Regenwald-Titel

Versucht auf Tropenfrüchte zu verzichten und achte sonst auf fairen Handel.

 

Tipp 8 von 10

Alle 10 Tipp´s

Fangen wir mit dem Schlimmsten an: Tropenfrucht-Direktversender liefern wöchentlich erntefrische Früchte aus Übersee, z. B. Sri Lanka, Thailand, Peru oder Afrika, nach Deutschland, direkt zur Kundin oder zum Kunden. Während man online bestellt, sollen die Früchte noch im Baum hängen. Von der Bestellung bis zum Erhalt der Ware vergehen maximal sechs Tage. Ein echtes Lifestyle-Produkt.

Müssen wir uns wirklich "Ur-Bananen", Passions- und Drachenfrüchte, Durian, Longan, Mangos, Mangostane, frische Trinkkokosnüsse, Papaya oder Cashewkerne direkt nach Hause liefern lassen? Geworben wird vielfach mit "sonnengereift", "Geschmack" und "Vitamine". Es ist ein Irrglaube, dass sich Flugobst darin von Obst, das mit dem Schiff transportiert wurde, unterscheidet.

Die Schiffsfracht verursacht weniger CO2-Emissionen als das Flugzeug, aber im Ergebnis steht das Flugzeug besser da. Schiffe werden in der Regel mit Schweröl betrieben, das einen sehr hohen Anteil an Schwefel und toxischen Metalloxiden hat, und stoßen eine Menge Feinstaub aus. Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (Nabu) gibt an, dass jedes Jahr in Europa circa 50.000 Menschen als Folge von Schiffsemissionen vorzeitig sterben. Für die Umwelt bedeuten Schwefeloxide saurer Regen und Stickoxide eine Versauerung der Böden. Rußpartikel fördern auch den Klimawandel dadurch, dass sich die dunklen Partikel auf den Eisflächen ablagern, mehr Wärme absorbiert und somit die Schmelze vorangetrieben wird. Es ist also davon auszugehen, dass das Schiff nicht klimafreundlicher als das Flugzeug ist. Versuche und Appelle, mittels strikter Schadstoff-Grenzwerte, Einsatz schwefelärmerer Treibstoffe, Stickoxid-Katalysator und Rußpartikelfilter die Umweltbelastung zu senken, blieben bisher weitgehend wirkungslos. Zu teuer. Das Geld einmal wieder, nur der Profit zählt.

Per Schiff importierte Ware wird meist unreif geerntet; Bananen beispielsweise kommen bei 12,5 Grad auf das Schiff und halten sozusagen Winterschlaf. In der deutschen Bananenreiferei kommen sie für fünf bis sieben Tage in die Reifekammer. Einmal pro Reifevorgang werden sie mit Ethylen begast. Das ist ein gasförmiges Pflanzenhormon, das auch von reifenden Früchten wie Äpfel, Birnen oder Kirschen freigesetzt wird. Da die Banane nicht mehr mit der Staude in Verbindung steht, wird der Stoff künstlich hinzugegeben. Aromastoffe aber entfalten sich nicht gleicher Weise, wie es unter natürlichen Bedingungen bei sonnengereiften Bananen der Fall ist. Rein statistisch isst jede*r Deutsche pro Jahr 18 Kilogramm Bananen. Manche andere Früchte reagieren auf die künstlichen Bedingungen mit Schäden. Das Fruchtfleisch wird braun, faulig, schaumig oder faserig. Man sieht ihnen den Verderb, die Überreife oder die Unreife von außen nicht an, dafür sorgt die ausgeklügelte Nacherntetechnologie und die extra auf attraktives Aussehen gezüchtete Sorte. Und so werden auch Früchte minderer Qualität verkauft.

Schnell verderbliche Früchte oder solche, die nach der Ernte nicht mehr viel nachreifen, werden per Flugzeug transportiert. Aber nicht jede Frucht ist gleich: So kann ein deutscher Apfel, der über Monate im Kühlhaus gelagert wurde (an Erdkühlschränke denkt die Industrie nicht), eine schlechtere Klimabilanz haben, als eine Wassermelone, die gerade Saison in der Türkei hat oder gar ein Apfel aus Chile.

