch die Greening-Prämie. Um die Prämie zu erhalten, muss ein landwirtschaftlicher Betrieb, der mehr als 15 Hektar Ackerfläche hat, seit 2014 auf 5 Prozent seiner Fläche sogenannte ökologische Vorrangflächen einrichten. Das können aber auch Blühstreifen und Baumreihen sein. Und es bringt nichts für die Umwelt. Die Blühstreifen höchstens für ein paar Insekten, wenn aber Landwirte Maisstoppeln nach der Ernte nicht stehen ließen, sondern dort eine Winterfrucht einsähen würden, "dann ist das kein Greening, sondern dann ist das Standard. Das ist gute fachliche Praxis." Zusätzliche Leistungen für die Umwelt könne er nicht erkennen, sagte Prof. Friedhelm Taube, Agrarwissenschaftler von der Universität Kiel[9].

Alle wesentlichen Gruppen des Agribusiness als auch spezifische Verflechtungen u. a. zur Finanzwirtschaft und Agrochemie weisen eine enge Verzahnung zum Deutschen Bauernverband (DBV) auf. Verbindungslinien in die Politik und die Agrarausschüsse des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments (EP) gelingen durch eine starke Verknüpfung zu Abgeordneten der CDU/CSU und der Europäischen Volkspartei (EVP). Über die Hälfte ihrer Ausschussmitglieder, vornehmlich aus CDU/CSU, hat mindestens auf einer Organisationsebene des Bauernverbandes ein Amt übernommen. Insgesamt betrachtet gibt es im Agribusiness und in der Agrarpolitik eine vergleichsweise kleine Gruppe an Akteuren, die wesentliche Schlüsselpositionen unter sich aufteilen. Diese Multi-oder Vielfachfunktionäre stammen in erster Linie aus den Spitzen des DBV und seiner Landesverbände. Die Funktionäre haben Posten in Fleischfirmen, sie sitzen in Firmen, die Düngemittel herstellen oder auch Pestizide, sie haben ihre Leute in den Agrarausschüssen der Landtage und des Bundestags. Gleichzeitig weist die breite Palette an ausgeübten Funktionen der DBV-Vertreter*innen auf Konflikte in der breiten Wahrnehmung von verschiedenen Partial-und Sonderinteressen hin. Die verfolgten Ziele und Interessen von Unternehmen aus der Finanz-oder Agrar-und Ernährungswirtschaft dürften kaum in Einklang mit denen einer bäuerlichen Landwirtschaft stehen. Ausgesprochen lesenswert ist die 70seitige Studie des NABU (Fußnote 8).

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Aufgabe, sich um die Verbraucher*innen und ihre Interessen gegenüber Staat, Konzerne und anderen zu kümmern. Das tut es aber nicht. Vielmehr ist es so, dass das BVL alle Anträge auf gentechnische Nutzungen genehmigt hat. Etliche Beamte stellten sich in internen Schreiben uneingeschränkt hinter die antragstellenden Konzerne und Forschungseinrichtungen. Filz, Steigbügelhalter, Interessenkollision? der bereits genannte Professor Hans-Jörg Buhk, damaliger Leiter des Zentrums für Gentechnologie, dem auch die „Zulassungsstelle Gentechnik“ unterstand, und sein damaliger Stellvertreter Detlef Bartsch waren sich nicht zu blöde, um in einem Werbefilm für Genmais aufzutreten, der im Auftrag von sechs großen Gentechnik Firmen produziert wurde. Sie machten also Werbung für derjenigen Firmen, deren Anträge sie an anderen Arbeitstagen (ohne die notwendigen umfangreichen Prüfungen) durchwinkten. Der ehemalige langjährige Leiter Herr Buhk meinte, die Ängste, die viele Mitbürger in Bezug auf gentechnisch veränderte Organismen hätten, kämen "aus dem Bauch" und seien oft durch fehlendes Wissen hervorgerufen[10]. Stupide Masse eben.

In seiner Broschüre "Die Grüne Gentechnik. Ein Überblick" (3. Auflage 2010) schreibt der BVL dann auch eindeutig über Gentechnik: "... dass diese Technologien umso eher eine Anwendung finden werden, je höher ihr wirtschaftlicher Nutzen ist...", und "... Die kommerziell betriebene Pflanzenzüchtung – einschließlich jener mit Unterstützung biotechnischer Methoden – verfolgt in einer Marktwirtschaft zunächst und überwiegend das Ziel, Unternehmensgewinne zu steigern..". Interesse der Verbraucher*innen? Pah! It's the economy stupid!

Seit Dezember 2019 hat das BVL einen neuen Präsidenten, Friedel Cramer. Er kommt aus dem Landwirtschaftsministerium und war dort als Referatsleiter der für Pflanzenschutz und den Fall Glyphosat zuständige Beamte und unter anderem für die pflanzenschutzrechtlichen und fachlichen Angelegenheiten des BVL sowie des Julius Kühn-Instituts und des Bundesinstituts für Risikobewertung zuständig[11]. Her Cramer ist bekannt als Gegner strenger Auflagen für Pflanzenschutzmittel, hat aber hingegen keine Qualifikation bezüglich der wichtigen Lebensmittelsicherheit. Die Bundesministerin Klöckner erweckt öffentlich den Anschein, verantwortlich mit Pestiziden umgehen zu wollen, stellt das BVL aber personell so auf, dass dessen Hauptaufgabe der Kampf gegen Umweltauflagen ist[12].  Unser Friedel ist auch international gut vernetzt. In Rom hatte er mehrere Jahre das Referat „Ernährung und Landwirtschaft“ bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, d. h. Welternährungsorganisation) geleitet.

