Regenwald-Titel

Tankt keinen Biosprit.

Tipp 4 von 10

Alle 10 Tipp´s

Das Präfix "Bio" verweist nicht zwangsläufig auf eine Herkunft aus ökologischer Landwirtschaft, sondern auf den pflanzlichen (nämlich biologischen) Ursprung. Die Pflanzen können so mit Pestiziden belastet sein, wie sie wollen, bio ist bio. "Bio" ist aber nicht zwangs-weise "Öko". Der energietechnische Biomasse-Begriff (eine Form des Biokraftstoffes) umfasst ausschließlich (auch tierische und) pflanzliche Erzeugnisse, die zur Gewinnung von Heiz- und elektrischer Energie und als Kraftstoffe verwendet werden können. Das ist etwas anderes als das, was wir unter der ökologischen Bezeichnung "Bio" verstehen.

Für die Herstellung von Biosprit wird herkömmlicher Treibstoff aus Erdöl mit Treibstoff aus pflanzlichen Rohstoffen gemischt. Für Diesel und Benzin kommen unterschiedliche Pflanzen in Frage: Raps, Ölpalmen, Soja und Sonnenblumen sind die wichtigsten Pflanzen für Biodiesel; Gerste, Mais, Weizen, Zuckerrübe und Zuckerrohr sind der Grundstoff für Biobenzin wie E10.

Wie eingangs  in der Doku "Wir tanken Regenwald – Die Lüge vom Öko-Diesel" zu sehen und zu hören ist, wurde von Seiten der Regierung ursprünglich angenommen, dass fossile Rohstoffe (z. B. Palmöl, Rapsöl) das Klima weniger belasten; in der Folge wurden Biokraftstoffe und Beimischungen staatlich unterstützt. Die Warnungen von Wissenschaftler*innen wurden ignoriert, wie das immer so ist. Ein geradezu kometenhafter Aufstieg des Palmöls als „Biotreibstoff“ begann. Dabei verdient kaum ein Produkt das Label „Bio“ (im Sinne von öko) so wenig. Eine Studie der Rainforest Foundation Norway (RFN) kommt zu dem Schluss, Treibstoffe aus Palmöl seien wegen des zerstörerischen Herstellungsprozesses „schädlicher als fossile Brennstoffe“.

 

Mit einem offenen Schreiben an die EU und die indonesische Regierung hat Kaliptra Andalas, eine Umweltorganisation in der Provinz Riau auf Sumatra, Ende Mai 2018 zusammen mit 236 indigenen Gruppen, Kleinbauernvereinigungungen und Umweltorganisationen das Ende von Biosprit aus Palmöl gefordert. Vor Kurzem stoppte Oslo die Verwendung solcher Treibstoffe in Regierungsfahrzeugen. Aber Norwegen ist ja nicht in der EU: Allen Mahnungen, Appellen, wissenschaftlichen Untersuchungen zum Trotz fiel am 14. Juni 2018 in Straßburg die Entscheidung, das tropische Pflanzenöl als „Bioenergie“ weiterhin bis 2030 zuzulassen. Der Beschluss kommt einem Aufruf zur Plünderung, zur Abholzung der Wälder der Erde gleich. „Die Konflikte hier in Indonesien werden eskalieren, die Konzerne noch mehr Land beherrschen. Die Artenvielfalt wird aussterben, die Wälder endgültig verschwinden und Indonesiens Anteil an der Klimaerwärmung noch größer; die Natur und ihre Ressourcen werden wirtschaftlichen Interessen geopfert, und das Leben gerät aus dem Gleichgewicht", sagt der indonesische Umweltschützer Romes Irawan Putra.

In Deutschland könnte 50 % des Palmöles gespart werden, würde es nicht mehr als Grundstoff für Biodiesel verwendet werden. Aber man will ja nicht.

Wie gesagt, es ist ja nicht nur das Palmöl: Auch Biosprit aus Soja- und Rapsöl verursacht mehr klimaschädliche Emissionen als Diesel aus Erdöl, wie Studien im Auftrag der EU (die sich dann aber nicht darum schert) belegen.Der Anbau der Pflanzen kostet viel Energie aus Kohle oder Erdöl. Dazu gehören die Bestellung der Felder, Erntemaschinen, Transport, Lagerung und die Verarbeitung zum Kraftstoff. Außerdem müssen die Felder gedüngt werden, um viel Ertrag zu bringen. Aus chemischem Dünger entweicht aber jede Menge Lachgas – und Lachgas heizt die Atmosphäre noch 300 mal stärker auf als CO2 auf.

Durch Biosprit steigen auch Lebensmittelpreise. Weil Bauern weltweit mehr Pflanzen für Biokraftstoffe anbauen, kommt es insgesamt zu einer Verknappung der Nahrungsmittel und daher zu steigenden Preisen. Sämtliche Pflanzen, die dem Benzin und Diesel beigemischt werden, sind Nahrungsmittel. Von 200 Kilogramm Getreide kann man einen Menschen ein Jahr lang gut ernähren - oder sein Auto zweimal volltanken und durch die Gegend düsen. Die Autofahrer der reichen Industrienationen pusten das Essen der Armen durch den Auspuff: wir sind damit (ungewollt, manche "billigend in Kauf nehmend") Komplizen der Regenwaldzerstörung.

Biosprit ist ein Klimakiller, verursacht Armut und ist ein Irrweg, der schnellstmöglich verlassen werden muss.