Regenwald-Titel

Trinkt Leitungswasser statt Wasser in Flaschen zu kaufen.

Tipp2 von 10

Alle 10 Tipp´s

Flaschenwasser kann als einer der besten Marketingtricks bezeichnet werden. Kurz: Mineralstoffe im Mineralwasser sind ein Mythos. Es gibt wenige Produkte, deren Gewinnspanne so enorm ist wie die von Mineralwasser; was beinahe kostenlos aus der Erde kommt, erzielt später im Supermarkt einen hohen Verkaufspreis (in Ländern, in denen es an Wasser mangelt, sitzen Gegenden auf dem Trockenen, nachdem Firmen die Nutzungsrechte an lokalen Wasservorkommen erworben haben und die Quellen leersaugen. Große Konzerne wie etwa Nestlé kaufen das Leitungswasser günstig auf und verkaufen es teuer an die Kunden weiter). Auch hinter der Bezeichnung „Tafelwasser“ verbirgt sich ein extrem überteuertes, mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser. Aus Grundwasser wurde ein Lifestyleprodukt. Außerdem erzeugt Wasser aus der Flasche bis zu 30 kg CO2 pro Jahr und Kopf von der Produktion bis zum Transport. Dagegen kann man etwas tun.

Die Alternativen und ihre Auswirkungen: 

Die PET-Flaschen: Weltweit werden ca. 89 Milliarden Liter Wasser jährlich in Plastikflaschen abgefüllt. 80 Prozent dieser Flaschen werden nicht recycelt. Dem Plastik werden "Weichmacher", also hormonähnliche Stoffe hinzugefügt; dabei hat jeder Hersteller sein eigenes Rezept, das geheim ist. Forscher*innen müssen also mehrere Nadeln im Heuhaufen finden, ohne zu wissen, wie die Nadeln überhaupt aussehen. Derzeit kann niemand sicher sagen, wie die Plastikflaschen produziert werden und welche Substanzen enthalten sind. Besonders ein Stoff unter den Weichmachern steht dabei im Verdacht, schädlich für die Gesundheit zu sein: Bisphenol A (BPA, das beispielsweise auch bei der Innenbeschichtung von Getränke- und Konservendosen, in Thermopapieren, Wasserkochern, Plastikgeschirr und in Spielzeug vorkommt). Nix genaues weiß man nicht, aber es wird von Forscher*innen vermutet, dass BPA sich negativ auf die Fruchtbarkeit von ungeborenen Babys und Kleinkindern auswirken könnte, dass es zu Herzschädigungen, Diabetes, einer verzögerten Gehirnentwicklung, zu Vergrößerungen der Prostata, zu einem gehäuften Auftreten von Diabetes, zu Fettstoffwechselstörungen und zu Veränderungen der Spermienqualität bis hin zur Unfruchtbarkeit kommen könnte.

Jedenfalls, wie könnte es anders sein, geht die Lebensmittelindustrie davon aus, dass BPA vollkommen ungefährlich ist. Der BUND (unter anderen) warnt schon seit Jahren vor BPA.

Sogar die Europäische Union musste sich den zahlreichen Studien beugen und hat sich immerhin zu einem Verbot in Baby-Trinkflaschen durchgerungen. Nebenbei: in den Kassenbons, mit denen z. B. diese Trinkflaschen abgerechnet werden, ist nach wie vor BPA vorhanden.

Die Glasflaschen

In dem Wasser aus Glasflaschen wurde nur die Hälfte des östrogenartigen Stoffes im Vergleich zu PET-Flaschen nachgewiesen. Aber die Quellen, aus denen das Mineralwasser stammt, sind nicht ausreichend geschützt: Tester fanden in sechs stillen Mineralwässer so viele Keime, dass sie für Menschen mit schwachem Immunsystem riskant sein können. In fünf der 30 untersuchten Mineralwässer konnten chemische Rückstände nachgewiesen werden: oberirdische Verunreinigungen von Pflanzenschutzmitteln, einem Süßstoff und einem Abbauprodukt, das entweder vom umstrittenen Pestizid Glyphosat oder aus Wasch- und Reinigungsmitteln stammt.

Das Leitungswasser

Wasserwerke, alle Wasserversorger müssen ihr Wasser regelmäßig untersuchen. Im Hinblick auf Keime gilt das für große Betriebe mehrmals täglich. Somit ist Leitungswasser das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Es hat oft mehr Mineralstoffe und weniger ungesunde Rückstände als gekauftes Mineralwasser in Flaschen. Zu 100 Prozent rein ist weder Flaschen- noch Leitungswasser, aber Leitungswasser wird strenger kontrolliert. Es gelten deutlich mehr Vorschriften als für Mineralwasser, z. B. bezogen auf Grenzwerte für Pestizide und Uran. Prinzipiell kann man fast überall in Deutschland Leitungswasser bedenkenlos trinken, jedenfalls heute (was nicht gilt, wenn Bleirohre verbaut sind; sie sind heute zwar selten, in Altbauten aber gelegentlich noch vorhanden). Wer Leitungswasser trinkt, spart auch richtig Geld. Das teuerste abgefüllte Mineralwasser im Test der Stiftung Warentest kostete 70 Cent pro Liter – ein Liter Leitungswasser kostet weniger als einen halben Cent.

Aber Leitungswasser ist stilles Wasser. Und zu ca. 80 % trinkt man in Deutschland Mineralwasser mit CO2, also Sprudel (Tendenz geht aber abwärts). Ein Wassersprudler spart ebenfalls Geld und erspart einem das Kistenschleppen. Und er entlastet die Umwelt, wenn man darauf achtet, dass die CO2-Patronen im Laden umgetauscht und dass sie nicht im Ausland recycelt werden. Natürlich sollte man unter den Sprudler Glaskaraffen und nicht PET-Flaschen stellen.

Zwar sind die Gaskartuschen, mit denen der Sprudler arbeitet, mit Kohlenstoffdioxid (CO2) gefüllt, das zwar ein natürlicher Bestandteil der Luft ist, aber auch ein Treibhausgas in der Erdatmosphäre. CO2 ist ein natürliches Nebenprodukt der Zellatmung vieler Lebewesen und entsteht zudem bei der Verbrennung von Holz, Kohle, Öl und Gas. Auch durch Vulkangase wird Kohlenstoffdioxid frei. Frisch aufgesprudeltes Trinkwasser verursacht jedoch rund 80% weniger Treibhausgase als gekauftes Wasser in PET-Flaschen.

Alles spricht dafür: trinkt Leitungswasser, mit oder ohne Sprudler! Was in Deutschland aus der Leitung kommt, ist rein und gesund.