Zusammengefasst rankt sich rund um die zentralen Behörden eine unübersichtliche Ansammlungen von Berater*innen, Gutachter*innen, von Beratungsgremien und externen Sachverständigen, zum Teil mit zentraler Bedeutung in den Entscheidungen um Gentechnik. Der Bundestag teilte in seiner Drucksache[13] in 2012 mit , wer alles für was zuständig ist und mit wie vielen Beschäftigten:

  • im BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) 39 wissenschaftliche Bedienstete u. a. im Leitungsbereich für die Risikobewertung im Bereich GVO, Pflanzenschutzmittel sowie für Lebensmittelzusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe
  • Im BVL sechs Wissenschaftler*innen ausschließlich hauptamtlich für die Risikobewertung auf Bundesebene im Bereich GVO
  • Im JKI(Julius-Kühn-Institut)  ein Wissenschaftler mit der Bewertung der Risiken von Pflanzenschutzmitteln für Honigbienen
  • Im UBA (Umweltbundesamt) 42 Mitarbeiter*innen mit wissenschaftlichem Hochschulabschluss für die Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln (mit Fokus auf die Umweltwirkung )
  • BfN (Bundesamt für Naturschutz); dieses ist bei  Zulassungsverfahren zum Inverkehrbringen und zu Freisetzungen von GVO, samt Risikobewertung, beteiligt (neun Bedienstete im zuständigen Fachgebiet)
  • RKI (Robert-Koch-Institut); dieses ist in die Sicherheitsbewertung von GVO im Rahmen von Freisetzungen und Inverkehrbringen einzubeziehen. Hier befassen sich zwei Personen mit der naturwissenschaftlichen Bewertung von GVO.

Dann gibt es noch das ZKBS (Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit), das u. a. gentechnisch veränderte Organismen auf Risiken für Menschen, Tier und Umwelt prüft und Stellungnahmen dazu abgibt. Das Votum der ZKBS wird von der BVL als Genehmigungsbehörde regelmäßig übernommen. Oder die BVL schreibt eine Stellungnahme für das ZKBS gleich selbst (Synergieeffekte!), das vom ZKBS als eigene an die BVL durchgewunken wird. Aufgebaut wurde das ZKBS übrigens durch vehemente Verfechter der Gentechnik [14].

Oder Firmen wie "Innoplanta". Innoplanta betreibt Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung der Akzeptanz der Pflanzenbiotechnologie in der Bevölkerung sowie zur Präsentation Deutschlands als optimaler Standort für alle wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten im Bereich der Pflanzenbiotechnologie. Der Gründungspräsident von Innoplanta, der CDU-Politiker Thomas Leimbach, war von 2004 bis 2011 Präsident des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt und damit Chef der Kontrollbehörde, die für Innoplanta zuständig ist.  Innoplanta war an der Finanzierung des im November 2006 eröffneten "Grünen Labors" beteiligt: das ist eine Einrichtung, in der Schüler*innen die "Grüne Gentechnik" nahe gebracht und so Akzeptanz geschaffen werden soll[15]. Gehirnwäsche bei den ganz Jungen?. Innoplanta ist auch Mitglied der Initiative "Green Gate Gaterleben" , zu der als weitere Partner u. a. die Bayer AG (Stichwort Monsanto), die Saaten Union Biotec GmbH und die Trait Genetics GmbH gehören. Einer der Vereinsvorstände ist  Beisitzer des FDP-Kreisvorstands Harz, im Beirat sitzt ein ehemaliger Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt, ein Mitglied der Arbeitsgruppen der Europäischen Behörde für Lebensmittelaufsicht EFSA, der Präsident des Landesbauernverbands Sachsen-Anhalt und der Leiter des Instituts für die Sicherheit biotechnologischer Verfahren bei Pflanzen am Julius-Kühn-Institut.[16]

Das Julius Kühn-Institut (JKI) seinerseits ist das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen und hat bundesweit jede Menge Institute und auch jede Menge Aufgaben im Rahmen des Pflanzenschutzgesetzes[17].

Nach einem Bericht vom NABU (Naturschutzbund Deutschland) aus dem April 2019 übt DBV-Präsident und Präsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg sowie Präsident der COPA-COGECA[18], Joachim Rukwied (alles in einer Person) ein Mandat im Aufsichtsrat der BayWa AG, ein international tätiger Handels- und Dienstleistungskonzern mit den Schwerpunkten "Agrar", "Energie" und "Bau) aus. Dabei ist er auch Mitglied in Aufsichtsrat von Land-Data GmbH (ein Softwareunternehmen, stark mit dem DBV, seinen LBV und deren Führungskräften verhaftet) und  der Südzucker AG (der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Nahrungsmittelkonzerne Deutschlands). Insgesamt hat Herr Rukwied 19 Funktionen. Wann schläft der Kerl eigentlich? So trifft es sich gut, dass die Landwirtschafts- und Ernährungsministerin es ablehnt, dass Lebensmittel mit einem hohen Zuckergehalt gesondert gekennzeichnet werden. Sie setzt auf die (immer wieder vergebliche) freiwillige Selbstbeschränkung der Industrie.

In 2016 wurde bekannt, dass Herr Rukwied in seiner Funktion als Präsident des Lobbyvereins „Forum für moderne Landwirtschaft“ unter anderem die Interessen von BASF, Bayer, Dow, Du Pont, Monsanto und Syngenta vertritt, allesamt Hersteller des Unkrautkillers Glyphosat[19].

Der feine Herr ist seit 2017 Ritter des Ordens "Mérite Agricole" (französische Verdienstorden für Landwirtschaft) und, verliehen durch den NABU, "Dinosaurier des Jahres". Er verharmlose konsequent alle Umweltprobleme, für die die industrielle Landwirtschaft die Hauptverantwortung trage – wie etwa das drastische Insekten- und Vogelsterben durch den Einsatz von Herbiziden oder die durch Dünger verursachten hohen Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Zudem verteidige Joachim Rukwied beharrlich ein Milliarden Euro teures Subventionssystem, das zulasten von Natur, Landwirten und Steuerzahlern gehe und bekämpfe regelmäßig sämtliche Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltbilanz der Agrarpolitik. Der Typ findet sich dabei auch noch gut: er freue sich über den Preis, weil er von vielen Berufskollegen und Mitgliedern als Auszeichnung verstanden würde[20]. Merkwürdige uralte elitäre und höfischen Sitten. Herr Rukwied war ebenfalls einer, der sich unter anderem für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung um 15 Jahre stark gemacht hatte.

