Regenwald-Titel

Kauft keine Holzkohle sonder nutzte Alternativen.

Tipp 5 von 10

Alle 10 Tipp´s

Holzkohle wird benutzt zur Erzeugung intensiver Hitze besonders überall da, wo Rauch- und Flammenbildung vermieden werden muss, z. B. im Schmiedefeuer, als Bodenhilfszusatzstoff im Gartenbau und in der Landwirtschaft oder bei chemischen Vorgängen. Wir benutzen Holzkohle vor allem zum Grillen in der Freizeit (und manchmal auch wenn wir Durchfall haben, dann aber medizinische Kohle).

Der größte Teil der weltweit hergestellten Holzkohle stammt aus den so genannten Schwellen- (die sich am Anfang oder in einem fortgeschrittenen Prozess der Industrialisierung befinden) und Entwicklungsländern (gekennzeichnet vor allem durch eine schlechte Versorgungslage mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern, durch Armut, Unterernährung und Hunger, durch Einschränkungen bei der Gesundheitsversorgung, eine hohe Kindersterblichkeitsrate und eine geringe Lebenserwartung, mangelhafte Bildungsmöglichkeiten, eine hohe Analphabeten- und Arbeitslosenquote). Die Gesamtmenge an Holzkohle weltweit wird auf mindestens 43 Millionen Tonnen geschätzt.

 

Für Deutschland wird eine Importquote von etwa 98 % angenommen (in 2017 im Wert von 100 Millionen Euro). Die Herkunft der ausländischen Holzkohle ist allerdings oft nicht leicht zu identifizieren. Während Nachhaltigkeitssiegel wie PEFC (auf deutsch: Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung) oder FSC (Forest Stewardship Council) behaupten zu belegen, dass das eingesetzte Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt, sagt dies nichts über die geografische Herkunft des Holzes aus. Der WWF (World Wide Fund für Nature) hat in einer breit angelegten Studie herausgefunden, dass eine große Menge der Kohle aus Tropenholz besteht. Der WWF Schweiz, dritte Ländergesellschaft des WWF, stellte 2018 die in der Schweiz erhältlichen Grillkohlen auf die Probe. Dabei wurde festgestellt, dass viele der Produkte falsch deklariert werden. Nahezu in der Hälfte der getesteten Produkte konnten tropische Holzarten nachgewiesen werden. Einer Handelskette einer schweizerischen Agrargenossenschaft konnte trotz des Aufdrucks auf ihren Produkten "kein Tropenholz" ausschließlich Tropenholz nachgewiesen werden. Frech meinte die Firma, Namibia zähle nicht zu den Tropen sondern zu den Subtropen und demnach sei die Deklaration korrekt.

Holzkohle-Produkte stammen oft aus illegalem Holzeinschlag und werden trotzdem mit dem FSC-Siegel etikettiert. Weit über 200.000 Tonnen Grillkohle und –briketts verglühen hierzulande jährlich, meist Holzkohle aus Übersee (pro Jahr je nach Schätzung werden bis zu 2000 Fußballfelder Regenwald im Grill verheizt). Bei der Produktion gelangen Formaldehyd, Teere und Essigsäure oft ungefiltert in die Umwelt. Die Grillkohle aus Übersee ist oft ein Nebenprodukt, das bei der Rodung großer Waldflächen für Viehweiden oder den Soja-Anbau entsteht. Die Grillholzkohle in Deutschland kommt zum Teil aus Polen, ein wenig aus der Ukraine, aber auch aus Südamerika (Paraguay) oder Afrika. Nigeria zählt weltweit zu den größten Exporteuren von Holzkohle. Einer der Hauptabnehmer ist Deutschland. Entlang des Niger-Deltas im Süden Nigerias leben viele Menschen von der Produktion der Holzkohle aus Tropenwald. Im Tropenwald leben aber auch die letzten Schimpansen Nigerias.

Wer in Deutschland Holzkohle für den Grill kauft und sicher sein will, dass es kein verkohltes Tropenholz ist, muss genau auf die Verpackung schauen. Auch bei Holzkohle aus Übersee steht oft eine deutsche Adresse drauf und ein FSC-Siegel auf der Verpackung ist besser als gar keins. Bei Grillkohle verspricht das DIN-Prüfzeichen DIN-EN 1860-2 weniger Giftstoffe und weist darauf hin, dass ein gewisser Mindeststandard bei Qualität und Umweltbelastung eingehalten wurden. Angaben wie "kein Tropenholz", "Naturprodukt", "natürlicher Herkunft", "aus bewirtschafteten Forstbeständen" sind ohne Siegel wenig bis nichts wert.

Utopia Tipp: Grill anzünder selber machen

Es geht aber auch anders.

Holzkohle aus deutscher Produktion ist selten, aber vorhanden. Die Firma ProFagus in Bodenfelde bei Göttingen und die Firma Nero (Nero Grillkohle native), ein Unternehmen aus Baden-Württemberg und seit 2017 an dem Start, sind mittlerweile zwei von ganz wenigen, die noch Holzkohle bzw. Grillkohle in Deutschland produzieren. Alles hat seinen (höheren) Preis, aber es rechnet sich: diese qualitativ hochwertige Holzkohle speichert länger die Hitze und glüht wesentlich länger nach. Und ein gutes Umweltgefühl zwischen Grill und Bierflasche  ist auch der höhere Preis wert.

Alternativen zur Grillkohle sind Olivenkerne aus Abfällen der griechischen Ölproduktion (z. B. Grillbriketts aus Olivenkernen, Mais), Grillholz aus Weinstöcken oder aus Kokosnussschalen. Diese haben allerdings einen längeren Transportweg und bei der Nutzung dieses Abfallprodukts unterstützt man die Kokosindustrie, für deren Betreibung auch Regenwälder gefällt werden. Also: weniger empfehlenswert.

Auch bei Grill-Anzündern gibt es FSC-zertifizierte Produkte. Noch besser: Ihr macht die Grillanzünder gleich selber.

Eine Empfehlung an die Menschen in Deutschland ist, auch einfach mal etwas weniger zu Grillen. Ist eh nicht so gesund.

Reduziert den Verbrauch von Holzkohle und Holzbriketts. Wenn es nicht anders geht, dann bitte nur FSC-zertifizierte Produkte kaufen, bei allen Unsicherheiten, die auch mit der Zertifizierung verbunden sind, oder, am besten, Holzkohle aus deutscher Produktion. Zum Schutz der tropischen (auch südtropischen) Wälder und ihrer Bewohner.

In diesem Sommer 2018 wäre der Solar-Grill natürlich der Hit gewesen.