Regenwald-Titel

Kauft Recycling Toilettenpapier, Taschentücher und Druckerpapier.

Tipp 7 von 10

Alle 10 Tipp´s

Jedes Jahr verschwinden in etwa 15 Millionen Hektar Wald.

Papier besteht zunächst aus Holz, genauer aus Holz- oder Zellstoff, also müssen Bäume gefällt werden. "Fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet", kritisiert die Umweltorganisation WWF. Mit anderen Worten: es verschwinden jährlich etwa 15 Mio. Hektar Wald, eine Fläche dreimal so groß wie die Schweiz, das ist alle zwei Sekunden ein Fußballfeld. Im Regenwald werden manchmal 700 Jahre alte Bäume für Papierprodukte gefällt. Deutschland ist ganz vorn beim Papierverbrauch: 247 Kilo Papier verbrauchen wir pro Jahr und Kopf. In den 247 Kilo sind zwar alle Papierarten vom Schuhkarton bis zum Klopapier enthalten, das Drucker- und Kopierpapier macht aber einen deutlichen Teil der Gesamtsumme aus.

Vor allem der Zellstoff wird in Deutschland zu 80 Prozent importiert. Auch wenn auf der Verpackung steht, dass das Papier oder der Rohstoff nicht direkt von Tropenholz stammt, ist dafür möglicherweise auch Regenwald gerodet worden. Angelika Krumm, von der Umweltorganisation Robin Wood, in Schwedt/Oder: "Das allermeiste Papier, in Form von Zellstoff, das wir für die Produktion in der deutschen Papierindustrie importieren, stammt tatsächlich aus Brasilien. Überwiegend aus Eukalyptus-Plantagen." Und auf eben diesen Plantagen stand früher Regenwald.

Aber auch die nordischen Urwälder in Russland, Schweden oder Kanada sind betroffen. In Nordamerika ist der industrielle Holzeinschlag zu 80 %,  in Russland bis zu 85 % für die Gefährdung der Urwälder verantwortlich Es folgen Klimaveränderung und Bodenerosion, die dortigen Braunbären und Luchse verlieren ihre Heimat. In Kanada wird sogar in Schutzgebieten für Grizzly-Bären abgeholzt, um den Papierbedarf zu decken. Neben Südamerika fallen auch auf der indonesischen Insel Sumatra viele Baumriesen für billiges Papier. Der Lebensraum der Orang-Utans schwindet, Gewässer werden verschmutzt, Menschen aus ihrem Wald vertrieben.

Auch im Herstellungsprozess werden Umwelt und Ressourcen intensiv belastet. Andreas Detzel vom Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg: „Der Energieverbrauch ist bei der Frischfaserherstellung insgesamt sehr hoch, weil ich zum einen ja die Fasern aus dem Holzverband eines Baumes herauslösen muss. Dann muss ich diese Fasern auch noch bleichen und das ist der zweite große Schritt, für den ich erhebliche Energie aufwenden muss". Die Fasern werden aus dem Holzverbund  mittels Chemikalien herausgelöst, es kommen saure oder alkalische Schwefelsalzsäuren zum Einsatz. In Europa wird zwar hauptsächlich chlorarme Bleiche verwendet, aber auch diese Chemikalien sind sehr schädlich und umweltbelastend. Deshalb täuscht der Zusatz "chlorfrei" darüber hinweg, dass eben nur kein giftiges "elementares Chlor" verwendet wird. Auch der Wasserverbrauch ist enorm.

Recyclingpapier besteht aus wiederverwertetem Altpapier (die Papierfaser von Altpapier lässt sich fünf- bis sechsmal wiederverwerten), Pappe oder Karton. Die Produktion ist wesentlich umweltverträglicher als die von Frischfaser-Papier, da weder Urwälder abgeholzt, noch Zellstoffe schadstoff- und energiereich gewonnen werden müssen. Ein Kilo Frischfaserpapier benötigt 2,2 Kg Holz, belastet das Abwasser mit 65 g CSB (chemischer Sauerstoff-Bedarf bei der biologischen Abwasserklärung), verbraucht 100 l Wasser und 4 kWh Energie. Ein Kilo Recycling-Papier benötigt null Holz sondern 1,15 kg Altpapier, die Abwasserbelastung beträgt 3,5 g CSB, es werden 15 l Wasser verbraucht und 1,5 kWh Energie.