Überhaupt besetzen mehrere CDU/CSU-Abgeordnete aus dem Agrarausschuss zum Teil herausragende Posten in großen landwirtschaftlichen Konzernen wie Baywa, Agravis, Yara oder Crop Energy. Das ist eine Ballung von Ämtern, die es so sonst im Bundestag nicht gibt: Lediglich jeder vierte Bundestagsabgeordnete - 178 von 655 - hat im Laufe der vergangenen Wahlperiode etwas hinzuverdient[21].

Es ist kein Wunder, dass wir keinen Durchblick haben und auch nicht haben sollen. Wie seltsam ist das denn, wenn das eine (zuständige) Amt gegen die Entscheidung eines anderen (zuständigen) Amtes vor Gericht klagt, die Ministerin entscheidet, nicht in die Berufung zu gehen und nicht nur die Bienen haben das Nachsehen[22]. "Politische Entscheidungen stehen oft im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, zum Beispiel zu Erkenntnissen über die Klimafolgen der Landwirtschaft, das Bienensterben oder die Grundwasserbelastung durch Nitrat; es ist ein komplexes Geflecht, aber es sind im Grunde nur einige wenige Akteure, die durch ihre Verflechtungen mit der Politik, insbesondere mit der CDU/CSU-Fraktion, in diesem Netzwerk agieren und Entscheidungen beeinflussen", sagt Guido Nischwitz, Autor der Studie vom Institut "Arbeit und Wirtschaft"  der Universität Bremen.  Der in 2017 amtierende Landwirtschaftsminister Christian Schmidt wurde 2017, nach dem Eklat um seine Glyphosat-Zustimmung, gefragt, ob er nun in den Aufsichtsrat von Monsanto wechseln wolle. Schmidt verneinte. Und sitzt jetzt im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn - dem größten Einzelverbraucher von Glyphosat [23].

Festzuhalten bleibt, dass die gesamten Verflechtungen und Vernetzungen, Netzwerkknoten (genannt "Filz") mit institutionellen und personellen Überschneidungen (u. a. Agrochemie, Verbände, Agrarwirtschaft, Finanzen...) einen maßgeblichen und unmittelbaren Einfluss auf gesellschaftspolitische Debatten, auf Informationsflüsse sowie auf politische Willensbildungs-und Entscheidungsprozesse ausüben. Das " Forum Moderne Landwirtschaft " und die " Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie" haben die Zielsetzung, Positionen abzustimmen und „diese in der Öffentlichkeit überzeugend zu vermitteln“[24]. Wahrheitsgehalt? Egal.

Die Landwirtschaft, so wie sie bis heute betrieben wird, zerstört die Umwelt. Die Unmengen an Gülle, die Schweine und Rinder produzieren, machen große Teile des Grundwassers ungenießbar; der Einsatz von Pestiziden führt auf den Äckern dazu, dass Unkräuter resistent werden; je mehr Tiere auf engem Raum zusammengepfercht sind, desto mehr Antibiotika sind notwendig; Insekten und Vögel, ganze Arten, sterben aus, weil sie auf den monotonen Anbauflächen kaum etwas zum Fressen finden. Jeder, der am Wochenende zu einer Landpartie aufbricht (vor Corona), kann das spüren: Auf den Wiesen summt's nicht mehr so wie früher[25].

Wer nicht Selbstversorger*in werden kann (Garten, Balkon), der kaufe möglichst regional. Wir brauchen keine Erdbeeren im Winter (in diesem Sommer wegen der Erntehelferproblematik in Verbindung mit dem neuen Virus auch nicht). Um Tomaten selber zu ziehen, ist kein tiefgrüner Daumen erforderlich: Tomaten, die in Südeuropa in Nährlösungen hängen, sind rote Wassersäcke aus Plastik, die nur aussehen wie Tomaten[26]. Ein Fake.

Die Bäuerin, der Bauer, die Verbraucher*innen, die sind zu keinem Zeitpunkt gemeint. Gemeint ist Agro-Industrie und Kapital. Es geht beim Ringen um Regeln für die Produktion von Fleisch, Milch, Obst oder Gemüse um ein Milliardengeschäft[27]. Ein Politiker erinnert sich, wie ihn nach einer kritischen Rede ein Agrarminister ansprach: "Wenn du irgendwann auch auf Linie bist, dann sorgen wir auch für dich." Funktionäre und Manager schieben sich innerhalb dieses engen Netzwerks ihre Posten gegenseitig zu. Wer für wen lobbyiert, ist häufig unklar[28] und kann auch hier nicht restlos aufgeklärt werden.

Wer sich aber die Seiten aller Fußnoten anschaut, kann danach eine Doktorarbeit schreiben, oder ihr bzw. ihm brummt nur noch der Schädel.