Manche Unternehmen mit Partnern in Übersee sind BIO- und FAIRHANDEL-zertifiziert, obwohl der Lufttransport der Waren zu einem hohen Kohlendioxidausstoß führt. Der Kauf der Tropenfrüchte ist eine bedeutsame Einnahmequelle für die Bauern vor Ort, sofern die Arbeitsbedingungen fair sind. Generell aber erfolgt der Anbau tropischer Früchte weit überwiegend in Monokulturen oder die Wachstumszyklen werden chemisch manipuliert. Ananas zum Beispiel werden häufig auf diese Weise angebaut und mit einer großen Menge Pestizide und Insektizide behandelt. Diesen sind nicht nur wir dann ausgesetzt, sondern auch das Trinkwasser vor Ort und die Menschen, die auf den Plantagen arbeiten. Neben den gesundheitlichen Problemen, sind auch die sozialen Bedingungen der Obstpflücker*innen ‑ bis auf wenige Ausnahmen ‑ verheerend.

 

Um ökologische und sozial faire Konditionen zu schaffen, ist es also sehr wichtig beim Kauf von Tropenfrüchten auf die Zertifizierung für fairen Handel und biologische Produkte zu achten. Der faire Handel verbessert die Lebensbedingungen der Bauern und Plantagenarbeiter ein wenig, das EG-Öko-Zertifikat (siehe in der Fußnote "www.kontrollverein...) verlangt den Verzicht auf künstliche Düngemittel, Fungizide und Insektizide, in den Anbaufeldern müssen auch andere Pflanzen angesiedelt werden, die einer Monokultur entgegenwirken.

Davon abgesehen: Obst im allgemeinen trägt bei weitem nicht so viel zu Klimaschäden bei wie Fleisch- und Milchprodukte. Neben der Belastung von Wasser und Böden erzeugt die tierische Lebensmittelindustrie wesentlich mehr Treibhausgase als der Anbau von pflanzlichen Produkten. Laut WWF werden von den gesamten direkten Treibhausgas-Emissionen, die unsere Ernährung verursacht, beinahe 70 % durch tierische Lebensmittel verursacht. Aber das ist ein anderes Kapitel. Tipp 1

Tropenfrüchte sollten ein Luxus sein, den wir uns nur selten gönnen sollten. Wenn Ihr zum Jetset gehört und auf ökologische und sozial faire Konditionen achtet, könnt Ihr ja machen, was Ihr wollt. Abwägen müsst Ihr nur den Nutzen für die dortigen Bauern und die Klimaschädlichkeit von Importen aus Übersee. Für alle anderen: Im Sommer gibt es reichlich regionales Obst (Kirschen, Erdbeeren, Pfirsichen, Nektarinen, später Äpfel und Birnen etc.). Da kann man auf Tropenfrüchte verzichten.

Sonst sollte man Früchte wählen, die von ihrer Saison her gerade aus näheren Ländern importiert werden können. Einige exotische Früchte, Kiwis zum Beispiel, wachsen auch in unseren Breiten. Anbauflächen gibt es in Frankreich und in den Mittelmeerländern, allen voran in Italien. Griechenland steigert wegen seiner guten Produktionsbedingungen seinen Kiwianbau weiterhin, auch bei Bio-Kiwis.

Überseeimporte sind insgesamt nicht klimafreundlich zu realisieren. Und wer dann noch mit dem Auto zum Supermarkt fährt, hat in etwa die gleichen Klimaauswirkungen verursacht wie eine Packung Flugobst.

