Regenwald-Titel

Kauft keine Gegenstände aus Tropenholz.

Tipp 9 von 10

Alle 10 Tipp´s

Nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) wurden in 2014 weltweit rund 3,7 Milliarden Kubikmeter Holz (inkl. Tropenholz) aus Wäldern und Plantagen geerntet. Die wichtigsten Exporteure von Tropenholz sind Malaysia, Papua-Neuguinea, Indonesien, Myanmar und Thailand und Brasilien, aber auch Zentral-Afrika ist dabei.

Unter Tropenholz versteht man Hölzer, die aus den tropischen und subtropischen Wäldern in Asien, Afrika und Lateinamerika stammen. Die Holzsorten, zum Beispiel Mahagoni, Teak oder Palisander, werden zu edel wirkenden Möbeln und anderen Produkten verarbeitet, sogar zu Besenstielen. Ein großer Teil des Holzes, das wir verbrauchen, stammt von sehr alten Bäumen, die in Urwäldern wachsen. Dort standen die Bäume oft viele Hundert Jahre, ohne dass ein Mensch sie je angetastet hat. Um an das Holz dieser Bäume, das meist als besonders widerstandsfähig gilt, zu kommen, müssen Straßen, Holzlager und Sägewerke in den Regenwaldgebieten gebaut werden. Um die Stämme aus dem Wald zu ziehen, wälzen Bulldozer und Forstschlepper unzählige andere Bäume platt. Insgesamt rodet die Tropenholzindustrie so viele Bäume, dass immer mehr Arten für immer von der Erde verschwinden. Auf der Insel Borneo, die zu Indonesien und Malaysia gehört, ist in den letzten 50 Jahren fast die Hälfte der Regenwälder verschwunden, hauptsächlich, um das Holz zu exportieren. In Asien zerstören Holzfäller bis zu zwei Drittel der gesamten Vegetation, nur um ein paar Baumarten aus dem Wald zu schlagen.

Amerikanisches Mahagoni beispielsweise: diese Bäume stehen im Regenwald vereinzelt meist in Flussniederungen, so dass für jeden geschlagenen Baum viele weitere gefällt werden, um eine Transportschneise zu schaffen. Auch das im Regenwald sehr komplex aufgebaute Ökosystem mit zahlreichen Symbiosen macht das Fällen sehr problematisch, weil Auswirkungen von großflächigen Störungen nur schwer abzuschätzen sind. Wenn in den Regenwäldern Bäume gefällt werden, verlieren viele Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Bei diesem Mahagoni beispielsweise ist die Gefahr der Übernutzung besonders groß, da es sich um einen langsam wachsenden Baum handelt, der erst in einem Alter von 10 bis 15 Jahren zu blühen beginnt und sich auch erst dann fortpflanzen kann. Ein großer Teil der Samenbäume wird jedoch gefällt, wodurch die Regenerationsfähigkeit dieser Baumart in Gefahr kommt. Gebietsweise, besonders in Mexiko, Costa Rica, Panama, im Nordwesten von Südamerika und in Amazonien bis nach Bolivien, sind die Baumbestände bereits so gut wie geplündert.

Die Abholzung der Bäume ist meistens illegal. "Illegal" beschreibt hier neben dem Fällen, auch den Transport und Verkauf von Holz unter Verletzungen nationaler Gesetze. Wenn es nach der Umweltorganisation FERN (Forests and the European Union Resource Network) ginge, umfasste illegaler Holzeinschlag auch den Kauf von illegal eingeschlagenem oder transportiertem Holz. Die Europäische Union (EU) hat festgestellt, dass rund ein Fünftel des Holzes, das in die EU-Länder eingeführt wird, aus unerlaubten Rodungen stammt. Längst gehört der illegale Holzeinschlag und -handel zu den weltweit organisierten Verbrechen; man spricht inzwischen auch von der Tropenholz-Mafia.