Quellen und weitere Infos:
[1] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/report-hegen-und-pflegen-1.3668000
[2] http://mariannefalck.de/wp-content/uploads/2014/01/Abha%CC%88ngige-Kontrolleure-Su%CC%88ddeutsche-Zeitung-271011.pdf
[3] https://orf.at/v2/stories/2407060/2407061/
[4] https://ec.europa.eu/food/safety/food_improvement_agents/additives/re-evaluation_en
[5] https://www.heise.de/tp/features/Total-verbandelt-3438645.html
[6] der MON810-Mais ist eine der gentechnisch veränderten Bt-Maissorten. "Bt" steht für das Bakterium Bacillus thuringiensis. Dem Bt-Mais wurde ein Gen dieses Bakteriums eingebaut, wodurch die Pflanze permanent ein Insektengift produziert. "MON" steht für Monsanto, den Entwickler und Patentinhaber der Maissorte. "810" ist die firmeninterne Produktbezeichnung - https://www.keine-gentechnik.de/dossiers/mais-mon810/
[7] http://www.projektwerkstatt.de/index.php?domain_id=1&p=20311
[8] Sehr zu empfehlen und auch an anderen Stellen zitiert: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/landwirtschaft/agrarreform/190429-studie-agrarlobby-iaw.pdf
[9] https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Was-bedeutet-Greening,agrarsubventionen114.html
[10] http://www.projektwerkstatt.de/media/text/gen_filz_brosch.pdf
[11] https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/neuer-bvl-praesident-cramer-legt-wert-auf-wissenschaftlichkeit-11929232.html
[12] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/julia-kloeckner-pflanzenschutz-1.4660633
[13] (nachzulesen bei http://www.projektwerkstatt.de/media/text/download_texte_cd_gentec_btdrucksacke17_10373filz.pdf)
[14] http://www.projektwerkstatt.de/media/text/gen_filz_brosch.pdf
[15] https://lobbypedia.de/wiki/Innoplanta
[16] ebda.
[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_K%C3%BChn-Institut) und noch eine am Genehmigungsverfahren zur Agro-Gentechnik beteiligte Institution
[18] der in Brüssel angesiedelte Zusammenschluss der beiden großen landwirtschaftlichen Dachorganisationen in der EU
[19] https://www.muw-nachrichten.de/bauernverbands-praesident-will-weiter-fuer-monsanto-arbeiten/
[20] https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Rukwied?veaction=edit&section=8#%C3%84mter_und_Funktionen
[21] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/report-hegen-und-pflegen-1.3668000
[22] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/julia-kloeckner-pflanzenschutz-1.4660633
[23] https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/21266-rtkl-landwirtschaft-studie-deckt-auf-so-funktioniert-die-agrarlobby
[24] NABU, a. a. O.
[25] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-was-gut-ist-fuer-die-bauern-ist-laengst-nicht-gut-fuer-deutschland-1.3564382
[26]  https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/essay-erst-kommt-die-moral-1.2850446
[27] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/report-hegen-und-pflegen-1.3668000
[28] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/report-hegen-und-pflegen-1.3668000

Bayer – das deutsche Traditionsunternehmen

Titel-Bayer4

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Von Agent Orange bis Zyklon B

Tradition?

Der Bayer Konzern, so ist es heute auf seiner Homepage zu lesen, ist ein Life-Science-Unternehmen (Neudeutsch für chemische und pharmazeutische Industrie) "mit einer über 150-jährigen Geschichte und Kernkompetenzen auf den Gebieten Gesundheit und Agrarwirtschaft". Selbstverständlich unterschlägt man dort, dass man, als man noch "IG Farben" hieß, für das nationalsozialistische Regime im Zweiten Weltkrieg zu den kriegswichtigen Betrieben gehörte. Die Kernkompetenzen bestanden aus der Produktion von  Stoffen wie verschiedene Gase, Öl- und Schmierstoffe sowie Kautschuk. Im Auftrag von Bayer, damals IG Farben, ließ man sich eine neue Fabrik von KZ-Häftlingen bauen. Von Anfang an hat Bayer bzw. IG Farben den Nationalsozialismus treu unterstützt und bis zum letzten Kriegstag wurden zur Stärkung der Kernkompetenzen in den Konzentrationslagern von Buchenwald und Auschwitz tödliche Experimente an Menschen durchgeführt;

1947 wurden der gesamte Vorstand und leitende Angestellte von IG Farben vor ein amerikanisches Militärgericht gestellt. Es erfolgten Verurteilungen zu Gefängnisstrafen wegen Kriegsverbrechen wie Plünderung,  Versklavung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation und ähnlichem. Tempi passati, Schnee von gestern, jetzt ist man ein Life Science Unternehmen und strotz auch sonst vor Anglizismen.

Allerdings stand der Wiederaufbau unter keinem guten demokratischen Stern: Nach dem Krieg änderte sich am Vorstand von Bayer auch nicht viel:

·         Kurt Hansen, schon seit 1931 (acht Jahre vor Kriegsbeginn) NSDAP-Mitglied und Mitorganisator der Eroberung von Europa in der Abteilung zur „Beschaffung von Rohstoffen“, war von 1961 bis 1974 Vorstandsvorsitzender von Bayer.

·         Friedrich Hermann ter Meer, früheres NSDAP-Mitglied, Vorstandsmitglied von IG Farben, Mitglied des Arbeits- und des technischen Ausschusses, Direktor von Sektion II, Bevollmächtigter des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion für Italien, militär-wirtschaftlicher Chefindustrieller, zuständig für Auschwitz, wurde wegen Kriegsverbrechen verurteilt, 1952 wegen guter Führung (sic!) vorzeitig aus der Haft entlassen und 1956 Aufsichtsratsmitglied von Bayer. Er selbst hatte ein recht langes Leben und starb im Alter von 83 Jahren, nur 3 Jahre nach dem er bei Bayer ausschied.

Monsanto war ein US-Konzern, der Biotechnologien zur Erzeugung gentechnisch veränderter Feldfrüchte (z. B. transgene Maissorten, Breitbandherbizide mit dem Wirkstoff "Glyphosat") einsetzte. Der glyphosathaltige Verkaufsschlager "Roundup" (nicht, vielleicht, wahrscheinlich, sicher krebserregend ‑ je nachdem wen man fragt und wer für welches Gutachten bezahlt hat -) wird von unaufgeklärten Schrebern gerne auch heute noch in Kleingärten eingesetzt. Monsanto wurde am 7. Juni 2018 durch Bayer übernommen.