Bayern z.B. macht es noch anders: dort steht ein Gewächshaus, in dem auf 3.500 m2 Papayas, Maracujas und andere Tropenfrüchte in Bio-Qualität produziert werden. Geplant sind Ernten von zehn Tonnen, die für die regionale Gastronomie vorgesehen sind. Die Heizung des Gewächshauses erfolgt durch die Nutzung von Industrieabwärme, die sonst in die Umwelt verpuffen würde. Nachdem man trotz Lichtmangel in der kalten Jahreszeit auf eine Verwendung von Tageslichtlampen verzichtete, soll nun ‑ lt. beteiligter Forscherin ‑ die Ökobilanz der Tropenhausfrüchte positiv sein.

Wer kein Restaurant in Bayern hat, kann kreativ werden: Die Guave oder die Ananasguave sind große Sträucher und stammen aus Mittelamerika (Guave) bzw. aus Brasilien (Ananasguave). Guavenbäume sind sehr anspruchslos was den Boden und die Wasserversorgung betrifft. Sie sind kälte- und windverträglich; es gibt frostharte Pflanzen, die sich als Kübelpflanzen eignen und die die meiste Zeit des Jahres draußen stehen können. Ananasguaven können sogar ausgepflanzt werden und in geschützten Lagen ganzjährig im Freien wachsen. Sie brauchen lediglich Winterschutz. Aber auch das ist ein anderes Kapitel.

 

Auch herkömmlicher Kaffee und Kakao sind nicht einfach genießbar, wenn man ein Herz für die Tropenwälder und die Tierwelt hat:

Die Elfenbeinküste war vor nicht langer Zeit eine der artenreichsten Weltregionen, Hunderttausende Elefanten zogen durch die Savannen und Regenwälder - heute sind nur noch rund 300 Elefanten übrig. Auch Schimpansen, Zwergnilpferde, Leoparden und Krokodile haben ihren Lebensraum größtenteils verloren. Einst war ein gutes Drittel der Elfenbeinküste von Wäldern bedeckt - jetzt sind es nur noch elf Prozent. Die meisten Bäume wurden für Kakaoplantagen abgeholzt, wegen der steigenden Nachfrage nach Schokolade aus dem Rest der Welt. Bauer, Transporteure, Händler und Konzerne wissen, dass der Kakao seit Jahren vermehrt aus illegalem Anbau in Naturschutzgebieten kommt. In einigen Naturschutzgebieten sind rund 90 Prozent der Flächen abgeholzt und durch Kakaoplantagen ersetzt, denn illegal angebauter Kakao ist günstiger als Ware von kontrollierten Plantagen. Die Kunden der drei großen Agrarhändler sind Mars, Ferrero, Lindt, Mondelez, Nestlé oder Cadbury. Sie bestimmen Nachfrage und Preis.

Die Alternative wäre, Kakaobäume unter großen Bäumen anzupflanzen, da die Bäume  im Schatten besser wachsen sollen: die Wälder müssen nicht abgeholzt werden. Dahingegen schauen sich die Händler aufgrund der immer weiter steigenden Nachfrage, auch in anderen Ländern um, die weniger im Fokus von Aktivist*innen oder Umweltschützer*innen stehen. So wird für den Kakaoanbau jetzt auch Regenwald in Indonesien, der Demokratischen Republik Kongo oder in Peru gerodet.

Auch für unseren täglichen Kaffee wird der Regenwald sterben. Die Nachfrage nach dem Kaffee wird ohne Regenwaldabholzung in Zukunft nicht zu decken sein.; zu diesem Schluss kommen Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich nach einer Analyse des Kaffeeanbaus im Klimawandel: Für den beliebtesten Arabica-Kaffee müssten Regenwälder weichen. Der Landbedarf für den Kaffeeanbau hängt laut der ETH Zürich im Wesentlichen von der Ausbreitung des gefürchteten Kaffeekirschenkäfers ab. Er werde mit dem Klimawandel mehr Plantagen als heute befallen, die Erträge reduzieren, weshalb die benötigte Anbaufläche zunehmen wird. Falls die Regionen, in die der Arabica-Anbau ausweicht, mit natürlichen Wäldern bewachsen sind, prognostizieren die Studienautoren einen Verlust von 35% der dort lebenden, bedrohten Wirbeltierarten.