Die Qualität von Recycling-Papier kann mit derjenigen von Frischfaser-Papier problemlos mithalten. "Stiftung Warentest" und das Bundesamt für Materialprüfung testeten in den vergangenen Jahren mehrfach Recycling-Papiere unterschiedlicher Sparten. Immer waren Frischfaser- und Recycling-Papier qualitativ gleichauf. Die Papierindustrie gibt sich allerdings Mühe, Recyclingpapier schlecht zu machen, um ihr Frischfaser-Papier besser zu verkaufen.

Recyclingpapier ist auch nicht teurer als Frischfaser-Papier, es ist kopierfähig, hinterlässt keine Schäden bei Kopierern (man braucht auch nicht mehr Toner), die Bildqualität ist gut und es lässt sich einige hundert Jahre problemlos archivieren. Durch die Reinigung und das Entfernen der Druckfarbe (De-Inking) kann Recyclingpapier auch als graphisches Papier eingesetzt werden. Die Qualität entspricht mindestens in Bezug auf Beschreibbarkeit, Alterungsbeständigkeit, Laufeigenschaften von Kopierpapier, Farbkon-trast den Eigenschaften weißem Frischfaserpapier. Der Weißegrad liegt zwischen 60 % und 90 %. Laut Greenpeace hält sich hartnäckig das Gerücht, auf Recyclingpapier könne man nicht richtig mit Füller schreiben, weshalb solche Hefte insbesondere in der Grundschule zu vermeiden seien. Diese Gerüchte wurden aber von der "Stiftung Warentest" widerlegt.

Die Industrie hat eine Reihe von "Umweltsiegeln" erfunden, mit denen sie ihre Papierprodukte anpreist. Die meisten dieser Siegel sind irreführend, weil sie fälschlich Umweltverträglichkeit suggerieren. Dies sind z. B. "Aqua pro Natura", "Weltpark Tropenwald", "PEFC",  EU-Ecolabel, das Europäisches Umweltzeichen oder das Werbezeichen "Für aktiven Gewässerschutz". Auch wenn auf der Verpackung „holzfrei” steht, zeigt das nur an, mit welchem Verfahren das Papier hergestellt wurde. Es stammt aber aus 100 % Holz. In Deutschland erhält ein Produkt aus 100 % Altpapier das Umweltzeichen des Umweltbundesamtes "Blauer Engel". Es garantiert, dass 100 % Altpapier und nur bestimmte Stoffe zur Herstellung benutzt wurden. Es bestehen hohe Anforderungen an die Zusatzstoffe, Bleichmittel etc.

Die mit Abstand beste Umweltbilanz hat das sogenannte "Umweltschutzpapier". Es ist Recyclingpapier, das ausschließlich aus sogenannten "unteren Sorten", also gemischten Haushaltsabfällen, hergestellt wird, wobei auf jeglichen Chemikalien-Zusatz verzichtet wird. Füll- und Leimstoffe natürlicher Herkunft sind erlaubt. Um sich "Umweltschutzpapier" zu nennen, darf für die Herstellung des Produkts eine bestimmte, sehr niedrige Wassermenge nicht überschritten werden. Für Umweltschutzpapier existiert kein allgemein gültiges Siegel. Die ersten Firmen, die Umweltschutzpapier herstellten, verwendeten dafür eigene Bezeichnungen ap oder vup. Das Umweltschutzpapier übertrifft noch die Umweltverträglichkeit des "Blauen Engel", da bei der Produktion weder die im Altpapier vorhandenen Druckfarben physikalisch/chemisch entfernt werden, noch das Papier gebleicht wird. Bei der Herstellung wird der Wasserverbrauch so gering wie möglich gehalten. "Ökopa" oder "Ökopa plus" sind weitere Marken. Die Gebrauchseigenschaften von Umweltschutzpapier sind nahezu identisch und die Qualität entspricht ebenfalls der von weißem Frischfaserpapier (man muss meistens aber auf das reine Weiß verzichten). Gibt's auch als Toilettenpapier. Es ist noch ökologischer als 100 % recyceltes Papier, z. B. SATINO Black. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Seite von Cradle to cradle (“Cradle” im Sinne von “Ursprung”, c2c-ev.de).

Daher:
Rückseiten einseitig beschriebener alter Papierblätter als Notizzettel nutzen,
In alten Briefumschlägen Dinge aufbewahren oder auch als Einkaufszettel nutzen
Zeitungspapier im Mülleimer spart Mülltüten aus umweltschädlichem Kunststoff,
Nur Recyclingpapier bzw. Umweltschutzpapier nutzen (oder, für liebenswerte Exzentrische, Bananenblattpapier, Elefantendung-Papier, Strohseide).

 

Druckt und schnäuzt Euch (etc.) ökologisch!