Da haben sich zwei dem Wohl ihrer Aktionäre verpflichtete Multi-Konzerne gesucht und gefunden. Die Übernahme von Monsanto durch  Bayer ist eine echte win-win Situation: Liefere das Problem und ...die Medizin dagegen! Nun alles in einer Hand.

Allerdings hat Bayer die bessere Marketingabteilung und meint jetzt, "mit unseren innovativen Produkten tragen wir zur Lösung großer Herausforderungen unserer Zeit bei". Ganz verleugnen kann Bayer sich aber nicht: nach alter, eingeübter und undemokratischer Tradition ließ Bayer 2001 ein Schulbuch zensieren, das unter anderem den Schriftverkehr zwischen der IG- Farben und dem KZ Auschwitz dokumentierte, aus dem zu entnehmen war, dass  die Firma Bayer 150 weibliche Häftlinge für „170 RM je Stück“ anforderte und erhielt. In einem weiteren Schreiben hieß es dann: „Die Experimente (Anm.: es ging um Schlafmittel) sind durchgeführt worden, alle Personen sind gestorben. In Kürze werden wir uns mit Ihnen zwecks weiterer Lieferungen in Verbindung setzen.

Dabei durfte man hoffen: wenn man auf einer herkömmlichen Suchmaschine wie "bing.com" oder "ecosia.org" vor drei Jahren noch "Bayer und "Bienen" gesucht hat, wurden alle Bienengifte aus dem Hause Bayer aufgelistet. Jetzt hat Bayer die „Bienenwiese“ als Saatgut herausgebracht. Wenn man jetzt "Bayer und Bienen" sucht, findet man nur noch die Bienenwiese. Ihre für Bienen tödlichen Gifte verkauft der Konzern natürlich weiter und klagt bei Verboten durch alle europäischen Instanzen. Die Gifte von Bayer gelten mit als Hauptgründe für das Bienensterben in Europa. Die EU-Kommission habe keine Ahnung, so wird argumentiert, nicht das Gift Thiamethoxam sei für das Bienensterben verantwortlich, sondern „laut Experten" (selbsternannte Bienen"experten"?) Krankheiten, Viren, schwindender Lebensraum sowie mangelnde Nahrung.

Nicht vergessen dürfen wir, dass Bayer schon immer ganz groß in der Entwicklung von Giften war, die ganze Völker ausrotten sollten: Von Zyklon B (das in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum Massenmord eingesetzt wurde), über Heroin, bis Agent Orange (das zusammen mit Monsanto entwickelt wurde). Spätfolgen von "Agent Orange" sind Fehlbildungen, z. B. an Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Immunschwächen, Krebs. Viele vietnamesische Neugeborene kommen auch drei Generationen nach dem Einsatz von "Agent Orange" noch mit schweren Fehlbildungen zur Welt.

Bayer produziert bis heute eine Antibabypille, deren Thrombosen- und Embolie-Risiko mehr als doppelt so hoch ist als bei anderen Antibabypillen. Venenthrombosen werden durch Blutgerinnsel in den Gefäßen ausgelöst. Wandern sie in die Lunge oder in das Gehirn, kann es zu gefährlichen Lungenembolien und Schlaganfällen kommen. Diese Pille wird von der Marketingabteilung als Lifestyle-Produkt vermarktet, das eine tolle Haut und volles Haar verspricht. Es lässt sich  besonders gut an junge Frauen verkaufen. Kosmetiktäschchen mit Spiegel ist für Erstanwenderinnen inklusive.

Das sind alles Fakten, die Werner Baumann, der jetzige Vorstandsvorsitzende der  Bayer AG auch kennt. Ihm ist nicht zu widersprechen wenn er sagt, Bayer und Monsanto seien zwei Unternehmen die gut zueinander passen. Und es ist ihm zu gönnen, dass er mit dem vom Naturschutzbund Deutschland vergebenen Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" dafür ausgezeichnet wurde, dass die unter ihm eingeleitete Übernahme von Monsanto im Widerspruch zu einer gift- und gentechnikfreien Landwirtschaft stehe. Ganz klar ist, dass diese Fusion für uns nichts Gutes bedeutet. Schon ein toller Zufall: jetzt wo TTIP und CETA gescheitert sind, wird Monsanto zu einem europäischen Unternehmen.

Bayer war auch im US-Wahlkampf einer der großzügigeren Spender von Donald Trump, in guter Gesellschaft mit BASF, Allianz, Siemens und die Deutsche Bank. Durch Tricks natürlich, denn in den USA dürfen keine Wahlkämpfe durch Spenden weder von US-Unternehmen, noch von ausländischen Konzernen finanziert werden.

Das deutsche Traditionsunternehmen hat seine Tradition seit 1933 nicht wirklich geändert. Das Leben von Mensch und Tier interessiert nicht, es zählt nur der Profit. So viel, dass dafür sowohl Tiere als auch Menschen getötet werden bzw. deren Tod billigend in Kauf genommen wird. Nur aus geldgeiler Gier.

Darum kauf’ ich auch keine Produkte von Bayer mehr!

 

Quellen und weitere Infos:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG#Zeit_des_Nationalsozialismus
https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Stille-Spender-BASF-Siemens-Deutsche-Bank-Diese-deutschen-Konzerne-unterstuetzen-Donald-Trump-4994709
https://www.ardmediathek.de/tv/Kontrovers/Todkrank-durch-die-Pille/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14913688&documentId=32313906
http://www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_1998/SWB03_98/KZ-Arzt_Dr__Vetter/kz-arzt_dr__vetter.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Hansen
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_ter_Meer
http://www4ger.dr-rath-foundation.org/GESCHAEFT_MIT_DER_KRANKHEIT/geschichte_pharmaindustrtie.htm
http://www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_04_01/Menschenversuche/menschenversuche.html
http://thueringen-universal.de/geschichte/verbrecherische-menschenversuche-konzentrationslagern

Festtagsbraten bei uns für Hunger und Obdachlosigkeit in Brasilien

Titel

Festtagsbraten bei uns für Hunger und Obdachlosigkeit in Brasilien

von Christiane Lüst (Aktion GEN-Klage)

Liebe Mitstreiter, Landwirte, Konsumenten, europäische Staatsbürger;

Seit dem Rückflug von Professor Antonio Andrioli von unserer 3-wöchigen Rundreise, um in Europa auf die missliche Lage der Menschen in Brasilien nach dem Regierungsputsch aufmerksam zu machen, schickt er Bilder über Bilder, Filme über Filme ….

