Regenwald-Titel

Kauft keine Produkte die Palmöl enthalten

Tipp 3 von 10

Alle 10 Tipp´s

Ölpalmen verdrängen den Regenwald  (und damit auch die Menschenaffen)

Ursprünglich als Zierpflanze aus Afrika eingeführt, hat sich die Palme für Indonesien und Malaysia zu einem Goldesel entwickelt. Palmöl ist ein Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen wird.

Die Weltproduktion von Palmöl betrug in 2001 24,8 Mio. Tonnen, 2014 57,3 Mio. Tonnen, im Jahr 2015 waren es 60 Mio. Tonnen. Die wichtigsten Anbauländer für Ölpalmen sind Indonesien und Malaysia mit zusammen 85,4 % der Weltproduktion. Die Anbauflächen dort haben sich seit 1990 versechsfacht, Tendenz steigend. Noch vor 40 Jahren war Indonesien fast vollständig mit Regenwald bedeckt. Heute ist die Hälfte dieser Waldflächen gerodet und damit ein wichtiger CO2-Speicher zerstört und wertvolle Lebensräume verloren. Laut World Wide Fund For Nature (WWF) plant Indonesien, die Plantagen bis 2025 auf 20 Mio. Hektar auszudehnen – die Hälfte davon auf Borneo. Der Orang-Utan verliert seinen Lebensraum und das nur, weil wir Palmöl im Brotaufstrich, in der Schokolade, im Waschmittel und in der Zahnpasta haben. Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Produkt, das in deutschen Supermärkten zu finden ist, auch in Pizzateig, in Schokoriegeln in Keksen, Babynahrung und in vielen Fertiggerichten. Zum Beispiel sorgt Palmöl in Tütensuppen dafür, dass kein Pulver am Beutel klebt. Der italienische Hersteller Ferrero bestätigt, dass Palmöl die zweitwichtigste Zutat in der braunen Paste ist – nach Zucker.

Auf Sumatra konzentriert sich diese Industrie auf die ausgedehnten Torflandschaften im Unterland des Leuser-Ökosystems. Genau dort, wo die Menschenaffen leben. Torf­landschaften sind ebenfalls wichtige Speicher von Kohlendioxid. Ihre Zerstörung hat nicht nur für die unmittelbar betroffene Tier- und Pflanzenwelt fatale Folgen, sondern auch für das Weltklima. „Tropische Torflandschaften in Indonesien und Malaysia speichern etwa 70 Gigatonnen Kohlenstoff“, schreibt die Rainforest Foundation Norway. „Wenn all diese freigegeben würden, entspricht das etwa sieben Jahren globaler CO2-Emissionen.“

Ein weiteres Problem sei die Entwässerung des Bodens – notwendig, damit die Palmen rasch wachsen und schnell Gewinn bringen. Ein Baum benötigt pro Tag 15 Liter Wasser Hier ist wieder die arme Bevölkerung betroffen: der  Grundwasserspiegel sinkt, viele Dörfer müssen heute aus dem Tanklaster mit Wasser versorgt werden. Durch diese Austrocknung erhöht sich die Gefahr von Feuersbrünsten. Geraten Tausende Quadratkilometer Fläche in Brand, wird Rauchverschmutzung zur länderübergreifenden Katastrophe. Im Jahr 2015 lagen Teile Malaysias, Indonesiens und Singapurs wochenlang unter einer Rauchdecke. Die Rodungsfeuer sollen den Tod von mehr als 100.000 Menschen verursacht haben. Spektrum" schreibt 2014: „Allein aus dem Absetzbecken einer typischen südostasiatischen Palmölplantage entweichen demnach pro Jahr über 3000 Tonnen Methan – das entspricht den Kohlendioxidemissionen von mehr als 22.000 Autos in den USA im gleichen Zeitraum. Der gesamte Methanausstoß der indonesischen Produzenten erhöht die Treibhausgasemissionen des Landes um ein Drittel"

Die Palmölindustrie, die darauf hinweist, dass vor allem Kleinbauern von dem Anbau profitierten, redet Unsinn. Die meisten Plantagen gehören wohlhabenden Unternehmern in den Großstädten. Diese verkaufen ihre Produkte an Firmen, die ganz oder teilweise von einigen der reichsten Familien im Land kontrolliert werden. Nach Informationen der US-Wirtschaftszeitung Forbes hatten die 40 wohlhabendsten Indonesier 2012 ein Gesamtvermögen von 88,6 Milliarden USDollar, 74,5 Milliarden Euro. Neun dieser Ultrareichen häuften ihren Wohlstand zumindest teilweise mit der Herstellung von Palmöl an.

Der im Jahr 2003 auf Initiative des WWF gegründete "Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl" (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) versucht als zentrale Organisation nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so die Umweltschädigung zu begrenzen. Der RSOP verabschiedet aber immer nur Minimalkonsense; Mitglieder des runden Tisches sind neben Umweltschutzverbänden und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor allem Firmen und Institutionen aus der Produktion des Palmöls, darunter Plantagenbetreiber, Händler und industrielle Abnehmer von Palmöl, aber auch Investoren und Banken:  394 Vertreter der Palmölindustrie gegenüber 22 Vertretern aus Umwelt und Soziales. Ein aussichtsloses Geschäft. Seit Juni 2011 können Lebensmittelhersteller und Handel ein Siegel beim RSPO beantragen. Dieses Siegel soll jedoch weder die Regenwaldrodung ausschließen noch den Klimaschutz in irgendeiner Weise berücksichtigen. Doch sogar die recht laschen Regeln des Siegels werden nicht immer befolgt; ein Etikettenschwindel, der nur wenige kümmert.