Die EU hat dagegen etwas unternommen und die sogenannte Holzhandelsverordnung beschlossen: seit März 2013 werden Einfuhr und Handel mit illegalen Hölzern in der EU unter Strafe gestellt; es gibt strikte Handelsverbote, die grundsätzlich eine kommerzielle Nutzung ausschließen. Die aktuelle Liste der geschützten Holzarten findet Ihr Hier

Manche Holzfirmen rühmen sich damit, sie würden genauso viele Bäume wieder anpflanzen, wie sie abholzen. Es ist aber ein großer Unterschied, ob man einfach nur Bäume in den Boden setzt oder ob sich ein Wald entwickelt, wie es in der Natur geschieht. Wer Bäume auf einer Fläche pflanzt, die er vorher kahl geschlagen hat, hat den Wald vernichtet. Niemand ist in der Lage, die vielen Tier- und Pflanzenarten mit „aufzuforsten”, die früher in dem Ökosystem gelebt haben. Deshalb ist auch Holz von Plantagen keine gute Lösung, abgesehen davon, dass die Dichte des Holzes oft geringer ist als das aus Wäldern im natürlichen Verbreitungsgebiet. Auf den Plantagen wird meist nur eine einzige Baumart angebaut; die Bäume stehen in endlosen Reihen, werden gedüngt und mit Unkraut- und Insektenvernichtungsmitteln behandelt. Tiere und andere Pflanzen können dort nicht überleben. Deshalb nennt man diese industriellen Plantagen auch „grüne Wüsten“. Es sind riesige Landflächen, auf denen vorher oft Wald stand, in und von dem Teile der Bevölkerung lebten.

Wenn wir bereit sind, auf die besonderen optischen Merkmale der Tropenhölzer, die Luxus und Reichtum (außer vielleicht bei Besenstielen) vorgaukeln, zu verzichten, können wir immer auch auf heimische Hölzer zurückgreifen. Die Robinie ergibt ein sehr widerstandsfähiges Holz. Sie ist seit über 300 Jahren überall in Europa in Parks und Gärten gepflanzt und ist längst auch wild sehr weit verbreitet.

Allerdings darf es nicht einfach so jedem hiesigen Baum an den Kragen gehen. Die Umtriebszeit ist die durchschnittlichen Dauer von der Begründung eines Waldes bis hin zu seiner "Ernte". Die Eiche, ein widerstandsfähiges Holz, muss 180 bis 300 Jahre wachsen, bevor sie gefällt wird. Kiefer, Douglasie und Lärche gehören zu den mäßig widerstandsfähigen Hölzern. Das Umtriebsalter beträgt da jeweils 80 bis 140, 60 bis 100 bzw. 100 bis 140 Jahre. Das bon mot "Willst Du, dass Deine Enkel fluchen, pflanze Buchen, Buchen, Buchen!" bedeutet, dass eine heute gepflanzte Buche erst Generationen später das Umtriebsalter erreicht hat.

Auch beim Fällen einheimischer Bäume, z. B. aus dem eigenen Garten, gilt es einiges zu beachten: Erkundigt Euch bei Eurer zuständigen Kommune oder Eurem zuständigen Bezirksamt, ob von der Naturschutzbehörde (wenn es darum geht, Bäume zu fällen, weil sie als störend empfunden werden), dem Forstamt (wenn es darum geht, Bäume in einem Wald zu fällen), dem Ordnungsamt oder von den Katastrophendiensten (wenn es darum geht, wegen durch Naturkatastrophen wie Blitzeinschlag, Sturm, Überschwemmung entstandenen Gefahren Bäume so schnell wie möglich fällen zu lassen) eine Genehmigung einzuholen ist.

"Glücklich, der den Tisch als Holz sehen kann, den Tisch als Holz fühlen kann - der das Holz des Tisches sieht, ohne dabei den Tisch zu sehen, und sei es nur für einen Moment im Leben. Danach wird er "wissen", was ein Tisch ist, aber er wird sein ganzes Leben lang nicht vergessen, dass er Holz ist. Und er wird dann den Tisch, den Tisch als Tisch noch mehr lieben" (Fernando Pessoa, portugiesischer Dichter, und Schriftsteller, 1888 - 1935).