Ein neuer Hilferuf. Es brennt: Zwei Zwangsräumungen am 1.12. Eine Polizeibesetzung mit Räumung eines Zeltdorfes in St. Catharina und ein Abriss des kompletten Dorfes der seit über 20 Jahren angesiedelten Menschen in Parana, wo u. a. viele der Eltern von Studierenden auf Prof. Andriolis Universität leben, ihre Nahrung anbauen, auch richtige Häuser und eine Kirche gebaut haben:

Video 1 und Video 2

Antonio berichtete mir am Telefon, dass nach den Räumungen – es wurde alles abgeräumt - die Flächen komplett mit Glyphosat abgesprüht wurden – über 50 verschiedene Pflanzenarten wurden dadurch zerstört, u. a. die komplette vorhandene Nahrungsmittelproduktion dieser beiden Dörfer. Die Menschen sitzen nun obdachlos am Straßenrand oder in irgendwelchen Turnhallen …. und haben nichts mehr zu essen.

Auch von der Menschenrechtsorganisation FIAN kam heute bereits der zweite Brandbrief zu Brasilien:

„Wir haben Angst zu verdursten“, Pestizide im Trinkwasser, Erntereduzierung – In den letzten Jahren haben sich immer mehr Agrarfirmen angesiedelt, die das Land mit riesigen Sojaplantagen überziehen – auf Kosten der Bevölkerung. VertreterInnen der Gemeinden berichten von gewaltsamen Vertreibungen, Umweltschäden und versiegenden Wasserquellen, Zerstörung der Häuser der Kleinbauern… europäische Pensionskassen investieren in die Plantagen der Großgrundbesitzer

Jetzt ist es genug. Das Maß ist voll. Wie viele Menschen müssen noch vertrieben und zum Teil auch ermordet werden – für Sojaexporte nach Europa?
Wie vielen Menschen wird noch ihre komplette Nahrungsmittelproduktion zerstört für volle Teller und Billigschnitzel bei uns? In Brazil gibt es seit des Regierungsputsches wieder massives Ansteigen der Hungerrate – und auch die Sklavenarbeit auf den Feldern der Großgrundbesitzer wurde wieder eingeführt – die Verfassung einfach geändert.

Jetzt liegt es an uns … bitte …. Kauft keine Fleisch- und Milchprodukte mehr, die mit Soja aus Übersee produziert wurden! Jeder macht sich mitschuldig, dass andere Menschen verhungern müssen, damit wir billig Eier und Schnitzel bei Aldi & Co. kaufen können.

Stoppt die Menschenrechtsverletzungen in Südamerika und der dritten Welt für Billigprodukte in Europa!

Schickt diesen Aufruf weiter – schreibt an Politiker und EU-Parlamentarier – fordert einen sofortigen Stopp der Menschenrechtsverletzungen durch einen Sojaimportstopp nach Europa! Unsere Landwirte müssen mangels Arbeit und Nachfrage ihre Betriebe schließen – und könnten ihr Viehfutter leicht
selbst anbauen … sogar Soja …. Wenn ihr auf den Button klickt findet Ihr einen Vordruck dafür, den Ihr ausdrucken und abschicken oder auch per Mail an die Adressen, die rechts findet, schicken könnt (bitte am Ende Euren Namen und Eure Adresse ergänzen)

Auswärtiges Amt, Berlin poststelle@auswaertiges-amt.de
<mailto:poststelle@auswaertiges-amt.de> ; EU-Menschenrechtsausschuss
droi-secretariat@ep.europa.eu <mailto:droi-secretariat@ep.europa.eu> ;
EU-Ausschuss für internationalen Handel
inta-secretariat@ep.europa.eu <mailto:inta-secretariat@ep.europa.eu> ;
EU-Ausschuss für Landwirtschaft und Agrarpolitik
agri-secretariat@ep.europa.eu <mailto:agri-secretariat@ep.europa.eu> ;
EU-Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten
afet-secretariat@ep.europa.eu <mailto:afet-secretariat@ep.europa.eu> ;
Ausschuss für Menschenrechte im Deutschen Bundestag
menschenrechtsausschuss@bundestag.de ; Ausschuss für Landwirtschaft und
Ernährung im Dt. Bundestag el-ausschuss@bundestag.de
<mailto:el-ausschuss@bundestag.de> .

Wir bitten Euch – unternehmt etwas und unterstützt unsere Bemühungen für eine gerechtere und bessere Welt. Helfen wir Antonio Andrioli und den Kleinbauern, Landlosen und Indigenen in Brasilien in Frieden zu leben und ausreichend zum Leben zu haben. Starten wir jetzt aus aktuellem Anlaß sofort unsere Solidaritätskampagne für Antonio Andioli. Weitere werden folgen. Bitte schickt diese Mail über alle Euch zur Verfügung stehenden Ticker, setzt es auf Eure websites, sprecht die Leute an …

Ihre / Eure
Christiane Lüst (Aktion GEN-Klage)

Glyphosat- was soll das?

Titel

Glyphosat - was soll das?