Wie meist, gehen auch schwere Menschenrechtsverletzungen mit der Produktion, hier von Palmöl, einher: Arbeiter*innen sollen mit falschen Versprechungen angelockt und zu Zwangsarbeit gezwungen worden sein und Tausende von Kindern sollen auf Palmölplantagen Fronarbeit leisten. Die indigene Bevölkerung wird teilweise von den RSPO-zertifizierten Firmen mit Gewalt vertrieben; Menschenrechtsverstöße werden kaum geahndet. Auch wird in vielen Palmölplantagen das Herbizid Paraquat eingesetzt, das jährlich zu tausenden Vergiftungsfällen bei Plantagenarbeiter*innen und Kleinbauer*innen führt. Paraquat ist in der Europäischen Union, der Schweiz und einigen anderen Ländern aus gesundheitlichen Gründen verboten.

Und Nestlé ist auch wieder dabei: In vielen Lebensmitteln Nestlés stecken Rohstoffe aus Branchen, in denen sklavenähnliche Arbeitsbedingungen häufig vorkommen und immer wieder nachgewiesen werden. Dazu gehören Palmöl (Jahresverbrauch von Nestlé 450.000 Tonnen). Dabei verdient Nestlé zwar weltweit Milliarden mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser, doch Verantwortung für die Menschen, die diese Produkte für den Konzern produzieren, wollen die Schweizer nicht übernehmen.

Das Ernten der etwa 50 Kilo schweren Fruchtbüschel ist Knochenarbeit. Bezahlt wird oft nicht nach Stunden, sondern nach Quoten. Bis zu 1.500 Kilo am Tag müssen die schlecht bezahlten Arbeiter schleppen. Menschenrechtsorganisationen berichten von schweren Vergiftungen durch Pestizide. Auch die weitere Verarbeitung in der Ölmühle ist oft umweltschädlich, da Abwässer und Abfälle meist ungeklärt nach draußen gelangen.

Manchmal ist es wie im Kindergarten (oder bei der Mafia?): "Wir kaufen eure Flugzeuge nur, wenn sie unser Palmöl tanken können", so die Forderung von Indonesien an die EU und die USA. Der Treibstoff heißt Bioavtur. Indonesiens Handelsminister Enggartiasto Lukita verlangte, dass die USA und die EU die Produktion von Flugbenzin aus Palmöl erlauben; das sei eine Bedingung für den Kauf von Flugzeugen der Hersteller Boeing oder Airbus. Auch drohte Indonesien, Fisch aus Norwegen zu boykottieren, falls die EU weniger Palmöl importiert – blöd nur, dass Norwegen nicht in der EU ist.

Last but not least steht Palmöl im Verdacht, an der Entstehung von Krankheiten beteiligt zu sein (z. B. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßverkalkung und Diabetes).

Dennoch gibt es  nicht viele umwelt-schonendere Alternativen zu Palmöl. Um die gleiche Menge Pflanzenöl (zum Beispiel aus Raps oder Sonnenblumen) zu erzeugen, würden deutlich größere Anbauflächen benötigt. Auch die Verlagerung auf Sojaöl, das zweitwichtigste Pflanzenöl weltweit, würde die schon bestehenden Probleme in Anbauländern wie Brasilien und Argentinien noch verschärfen.

Auch Bio-Palmöl soll in Anbau und Herstellung nicht unbedingt nachhaltiger sein, bis auf einen kleinen Teil, der in afrikanischen Kooperativen angebaut wird. In Kolumbien (mit nur 1,9 % Anteil an der weltweiten Palmölproduktion) geht die Entwicklung in eine andere Richtung: Die Produktion steigt zwar ebenfalls, doch geschieht das hier auch nachhaltig. Für die Plantagen des Familienunternehmens Daabon wird nicht gerodet, die Ernte erfolgt ohne Maschinen, die Pflanzen düngen sich sogar quasi selbstständig. Und auch die Pflanzenabfälle werden umweltfreundlich verwertet. Geht doch!

Der Anbau von Ölpflanzen muss umwelt- und sozialverträglicher gestaltet werden. Die Uni Hohenheim forscht daran, eine umweltfreundliche Öl-Alternative für Lebensmittel zu finden. Dafür bietet sich die südamerikanische Palme Acrocomia an. Sie wächst nicht nur entlang des Äquators, sondern auch in trockeneren Gebieten. Ihrem Anbau müsste also kein Regenwald zum Opfer fallen. Acrocomia-Öl scheint gesünder zu sein als Palmöl.  Aber es ist nicht so haltbar und schmeckt nicht ganz so neutral. Zudem kann die Acrocomia-Palme in Sachen Ertrag noch nicht mit der Ölpalme mithalten. Doch das lässt sich möglicherweise durch gezieltes Züchten irgendwann verbessern.

Bis es so weit ist, können wir als Konsument*innen etwas tun: gezielt palmölfreie Produkte kaufen oder, wenn es nicht geht (z. B. bei vielen Fertiggerichten, Eiscreme, Schokolade, Süß- und Knabberwaren), verzichten!