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Glyphosat - was soll das?

Glyphosat 

ist das weltweit meist verkaufte Pflanzengift:  man bekommt es in jedem Baumarkt, es wird von Kleingärtnern und Hausmeistern benutzt, die Landwirtschaft setzt es industriell ein und so gelangt es in unsere Nahrungskette. Glyphosat ist überall. Es lässt sich nicht abwaschen und wird weder durch Erhitzen noch durch Einfrieren abgebaut. In Lebensmitteln halten sich Glyphosat-Rückstände etwa ein Jahr.

Glyphosat ist ein Totalherbizid, das alle, aber auch wirklich alle Pflanzen töten kann. In Deutschland werden bereits Jährlich 6000 Tonnen glyphosathaltige Mittel versprüht. Das sind 1200% mehr als 1996.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 2015 festgestellt, dass Glyphosat für Tiere krebserregend und für Menschen  „wahrscheinlich krebserregend“ ist. Die Studien der WHO waren an Eindeutigkeit nicht zu überbieten; alle entsprechenden Fachleute kamen einstimmig zu dem Ergebnis: Glyphosat ist für Menschen wahrscheinlich und für Tiere eindeutig krebserregend.

So kommt es auch bei den Landwirten hier in Deutschland zu immer mehr Erkrankungen, nicht nur, aber auch an Krebs: Neurodegenerative und neurologische Erkrankungen (einschließlich Parkinson), diverse chemische Empfindlichkeiten, Leukämie, Lymphome, Lungen-, Nieren-, Blasen-, Prostata-, Haut-, Hodenerkrankungen oder solche der Bauchspeicheldrüse etc. können Landwirte in Frankreich versuchen als Berufskrankheit anerkennen zu lassen.

Argentinien

In Südamerika ist die Lage noch erheblich dramatischer als in Deutschland. Dort werden glyphosathaltige Mittel mit Flugzeugen über ganze Landstriche versprüht.

Besonders betroffen ist Argentinien. Dort ist jeder Fünfte Einwohner an Krebs erkrankt - in Agrargebieten sogar jeder Dritte und in manchen Orten sogar jeder Zweite. Im Jahr 2014 sind 33,4% der Sterbefälle in Monte Maíz (Argentinien) auf Krebs zurückzuführen (hauptsächlich Brust-, Prostata-, Schilddrüsen-, Haut -, und Rückenmarkkrebs).

Studie als PDF

In den Orten in Argentinien, die von mit Glyphosat beförderten Monokulturen geprägt sind, sieht man zahlreiche behinderte und entstellte  Kinder  und auch entstellte Arbeiter*innen, die als Giftspritzer ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Der argentinische Fotograf Pablo Piovano hat das schreckliche Ausmaß mit seiner Kamera festgehalten. Mit phänomenalen Bildern dokumentiert er dieses Grauen und hat mit „The Human Cost“  einen beeindruckenden Kurzfilm erschaffen, der einen fassungslos zurücklässt

Der Film "The Human Cost". 

Auch der argentinische Arzt Medardo Avila Vazquez ist überzeugt davon, dass die Missbildungen auf Glyphosat zurückzuführen sind. Bernd Ludermann hat mit ihm gesprochen:

Das Interview

Baumwolle

Glyphosat wird nicht nur auf unsere Nahrung gespritzt, es findet auch bei Baumwolle überall auf der Welt Verwendung. Das führt dazu, dass nicht nur unsere Haut täglich durch unsere Kleidung mit dem giftigen Glyphosat in Berührung kommt, sondern auch direkt unsere Schleimhäute: fast alle Baumwollprodukte enthalten Glyphosatreste: Windeln, Tampons, Binden, Slipeinlagen etc. Es geht noch schlimmer: argentinische Forscher haben herausgefunden, dass auch vermeintlich sterile Wundverbände, Watte und anderes OP-Material mit Glyphosat belastet sind und das Gift so direkt in den Blutkreislauf gelangt.

Schwangerschaft

Glyphosat  überwindet während der Schwangerschaft die Plazenta-Schranke und wirkt gentoxisch. Das bedeutet, das Mittel beeinflusst die Fähigkeit der Zelle, ihre DNS zu kopieren und zu vervielfältigen. Dies führt (potenziell, aber vielfach auch tatsächlich) zu genetischen Mutationen und einem erhöhten Krebsrisiko. Brasilianische Forscher*innen haben festgestellt, dass Glyphosat außerdem neurotoxisch auf den Fötus wirkt: „… Die Studien belegen, dass die Aufnahme von Glyphosat mit oxidativen Schädigungen und Neurotoxizität in Verbindung zusammen gehören. Ziel dieser Studie war die Analyse, ob eine Belastung mit Roundup (ein Glyphosat-Herbizid) bei unausgebildeten Rattengehirnen zu einer Neurotoxizität im Hippocampus führt. Diese Analyse wurde bei einer akuten Belastung (30 Min.) und einer chronischen Pestizidbelastung (während der Schwangerschaft und Stillzeit) durchgeführt. …“

Studien Ergebnisse

Verlängerung von Glyphosat

Am 19.07.17 sprach sich die EU- Kommission für eine Zulassungsverlängerung von Glyphosat für 10 Jahre aus. Etwas mulmig war der Kommission dabei schon: sie mochte die Entscheidung nicht alleine tragen und verlangt jetzt von den Mitgliedsstaaten eine qualifizierte Mehrheit, um Glyphosat für weitere 10 Jahre zuzulassen. Die Abstimmung ist für September oder Oktober 2017 vorgesehen. Deutschland hatte sich bisher enthalten (Kanzlerin Merkel und Agrarminister Schmidt sind dafür ‑ Zum Wohle des Volkes?-, Umweltministerin Hendricks ist dagegen).

Die Studien, die von Monsanto erstellt oder in Auftrag gegeben wurden, die nicht oder nicht im Detail veröffentlich wurden, sind die einzigen, die Glyphosat als harmlos einstufen. Alle unabhängigen Studien belegen die Schädlichkeit von Glyphosat. Doch die EU-Behörden setzten sich, im Wiederspruch zu ihren eigenen Richtlinien, darüber (man kann nur sagen: schamlos) hinweg.

Mehr als 1,3 Millionen Bürger*innen haben die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat unterschrieben; das scheint nicht zu interessieren. Die EU- Kommission setzt sich über Bürgerwillen hinweg und liebesdienert einmal wieder mit Konzern-und Lobby-Interessen.

Kommt uns nicht ganz unbekannt vor.

Zum Weiterlesen:

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-07/glyphosat-krebs-herbizid-landwirtschaft
http://www.pan-germany.org/deu/~news-1183.html
https://www.phyto-victimes.fr
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/news/pestizide-in-der-landwirtschaft-frankreich-billigt-parkinson-als-berufskrankheit_aid_751332.html
http://www.taz.de/!5011027/
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glyphosat-in-der-erde-im-menschen-1.3000362#redirectedFromLandingpage
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/26/krebserregendes-monsanto-gift-in-op-material-nachgewiesen/
http://www.taz.de/!5251145/
http://www.umweltinstitut.org/fileadmin/Mediapool/Downloads/01_Themen/05_Landwirtschaft/Pestizide/Glyphosat/Glyphosat_und_Krebs-Report_2017.pdf
Bildband von Pablo E. Piovano: "The Human Cost of Agrotoxins. El Costo Humano de los Agrotóxicos."