Glyphosat 

ist das weltweit meist verkaufte Pflanzengift:  man bekommt es in jedem Baumarkt, es wird von Kleingärtnern und Hausmeistern benutzt, die Landwirtschaft setzt es industriell ein und so gelangt es in unsere Nahrungskette. Glyphosat ist überall. Es lässt sich nicht abwaschen und wird weder durch Erhitzen noch durch Einfrieren abgebaut. In Lebensmitteln halten sich Glyphosat-Rückstände etwa ein Jahr.

Glyphosat ist ein Totalherbizid, das alle, aber auch wirklich alle Pflanzen töten kann. In Deutschland werden bereits Jährlich 6000 Tonnen glyphosathaltige Mittel versprüht. Das sind 1200% mehr als 1996.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 2015 festgestellt, dass Glyphosat für Tiere krebserregend und für Menschen  „wahrscheinlich krebserregend“ ist. Die Studien der WHO waren an Eindeutigkeit nicht zu überbieten; alle entsprechenden Fachleute kamen einstimmig zu dem Ergebnis: Glyphosat ist für Menschen wahrscheinlich und für Tiere eindeutig krebserregend.

So kommt es auch bei den Landwirten hier in Deutschland zu immer mehr Erkrankungen, nicht nur, aber auch an Krebs: Neurodegenerative und neurologische Erkrankungen (einschließlich Parkinson), diverse chemische Empfindlichkeiten, Leukämie, Lymphome, Lungen-, Nieren-, Blasen-, Prostata-, Haut-, Hodenerkrankungen oder solche der Bauchspeicheldrüse etc. können Landwirte in Frankreich versuchen als Berufskrankheit anerkennen zu lassen.

Argentinien

In Südamerika ist die Lage noch erheblich dramatischer als in Deutschland. Dort werden glyphosathaltige Mittel mit Flugzeugen über ganze Landstriche versprüht.

Besonders betroffen ist Argentinien. Dort ist jeder Fünfte Einwohner an Krebs erkrankt - in Agrargebieten sogar jeder Dritte und in manchen Orten sogar jeder Zweite. Im Jahr 2014 sind 33,4% der Sterbefälle in Monte Maíz (Argentinien) auf Krebs zurückzuführen (hauptsächlich Brust-, Prostata-, Schilddrüsen-, Haut -, und Rückenmarkkrebs).

Studie als PDF

In den Orten in Argentinien, die von mit Glyphosat beförderten Monokulturen geprägt sind, sieht man zahlreiche behinderte und entstellte  Kinder  und auch entstellte Arbeiter*innen, die als Giftspritzer ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Der argentinische Fotograf Pablo Piovano hat das schreckliche Ausmaß mit seiner Kamera festgehalten. Mit phänomenalen Bildern dokumentiert er dieses Grauen und hat mit „The Human Cost“  einen beeindruckenden Kurzfilm erschaffen, der einen fassungslos zurücklässt

Der Film "The Human Cost". 

Auch der argentinische Arzt Medardo Avila Vazquez ist überzeugt davon, dass die Missbildungen auf Glyphosat zurückzuführen sind. Bernd Ludermann hat mit ihm gesprochen:

Das Interview

Baumwolle

Glyphosat wird nicht nur auf unsere Nahrung gespritzt, es findet auch bei Baumwolle überall auf der Welt Verwendung. Das führt dazu, dass nicht nur unsere Haut täglich durch unsere Kleidung mit dem giftigen Glyphosat in Berührung kommt, sondern auch direkt unsere Schleimhäute: fast alle Baumwollprodukte enthalten Glyphosatreste: Windeln, Tampons, Binden, Slipeinlagen etc. Es geht noch schlimmer: argentinische Forscher haben herausgefunden, dass auch vermeintlich sterile Wundverbände, Watte und anderes OP-Material mit Glyphosat belastet sind und das Gift so direkt in den Blutkreislauf gelangt.

Schwangerschaft

Glyphosat  überwindet während der Schwangerschaft die Plazenta-Schranke und wirkt gentoxisch. Das bedeutet, das Mittel beeinflusst die Fähigkeit der Zelle, ihre DNS zu kopieren und zu vervielfältigen. Dies führt (potenziell, aber vielfach auch tatsächlich) zu genetischen Mutationen und einem erhöhten Krebsrisiko. Brasilianische Forscher*innen haben festgestellt, dass Glyphosat außerdem neurotoxisch auf den Fötus wirkt: „… Die Studien belegen, dass die Aufnahme von Glyphosat mit oxidativen Schädigungen und Neurotoxizität in Verbindung zusammen gehören. Ziel dieser Studie war die Analyse, ob eine Belastung mit Roundup (ein Glyphosat-Herbizid) bei unausgebildeten Rattengehirnen zu einer Neurotoxizität im Hippocampus führt. Diese Analyse wurde bei einer akuten Belastung (30 Min.) und einer chronischen Pestizidbelastung (während der Schwangerschaft und Stillzeit) durchgeführt. …“

Studien Ergebnisse

Verlängerung von Glyphosat

Am 19.07.17 sprach sich die EU- Kommission für eine Zulassungsverlängerung von Glyphosat für 10 Jahre aus. Etwas mulmig war der Kommission dabei schon: sie mochte die Entscheidung nicht alleine tragen und verlangt jetzt von den Mitgliedsstaaten eine qualifizierte Mehrheit, um Glyphosat für weitere 10 Jahre zuzulassen. Die Abstimmung ist für September oder Oktober 2017 vorgesehen. Deutschland hatte sich bisher enthalten (Kanzlerin Merkel und Agrarminister Schmidt sind dafür ‑ Zum Wohle des Volkes?-, Umweltministerin Hendricks ist dagegen).

Die Studien, die von Monsanto erstellt oder in Auftrag gegeben wurden, die nicht oder nicht im Detail veröffentlich wurden, sind die einzigen, die Glyphosat als harmlos einstufen. Alle unabhängigen Studien belegen die Schädlichkeit von Glyphosat. Doch die EU-Behörden setzten sich, im Wiederspruch zu ihren eigenen Richtlinien, darüber (man kann nur sagen: schamlos) hinweg.

Mehr als 1,3 Millionen Bürger*innen haben die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat unterschrieben; das scheint nicht zu interessieren. Die EU- Kommission setzt sich über Bürgerwillen hinweg und liebesdienert einmal wieder mit Konzern-und Lobby-Interessen.

Kommt uns nicht ganz unbekannt vor.

Zum Weiterlesen:

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-07/glyphosat-krebs-herbizid-landwirtschaft
http://www.pan-germany.org/deu/~news-1183.html
https://www.phyto-victimes.fr
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/news/pestizide-in-der-landwirtschaft-frankreich-billigt-parkinson-als-berufskrankheit_aid_751332.html
http://www.taz.de/!5011027/
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glyphosat-in-der-erde-im-menschen-1.3000362#redirectedFromLandingpage
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/26/krebserregendes-monsanto-gift-in-op-material-nachgewiesen/
http://www.taz.de/!5251145/
http://www.umweltinstitut.org/fileadmin/Mediapool/Downloads/01_Themen/05_Landwirtschaft/Pestizide/Glyphosat/Glyphosat_und_Krebs-Report_2017.pdf
Bildband von Pablo E. Piovano: "The Human Cost of Agrotoxins. El Costo Humano de los Agrotóxicos."
https://www.machbar-ev.de/bayer2018/

 

Glyphosat Verbot EBI

Europäische Bürgerinitiative für ein Glyphosat-Verbot.

Über 1 Millionen Menschen aus ganz Europa haben die Europäische Bürgerinitiative für ein Glyphosat Verbot unterzeichnet.

Alleine in Deutschland haben über 483211 Menschen unterzeichnet um die Europäische Kommission dazu aufzufordern glyphosathaltige Mittel zu verbieten.

Gleichzeitig will die EU-Kommission, trotz des Widerstandes in der Bevölkerung, Glyphosat weitere 10 Jahre zulassen. Der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat die Neuzulassung des vermutlich krebserregenden Mittels verteidigt. Kein Wunder, der 65 Jährige ist auch ein Verfechter der sogenannten Grünen Gentechnik.

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/eu-gesundheitskommissar-andriukaitis-die-gruene-gentechnik-ist-der-richtige-weg/19283860-3.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/glyphosat-eu-kommissar-verteidigt-geplante-neuzulassung-a-1152085.html

 

Blackrock – der schwarze Fels

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Blackrock - der schwarze Fels

Diese Firma kontrolliert einen Großteil der Märkte und doch kennt fast keiner ihren Namen.

Agrar-Industrie:

Bei dem Deal zwischen Monsanto und Bayer könnte man sagen Blackrock verhandelt mit Blackrock. Auf jeden Fall verhandeln die gleichen Leute miteinander. Denn Blackrock ist die treibende Kraft hinter dem Deal von Bayer und Monsanto. Blackrock, Vanguard und die Capital Group sind schon seit langem größte Anteilseigner beider Firmen. Mitten in den Übernahmeverhandlungen zwischen Bayer und Monsanto hat Blackrock seine Bayer-Anteile von etwas über 6% auf 7% erhöht. Blackrock ist damit der größte Einzelaktionär bei Bayer und mit 5,75 Prozent der zweitgrößte Aktionär bei Monsanto.

Mit einem Anteil von 7% ist Blackrock auch bei BASF mit Abstand der Größte Anteilseigner und mit Anteilen von 6,2 % bei DuPont und 6,0% bei Dow Chemical in diesen Chemiekonzernen ähnlich stark vertreten.

So deckt Blackrock fast den ganzen Chemiesektor ab.

Doch Blackrock mischt auch in anderen Sparten mit. Mit 8,9% gehört ihnen der Größte Anteil des Pharmakonzerns Merk. Bei den Fernsehsendern Pro7/ Sat1 sind sie mit 8,3% die größten Anteilseigner.

Zusammengefasst kontrolliert Blackrock also zum größten Teil die Chemie/Agroindusrie, die Pharmaindustrie und auch einen Teil der Medien

In der Banken und Mobilindustrie sind sie allerdings ebenfalls stark vertreten.

Blackrock ist eine Macht die außerhalb der Finanzszene kaum bekannt ist. Es scheint als sei dies vom Vorstandsvorsitzenden auch so gewollt, denn sonst müsste er sich vermutlich sehr unangenehmen Fragen stellen…

Qullen und weitere Informationen:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/blackrock-der-maechtigste-investor-13114399.html
http://www.zeit.de/2015/33/blackrock-larry-fink-finanzkonzern-banken-krisehttp://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/bayer-grossaktionaer-blackrock-kauft-bei-bayer-zu-a-1103692.html#ref=rss
https://de.wikipedia.org/wiki/BlackRock#Beteiligungen
http://boerse.ard.de/aktien/blackrock-der-heimliche-herrscher-im-dax100~print.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/monsanto-und-bayer-bei-bayer-und-monsanto-reden-auf-beiden-seiten-dieselben-investoren-mit-1.3170377-2
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/vermoegensverwalter-blackrock-der-schwarze-riese-12057048.html

Monsanto

 Monsanto

Monsanto steht für Umweltskandale

Monsanto steht für Umweltskandale: Aspartam, Agent Orange, PCB und Dioxin (um nur einige zu nennen). Monsanto ist der größte Hersteller und Patenthalter für genmanipuliertes Saatgut und die dazu benötigte AgroChemie.

Entsprechend der Devise: “Kontrolliere die Nahrung und du kontrollierst die Menschen” ist dieser Konzern drauf und dran die weltweite Nahrungsmittelkette vom Saatgut bis zum Steak zu kontrollieren. Weiter Informationen findest Du in dem Monsanto PDF.